Bau höherer Häuser soll erleichtert werden 

Die Nachbefragung zum Abstimmungssonntag zeigt: Selbst grüne Wähler sind für eine Lockerung von Bauvorschriften. 

Bald soll es mehr hohe Gebäude geben. Hier im Bild der Swiss Mill Tower in Zürich West. Foto: Urs Jaudas

Bald soll es mehr hohe Gebäude geben. Hier im Bild der Swiss Mill Tower in Zürich West. Foto: Urs Jaudas

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Die Zersiedelungsinitiative fand nur bei den Anhängern der Grünen eine klare Mehrheit. Dies zeigt die Nachbefragung von Tamedia. Bei der Basis der SP, die die Initiative der Jungen Grünen ebenfalls zur Annahme empfahl, stimmte nur gut die Hälfte zu. Insbesondere bei der Anhängerschaft der SP war Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine überzeugende Akteurin gegen die Vorlage.

Die Mehrheit aller Befragten liess sich vom Argument überzeugen, dass die Zersiedelung mit dem revidierten Raumplanungsgesetz bereits wirksam gebremst wird. Zudem lasse ein starrer Bauzonenstopp die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft ausser Acht.

Einsprachen beschränken

Die Mehrheit aller Befragten befürwortet zur besseren Nutzung der Bauflächen eine Lockerung der Gesetze. 61 Prozent sind der Meinung, dass die Bauvorschriften gelockert und das Einspracherecht eingeschränkt werden sollen, um höhere Wohngebäude zu ermöglichen. Auf die entsprechende Frage der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen antworteten die Anhänger aller Parteien mehrheitlich mit Ja. Auffallend ist, dass erleichtertes Bauen in die Höhe bei Wählern der Grünen mit 64 Prozent auf ebenso hohe Zustimmung stösst wie bei Anhängern von FDP, SP, BDP und GLP. Am meisten Skepsis gegenüber höheren Bauten ist bei SVP-Anhängern zu finden.

Dass auch Grüne in die Höhe bauen wollen, verwundert den grünen Luzerner Nationalrat Michael Töngi nicht. Der Wunsch nach innerer Verdichtung sei verständlich. Das bedeute nicht, dass jedes Hochhausprojekt mehrheitsfähig sei. Als Beispiel nennt Töngi ein Überbauungsprojekt in der Luzerner Vorortsgemeinde Ebikon. Dort lehnte das Volk am Wochenende eine Überbauung mit 340 Wohnungen und einem 55-Meter-Hochhaus ab. Das revidierte Raumplanungsgesetz ermögliche bereits eine Verdichtung, sagt Adrian Schmid, Geschäftsführer des Schweizer Heimatschutzes. Der Heimatschutz befürworte eine qualitative Verdichtung, die aber nicht zwingend aus höheren Bauten bestehen müsse.

Klares Nein der Bürgerlichen

Das Volk lehnte die Zersiedelungsinitiative mit 63,7 Prozent Nein ab. Mit 74 Prozent Zustimmung erreichte sie laut Umfrage nur bei den Wählern der Grünen eine klare Mehrheit. Mit 53 Prozent Ja war hingegen die SP-Basis gespalten. Bei den Grünliberalen konnte sich nur knapp die Hälfte für die Initiative erwärmen. Bei CVP- und SVP-Wählern erreichte die Initiative keine 30 Prozent Ja-Anteil. Am wenigsten Zuspruch fand sie mit 18 Prozent bei FDP-Anhängern.

10162 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 8. und 10. Februar online an der Tamedia-Nachbefragung teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Leemann und Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geogra­fischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,2 Prozentpunkten.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.02.2019, 06:25 Uhr

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