Basler Verein Fümoar schwimmt im Geld – und muss es verschenken

2011 haben 110'000 Raucher eine Mitgliedskarte gekauft. Der Überschuss geht an karitative Projekte.

Eintritt nur mit Mitgliedskarte: Die Fass-Bar in Kleinbasel ist ein Fümoar.

Eintritt nur mit Mitgliedskarte: Die Fass-Bar in Kleinbasel ist ein Fümoar. Bild: Keystone

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185 Basler Bars und Restaurants sind mittlerweile im Verein Fümoar zusammengeschlossen. In diesen Beizen ist das Rauchen erlaubt, allerdings werden nur Personen eingelassen, die Mitglied im Verein sind. Dazu bedarf es des Erwerbs der Mitgliedschaft und einer Mitgliederkarte, die jeder kaufen muss, der eine solche Beiz betritt. Sei es, ob er selber raucht oder ob er rauchenden Freunden folgen muss oder ob er ein Tourist oder Geschäftsmann ist, der nur für eine Nacht oder die Dauer einer Messe in der Stadt bleibt.

So haben die Mitgliedsbeizen von Fümoar im Jahr 2010 rund 125'000 Jahreskarten verkauft. Im Jahr 2011 dürfte dieser Wert noch übertroffen werden. Allein in den Monaten Januar bis April sind 110'000 Jahreskarten gelöst worden, wie Mario Nanni, Präsident des Vereins Fümoar bestätigt. Geht der Verkauf der Jahreskarten im gleichen Mass weiter, dann hat der Verein Fümoar Ende des Jahres mehr Mitglieder als Basel Einwohner (191'000).

Sechsstelliger Überschuss

Das wirkt sich auch auf die Vereinskasse aus. Ausschliesslich positiv. Die Wirte verkaufen die Jahreskarten für 10 Franken an die rauchenden Gäste. 2 Franken davon behält der Verein Fümoar ein. Ein Teil davon wird für die Infrastruktur des Vereins und die Kosten für mehrere Musterverfahren aufgewandt, die der Vereinssekretär Thierry Julliard gegen den Kanton führt. Sie sollen klären, ob das Basler Rauchverbot, das über die Bundesgesetzgebung hinausgeht, mit einer Vereinslösung umgangen werden darf oder nicht.

Ein weitaus grösserer Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Mitgliedskarten liegt jedoch brach. Eine genaue Summe wollen weder Julliard noch Nanni nennen, doch konservativ geschätzt dürfte jährlich ein tiefer sechsstelliger Betrag übrig bleiben: Geld, das der Verein gemäss Statuten wieder loswerden muss. «Der Vereinszweck ist nicht, Gewinn zu machen, sondern die Milderung der wirtschaftlichen Folgen des Rauchverbots in Basler Restaurants», sagt Julliard. Deshalb wird Fümoar den Überschuss in karitative Projekte investieren, wie Julliard gegenüber dem TA bestätigt. Wer in den Genuss von Zahlungen kommt, ist noch bis kommenden Dienstag ein gut gehütetes Geheimnis. Dann findet die erste Generalversammlung des Vereins Fümoar statt. Julliard stellt klar, dass die Fümoar-Spenden nicht pauschal an Institutionen gehen werden, sondern direkt an einzelne Projekte und Organisationen. «Wer einen gemeinnützigen Anlass oder ein gemeinnütziges Projekt verwirklicht, dessen Rechnungen begleichen wir direkt. In Institutionen investieren wir jedoch nicht. Wir wollen kein Geld in Administrationsmoloche stecken», sagt Julliard.

GV als Volksfest

Die Generalversammlung des Vereins Fümoar wird den Rahmen einer üblichen Vereins-GV wohl oder übel sprengen und den Charakter eines Volksfestes annehmen. Fümoar hat das Erlenpark-Restaurant angemietet, das mit Umschwung rund 3500 Personen fasst, was knapp werden kann. «Wenn schon nur 10 Prozent aller Mitglieder kämen, hätten wir ein Problem», sagt Nanni. Das Projekt Fümoar macht mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinweg Schule. Kürzlich haben sich die ab dem 1. Juli von Rauchverboten betroffenen belgischen Wirte über das Modell unterrichten lassen. Die Fümoar-Statuten werden nun auf Flämisch übersetzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2011, 23:23 Uhr

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