Bachelor um jeden Preis

Neues vom Titelstreit: Der Gewerbeverband sucht die Allianz mit dem Ausland.

Schreiner mit Meisterausbildung sollen künftig einen akademischen Titel tragen dürfen. Foto: istock

Schreiner mit Meisterausbildung sollen künftig einen akademischen Titel tragen dürfen. Foto: istock

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Das Machtwort des Bundesrats im Streit um die Titel der höheren Berufsbildung war deutlich: Akademisch klingende ­Titel wie «Professional Bachelor» hätten auf der Berufsschiene nichts zu suchen, sagte Bildungsminister Johann Schneider-Ammann im vergangenen Sommer. Verschiedene Vertreter der höheren Berufs­bildung hatten gefordert, dass ihre Absolventen – etwa Techniker, Schreinermeister oder Marketingfachleute – ihre Titel mit der Bezeichnung «Professional Bachelor» oder «Professional Master» ergänzen dürfen. Nur so verstünden ausländische Personalchefs den Wert der Schweizer Ausbildung, argumentierten sie.

Nun ist klar: Der Streit geht in die nächste Runde. «Wenn eine nationale Lösung nicht möglich ist, versuchen wir es halt international», sagt Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen ­Gewerbeverbands (SGV). Der SGV hat zusammen mit seinen Partnerorganisationen in Deutschland, Österreich und Luxemburg die «Zürcher Erklärung» unterzeichnet. Die Verbände, darunter der Zentralrat des Deutschen Handwerks oder die Wirtschaftskammer Österreich, bekennen sich in dem Papier zu den ­Titeln «Professional Bachelor» und «Professional Master». Nun wollen sie in Brüssel für eine entsprechende Lösung lobbyieren. «Wenn die EU solche Titel anerkennt, wird auch das Staatssekretariat für Bildung Forschung und Innovation (SBFI) nicht darum herumkommen», sagt Bigler. Zurzeit seien die Verbände daran, das genaue Vorgehen zu planen. In den nächsten Tagen finde ein weiteres Treffen statt. Eine weitere Möglichkeit sei, die «Professional Bachelor»-Zusätze in Eigenregie zu vergeben, sagt Bigler. Rechtliche Abklärungen hätten ergeben, dass entsprechende Diplomzusätze nicht geschützt seien und deshalb auch nicht verboten werden könnten.

Neuer Vorschlag des Bundes

Verschiedene Anbieter der höheren Berufs­bildung machen dies bereits. Zum Beispiel der Verband der diplomierten Absolventen höherer Fachschulen (Odec) vergibt seinen Mitgliedern seit bald zehn Jahren den Titel «Professional Bachelor Odec». Auch verschiedene ­höhere Fachschulen für Wirtschaft überreichen ihren Absolventen seit dem ­Abschlussjahr 2013 ein englisches Zusatz­diplom «Professional Bachelor in Business Administration HFW Premium». Nach dem Entscheid des Bundesrats wolle man dies nun aber wieder überdenken, sagt Michael Vonlanthen, Präsident der Allianz HFW Premium.

Auch das SBFI hat seit dem bundesrätlichen Machtwort in der Titelfrage nach neuen Lösungen gesucht. Gestern lud es die verschiedenen Vertreter der höheren Berufsbildung, darunter jene der Hotelbranche, der Industrie oder der Banken, zu einer Aussprache ein. Bildungsökonom Stefan Wolter präsentierte im Auftrag des SBFI einen Kompromissvorschlag, der dem TA vorliegt. Eine Pflegefachperson zum Beispiel könnte sich demnach künftig mit folgendem englischen Titel bewerben: «Certified Nurse with Advanced Federal ­Diploma of Higher Education». Das SBFI werde nun diese Vorschläge im Detail ausarbeiten, sagt Rémy Hübschi, Leiter Abteilung Höhere Berufsbildung. Anschliessend gebe es eine breite Konsultation unter den Verbundpartnern.

Diese reagieren unterschiedlich. Für Bigler ist der Titel «Federal Diploma of Higher Education» untauglich. Auch aus der Sicht von SP-Nationalrat Matthias Aebischer löst der Vorschlag das Prob­lem nicht: «Diese unverständlich langen Titel sind eine Pseudolösung.» Er war im Dezember im Ständerat mit dem Vorschlag, Titelzusätze wie «Professional Bachelor» einzuführen, gescheitert. Er habe viele Mails von Schweizer Berufsleuten aus dem Ausland erhalten, die wegen des fehlenden Titels weniger verdienten oder Mühe hätten, überhaupt angestellt zu werden.

Die Mehrheit der eingeladenen Wirtschaftsvertreter zeigte sich gegenüber dem SBFI aber vorsichtig offen, wie verschiedene Teilnehmer berichten. Das «Federal Diploma of Higher Education» sei ein guter Übersetzungsvorschlag, sagt zum Beispiel Martin Flügel, Präsident der Arbeitnehmerdachorganisation Travailsuisse. Damit seien aber nicht alle Probleme rund um die Titeldiskussion gelöst.

Erstellt: 11.02.2015, 21:46 Uhr

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