Ausländer markieren, sammeln, ausschaffen

Ein Aktionskünstler hat eine radikale Lösung für die Ausländerfrage gefunden. Am Samstag nun gilt es ernst.

Politisch unkorrekt: Die Zürcher Satirefigur Alois B. Stocher.

Politisch unkorrekt: Die Zürcher Satirefigur Alois B. Stocher.

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Der 47-jährige Alois B. Stocher trägt Anzug und Krawatte, Schnauz und Seitenscheitel. Er hat in Beirut Militärwissenschaften und Ethik studiert. Und er ist Geschäftsführer der «Organisation zur Lösung der Ausländerfrage» (Olaf ). Auf der Webseite Volksbefreiung.ch wirbt der bekennende SVP-Fan für die sofortige Ausschaffung von Ausländern. Denn von diesen hält er nichts: «Jeder Ausländer in der Schweiz ist ein Ausländer zu viel!»

Sein «Lösungsmodell» ist in drei Phasen unterteilt: «1. Markierung». Nicht nur der kriminelle, sondern jeder Ausländer stelle eine potenzielle Gefahr für die Schweizer Bevölkerung dar, schreibt Stocher. Deshalb habe Olaf «spezielle Armbinden produziert, mit denen sämtliche Ausländer markiert werden sollen». «2. Sammlung».

Nachdem alle Ausländer markiert sind, will Stocher sie in speziellen Hallen «zwischenlagern und für ihren Abtransport in ihre Herkunftsländer» vorbereiten. «3. Ausschaffung». Zuletzt sollen die Ausländer, so Stochers Idee, in Container verfrachtet und per Zug ausser Landes gebracht werden.

«Sammeltag für Ausländer»

Am Samstag nun gilt es ernst: Alois Stocher ruft zum nationalen «Sammeltag für Ausländer» auf dem Bundesplatz in Bern auf. Ab 14.30 Uhr nimmt er «Ausländer aller Art und Abstammung» entgegen und verfrachtet diese in den bereitstehenden Container. Sein eindringlicher Appell an die Schweizerinnen und Schweizer: «Bringen Sie uns alle nicht mehr gewollten oder nicht mehr gebrauchten Ausländer.» Wer den Ausländer lieber ausschaffen wolle, ohne dabei gesehen zu werden, könne ihn «ganz einfach und anonym in die dafür vorgesehene ‹Ausländer-Klappe› des Containers» werfen.

Was bitterböse klingt, ist in Wirklichkeit – Satire. Und Alois Stocher die politisch unkorrekte Kunstfigur eines Zürcher Aktionskünstlers. Seinen richtigen Namen will der in Wirklichkeit 34-Jährige nicht in der Zeitung lesen. «Noch nicht», wie er am Telefon sagt. Möglichst lange wolle er die Verunsicherung, die seine «Volksbefreiung» bei den Bürgern auslöse, aufrechterhalten.

Denn nur so könne er deutlich machen, wie gefährlich die Ausschaffungsinitiative der SVP sei: «Wie schon bei der Minarett-Initiative schürt die SVP massiv Ängste. Mit dem Bild des kriminellen Ausländers, welches das Bauchgefühl der Schweizer anspricht, will sie Rassismus in der Verfassung installieren.»

Erschreckende Reaktionen

Auslöser der Aktion seien Plakate der SVP sowie die von der Partei betriebene Website Volksbefragung.ch gewesen, sagt der Künstler. Am meisten schockiert hätten ihn dort die «höchst ausländerfeindlichen» Äusserungen der Blog-User. Die bisherigen Reaktionen auf Alois Stocher seien «erschreckend»: «Ganz viele Leute nehmen unsere Aktion ernst.»

Laut Marc Heeb, Leiter der Berner Orts- und Gewerbepolizei, ist die Aktion des Künstlers bewilligt. Für den gleichen Tag sei zudem eine Bewilligung für den politischen Anlass «Nein zur Ausschaffungsinitiative» ausgestellt worden. Die Organisatoren hätten daraufhin entschieden, sich zusammenzuschliessen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2010, 08:19 Uhr

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