«Basler Zeitung»: Tettamanti und Wagner erwägen Verkauf

Die Anzeichen für einen Abgang von Verleger Martin Wagner verdichten sich. Auch Mehrheitseigner Tettamanti sagt, er halte sich «alle Optionen offen».

«Ein guter Investor hat immer einen Plan B»: Steigt Tito Tettamanti heute bei der BaZ aus?

«Ein guter Investor hat immer einen Plan B»: Steigt Tito Tettamanti heute bei der BaZ aus? Bild: Keystone

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Unbekannte sabotieren die Auslieferung der Zeitungen, ein Vortrag von Mehrheitseigner Tito Tettamanti findet angeblich wegen Protestankündigungen nicht statt, Linke und Bürgerliche decken sich auf allen verfügbaren Kanälen gegenseitig mit Vorwürfen ein und innert einer Woche kündigen 1500 Abonnenten.

Der Disput rund um das Beratungsmandat von Christoph Blocher bei der «Basler Zeitung» (BaZ) hat am Montag Dimensionen angenommen, die selbst krisenerprobte Investoren ins Grübeln bringen. Derweil zeichnet sich hinter den Kulissen die Abkehr des Aktionariats der BaZ ab. Seit einigen Tagen wird spekuliert, dass Minderheitseigner und Verleger Martin Wagner (25%-Anteil) jeden Moment das Handtuch wirft und sich zurückzieht. Bis gestern Abend ist nichts dergleichen passiert. Aber: Wagner sei in Basel fieberhaft auf der Suche nach einer Käuferschaft, hiess es in Basel. Erreichbar war er nicht.

«Ich lasse mir alle Optionen offen»

Gleichzeitig verdichteten sich die Anzeichen, dass Tito Tettamanti sein Basler Engagement bei der BaZ nicht weiterführen will. Neben dem Auftritt in der BaZ-Redaktion und vor der Wirtschaftskammer Basel-Land hat Tettamanti auch den Vortrag vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft abgesagt. Diese Gesellschaft versammelt Basels politische, wirtschaftliche und kulturelle Elite. Mit den Vorträgen mit anschliessendem Diner in grösserem Rahmen stellen sich sämtliche neue Player auf dem Platz Basel vor – als nächster wird Novartis-CEO Joe Jimenez «vorsingen». Wer dort zusagt und nicht erscheint, nimmt gewichtige Nachteile in Kauf.

Auf Anfrage des TA nahm Tettamanti gestern erstmals auch offen Abstand von seinem beim Kauf als «langfristig» bezeichneten Engagement. «Ein guter Investor hat immer einen Plan B. Ich lasse mir alle Optionen offen», sagt Tettamanti. Möglicherweise ist Tito Tettamanti schon heute nicht mehr Besitzer der BaZ. Für Interviews hat er auf alle Anfragen nur für heute Mittwoch Termine in Aussicht stellen lassen.

Suche nach einer Basler Lösung

Gemäss Informationen aus Verlagskreisen strebt Martin Wagner eine Lösung ohne Zürcher Grossverlage an. Ob ihm das gelingen wird, ist fraglich. Im Vorfeld des Verkaufs der BaZ an Tettamanti und Wagner haben der ehemalige Verleger Matthias Hagemann und sein Konzernanwalt Wagner rund ein Jahr lang intensiv nach Basler Investoren gesucht. Ohne Erfolg.

Eine Person, die sich ebenfalls im Dunstkreis des Basler Geldadels bewegt, bezeichnet es vor diesem Hintergrund als «sehr unwahrscheinlich», dass jemand einen dreistelligen Millionenbetrag in ein solches Projekt steckt, das «eher schwierig zu managen ist, wie man sieht».

Allerdings war beim Verkauf der BaZ diesen Frühling lange Zeit die NZZ-Gruppe als sichere Käuferin gehandelt worden. Ein Arrangement, das in weiten Kreisen Basels als begrüssenswert empfunden worden ist. «Die derzeitige Entwicklung um Chefredaktor Markus Somm, Berater Blocher und die konkret angekündigten schmerzhaften Abbauschritte könnten in gewissen Köpfen aber durchaus zu einem Umdenken geführt haben», sagt ein Mitglied von Basels Hautevolee.

Befreiungsschlag für Wagner

Für Martin Wagner wäre der Verkauf der «Basler Zeitung» an einen Akteur aus der Region Basel auch unter diesen Voraussetzungen ein Befreiungsschlag. Für gewöhnlich gelingt es Wagner, sich bei seinen Deals Verwaltungsratsmandate zu sichern. Gelingt ihm das auch jetzt wieder, dann verbliebe er bei der BaZ im Machtzentrum und hätte sich gleichzeitig sauber von Tettamanti trennen können.

Mit diesem war es bereits bei der Einsetzung des Blocher-Biografen Markus Somm als Chefredaktor zu Spannungen gekommen. Laut einem Beobachter der Geschehnisse hat Wagner, der die Basler Verhältnisse kennt, auch vergebens vor der Reaktion auf die Einsetzung Blochers gewarnt: «Tettamanti vermittelt auf kristallklare Art, dass er als Mehrheitseigentümer die alleinige Entscheidungsgewalt hat.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2010, 23:21 Uhr

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