Basel will nach 37 Jahren endlich wieder einen Bundesrat

Nach der Absage von Ständerätin Anita Fetz hofft die Basler SP auf eine Kandidatur von Eva Herzog. Oder auf Hilfe aus Baselland.

Eva Herzog und Claude Janiak.

Eva Herzog und Claude Janiak. Bild: Keystone

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Die Favoritinnen für die Nachfolge von Bundesrat Moritz Leuenberger kommen aus Zürich und Bern. Doch auch Basel will wieder einmal in der Landesregierung vertreten sein. Das war der Stadtkanton letztmals mit SP-Bundesrat Hans Peter Tschudi, der von 1960 bis 1973 im Amt war. Der Basler Wunsch nach einem Bundesratssitz erhielt vor zwei Tagen allerdings einen Dämpfer, weil SP-Ständerätin Anita Fetz ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekannt gab. Nun setzt die SP Basel-Stadt ihre Hoffnung auf Regierungsrätin Eva Herzog. Die 49-jährige Finanzdirektorin hat jedoch das Handicap, dass sie keine Erfahrung in den eidgenössischen Räten hat und in Bern wenig bekannt ist.

Auswahl aus dem Jura ist klein

Diesen Nachteil hat der Baselbieter Ständerat Claude Janiak nicht. Er wurde 1999 in den Nationalrat gewählt und 2006 zum Ratspräsidenten gekürt. 2007 schaffte Janiak die Wahl in die kleine Kammer. Aber auch das Baselbiet kann sich nicht allzu grosse Hoffnungen auf den ersten Bundesrat seit 113 Jahren machen. Denn Janiak liess sich vor vier Wochen in der «Basellandschaftlichen Zeitung» mit der Aussage zitieren, er fühle sich von der Anfrage geehrt, sei aber mit bald 62 für den «Verschleiss-Job» Bundesrat «etwas zu alt». Eine offizielle Absage war das noch nicht. Janiak stellte wie Herzog der SP bis Mitte August den Entscheid über die Bundesratskandidatur in Aussicht.

Da die Auswahl an SP-Kandidaten nördlich des Jura nicht allzu gross ist, wollen sich die SP Basel-Stadt und Baselland zusammen um eine Bundesratskandidatur bemühen: Man hofft auf eine Kandidatur aus dem eigenen Halbkanton, unterstützt aber auch eine aus dem Nachbarkanton. Der baselstädtische SP-Präsident Martin Lüchinger ist sich bewusst, dass es bei einer Kandidatur Herzogs ein starkes Lobbying in Bern und der Region Basel bräuchte: in Basel, um sich die Unterstützung anderer Parteien zu sichern, in Bern, um Herzogs Leistungsausweis zu präsentieren. Dieser lasse sich sehen, sagt Lüchinger. Herzog sei mit eidgenössischer Politik vertraut, sitze sie doch im Vorstand der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren.

Handfeste Interessen

«Es geht auch darum, dass man unsere Region in Bern wahrnimmt», sagt Martin Rüegg, Präsident der SP Baselland. Die Region nördlich des Jura sei mit seinen Pharmakonzernen ebenso ein Tor zur Welt wie Zürich mit seinem Flug­hafen oder das internationale Genf. Ein Bundesrat aus der Region Basel müsste in Bern aber auch handfeste Interessen vertreten. Dazu gehört für Rüegg die Forderung nach dem Wisenbergtunnel durch den Jura, der mehr Kapazität auf der Schiene schaffen soll.

Erstellt: 02.08.2010, 22:47 Uhr

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