Basler Bischof erteilt «Bruder Beno» ein Berufsverbot

Beno Kehl, einst bekanntester Franziskaner der Schweiz, darf nicht einmal mehr ehrenamtlich in der katholischen Kirche tätig sein – weil er eine Familie hat.

Ex-Mönch Beno Kehl ist heute als freier Seelsorger tätig. Foto: RDB

Ex-Mönch Beno Kehl ist heute als freier Seelsorger tätig. Foto: RDB

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Nicht nur der Bischof von Chur, der einen Urner Pfarrer absetzen will, weil er ein lesbisches Paar segnete, sondern auch jener von Basel knickt kirchliche Karrieren und beruft sich dabei auf das Kirchenrecht. Bischof Felix Gmür lässt Beno Kehl nicht mehr in der Pfarrei Lommis TG als Seelsorgemitarbeiter tätig sein, weil dieser ein ehemaliger Franziskaner und heute verheiratet ist.

Neben Abt Martin Werlen war Kehl viele Jahre lang der Mönch mit der grössten öffentlichen Beachtung. Der gelernte Schreiner mit der braunen Kutte und dem Lächeln im Gesicht avancierte zum Darling der Medien. Ob als Einsiedler, Gassenarbeiter im Zürcher Drogenmilieu oder als Klostervorsteher auf der Rhein-Insel Werd: Stets liess sich Bruder Beno medial begleiten.

Auch als er nach 20 Klosterjahren seine Ordensgelübde brach und 2010 das Kloster Werd verliess, schaffte er es auf die Titelseiten der Illustrierten: Jetzt aber zusammen mit seiner geliebten Seraina, mit der er heute glücklich verheiratet ist und zwei Kinder hat. Anfang 2014 dann nahm die Thurgauer Kirchgemeinde Lommis den Ex-Franziskaner als Seelsorgemitarbeiter in einem Teilzeitpensum unter Vertrag. Der 47-Jährige leitete Morgengebete in der Kirche, führte seelsorgerliche Gespräche, war Ansprechperson in der kleinen Pfarrei. Meist wirkte er im Hintergrund, im Chorraum nur im Notfall. Jedenfalls versah er keine priesterlichen Dienste, wie Kirchenpräsident Thomas Segenreich bestätigt.

Doch der Basler Bischof, der auch für den Thurgau zuständig ist, verweigerte dem laisierten Ordensmann die Missio (die kirchliche Beauftragung). Der Personalverantwortliche teilte Kehl mit, der Bischof halte sich an den Beschluss seines Vorgängers Kurt Koch, wonach Ordensleute nach einem Laisierungsverfahren nicht im pastoralen Dienst des Bistums Basel tätig sein dürften. Bischof Gmür beschied, dass Kehl weder in einem Angestelltenverhältnis noch ehrenamtlich im Bistum Basel wirken könne. So sei es ihm etwa verwehrt, einem Kranken die Kommunion zu bringen, überhaupt kirchliche Räume zu nutzen, erklärt Kehl.

Kehl beteuert, nie ein böses Wort gegen die Kirche gesagt, höchstens an die Reformbedürftigkeit gewisser Strukturen erinnert zu haben. Darum schmerze ihn das Berufsverbot vom Bischof. Als er am Tag nach der Hiobsbotschaft, am 20.August, mit dem Velo zur Arbeit in die Pfarrei Lommis fuhr, stürzte er über einen Stein und verunfallte schwer: Gehirnerschütterung und Brüche nötigten ihn zu drei Monaten Rekonvaleszenz.

Ruf nach Einsiedeln

Dennoch fügte sich der Ex-Franziskaner und reichte die Kündigung per Ende 2014 ein: «Es lag mir fern, einen Aufstand gegen die kirchliche Obrigkeit zu machen.» In einem «Brief an die Katholiken» gab er seinem Wunsch Ausdruck, dass sich niemand seinetwegen gegen die Kirchenleitung auflehnen solle. Das hinderte freilich eine Gläubige nicht, sich im «Pfarrblatt» zu empören: «Dass Beno sogar eine ehrenamtliche Tätigkeit in der katholischen Kirche verwehrt ist, schlägt dem Fass den Boden raus.»

Heute begleitet der Ex-Mönch als freier Seelsorger vor allem Menschen ausserhalb, aber auch in der Kirche. Auf der Site kahnu.ch bietet er seine Dienste als Redner und Eventmanager an, lässt sich für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen engagieren. Er ist auch als Buchautor und Streetworker tätig, setzt sich für Wasserprojekte in Afrika ein.

Nun aber wurde Kehl von anderer obrigkeitlicher Seite rehabilitiert: Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln und Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz, fragte ihn an, die diesjährigen Fastenexerzitien für die Einsiedler Benediktiner zu leiten. Letzte Woche hat sie Kehl als Exerzitienmeister «mit grosser Genugtuung» abgeschlossen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2015, 20:49 Uhr

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