Basel denkt über Sexboxen nach

Lokalpolitiker fordern, die Strichzone von Kleinbasel an einen weniger zentralen Ort zu verlegen. Die Behörden sollen prüfen, ob ein Strichplatz nach Zürcher Vorbild eingerichtet werden könnte.

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Das Rotlichtgebiet im Kleinbasel ist zu klein geworden für die ständig wechselnden Prostituierten aus Ost­europa. Um trotzdem genügend zu verdienen, gehen die Frauen immer wieder ausserhalb der Toleranzzone auf Freierfang – und verärgern damit Anwohner und Gewerbetreibende. Der basel-städtische LDP-Grossrat André Auderset fordert jetzt Massnahmen von der Regierung. Als kurzfristige Lösung sollen Frauen, die ausserhalb der erlaubten Zone anschaffen, sofort mit einer Ordnungsbusse bestraft werden. «Die Verzeigungen, die erst nach drei Monaten in Polen oder Ungarn landen, haben keine abschreckende Wirkung», sagt Auderset.

Längerfristig müsse man das jetzige System aber grundlegend überdenken. Auderset schlägt vor, den Strich an einen weniger zentralen Ort zu verlegen. Die Behörden sollen prüfen, inwiefern man in Basel einen Strichplatz nach Zürcher Vorbild einrichten könnte. Freier und Prostituierte würden sich bei diesem Modell künftig auf einem abgeschlossenen Areal treffen und müssten zum Geschlechtsverkehr sogenannte Sex- oder Verrichtungsboxen aufsuchen. Zürich habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Beratungsstelle nich tbegeistert

Die Fachstelle Aliena des Trägervereins Compagna berät Sexarbeiterinnen. Von der Strichplatz-Idee hält man bei der vom Kanton Basel-Stadt subventionierten Stelle nichts: «Das ist überhaupt keine Lösung», heisst es auf Anfrage. Erstens sei die Situation in Basel nicht so extrem wie früher in Zürich. Ausserdem würde man die Probleme nur aus den Augen der Bevölkerung, aber nicht aus der Welt schaffen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.11.2014, 09:57 Uhr

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