Interview

«Bei der ‹Arena› hat man nicht gewusst, auf welcher Seite ich stehe»

FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger moderiert wieder eine «Arena». Im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt er, warum die Vermischung von Politik und Journalismus in seinen Augen unproblematisch ist.

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Vermissen Sie die Aufgabe als «Arena»-Moderator?
Nein. Ich habe inzwischen ganz viele andere Aufgaben.

Als langjähriger Journalist haben Sie den journalistischen Ehrenkodex verinnerlicht. Sträubt sich nicht alles in Ihnen, gleichzeitig Beobachter und Partei zu sein?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin Milizpolitiker und mein Beruf ist noch immer Journalist und Moderator. Ich gebe eine eigene Zeitschrift heraus und schreibe selber Kolumnen in verschiedenen Publikationen. Auch Moderationen mache ich oft, zuletzt bei 3plus als amtierender Nationalrat die Elefantenrunde, zur allgemeinen Zufriedenheit. Das Journalistsein habe ich im Blut, das verliert man nicht so schnell. So unabhängig wie die SF-Leute bin ich auch.

Jede Ihrer journalistischen Fragen wird vor dem Hintergrund interpretiert, dass Sie wiedergewählt werden wollen.
Darin sehe ich kein Problem. Erstens nütze ich mir nichts oder nicht viel, weil ich in dieser Zeit meine eigene Meinung nicht kundtun kann. Ich fördere die Meinung der anderen zutage. Zweitens werde ich wahrscheinlich die FDP am meisten enttäuschen, auch weil sie vielleicht die grössten Erwartungen hat. Diese Gefahr besteht. Ich moderiere aber völlig unabhängig, auch gegenüber meinen Parteikollegen, das habe ich mit Moderationen bei FDP-Versammlungen immer wieder gemacht.

Sie sagen, Sie würden Ihre eigene Meinung nicht einfliessen lassen. Ist das nicht einfach blauäugig? Kein Journalist schafft es doch, völlig wertfrei zu berichten.
Das klingt jetzt nach Eigenlob, aber darin bin ich wirklich nicht schlecht. Als ich «Arena»-Moderator war, hat man bei mir jahrelang nicht gewusst, auf welcher Seite ich politisch stehe. Man hat immer darüber diskutiert, ob ich links oder bürgerlich sei. Ich habe mich auch selber überlistet und bin bei Abstimmungen immer erst am Sonntagvormittag stimmen gegangen, um so lange wie möglich unbeeinflusst zu bleiben. Leider sehe ich, wie viele Journalisten ihre Meinung nicht verbergen können und sie mit Suggestivfragen oder thematischen Schlenkern immer wieder kundtun. Ich versuche, in meiner journalistischen Arbeit professionell zu sein.

CVP und Grüne überlegen sich einen Boykott. Was würde es für Ihre «Arena» bedeuten, wenn sie nicht mitmachen?
Wenn diese Politiker nicht kommen wollen, akzeptiere ich das selbstverständlich. Dann diskutiere ich eben mit anderen Leuten. Die Diskussionen werden auch so interessant, dafür setze ich mich mit meinem Wissen und meiner langjährigen Erfahrung ein. Es geht mir darum, die Kluft und Widersprüche zwischen Reden und Handeln aufzuzeigen, zu sagen, was hinter den Kulissen läuft.

Sie haben gewusst, welche Reaktionen Sie mit diesem Moderationsjob lostreten. War es ein bewusster Coup?
Ich bin davon ausgegangen, dass es solche Reaktionen gibt. Es ist aber noch nicht lange her, da waren alle Chefredaktoren in einer Partei. Die Journalisten haben ein kurzes Gedächtnis diesbezüglich. Die Forumsmeinung gilt als heilig, dabei haben die meisten Journalisten eine eigene Meinung und verstecken sie nicht. Ich will etwas aus meinen Gesprächspartnern rausholen, zutage fördern, was sie wirklich im Sinn haben.

Als Medienpolitiker setzen Sie sich immer für die Trennung von Politik und Journalismus ein. Jetzt vermischen Sie die beiden Dinge wieder.
Ich habe als Milizpolitiker zwei Funktionen, das ist ein Unterschied. Ich habe neben der Politik noch einen Job. Die Unabhängigkeit im Journalismus wird oft als Unabhängigkeit gegenüber dem Verleger verstanden – dabei ist die Unabhängigkeit gegenüber dem Staat viel wichtiger. Danach habe ich mich als Journalist immer gerichtet.

Erstellt: 11.07.2011, 12:40 Uhr

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