Nachruf

Bergbauernsohn mit magistralen Zügen

Der FDP-Ständerat Pankraz Freitag ist überraschend verstorben. Der gewiefte Finanz- und Energiepolitiker politisierte unaufgeregt. Die Fäden zog der Banken- und Atomfreund im Hintergrund.

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Noch am Freitagabend hat der Glarner Ständerat munter gewirkt. Pankraz Freitag debattierte in der «Arena» des Schweizer Fernsehens angeregt über den Klimawandel. Kurze Zeit später war er tot. Freitag ist in der Nacht auf Samstag zu Hause zusammengebrochen und sofort verstorben, wie seine Partei gestern mitgeteilt hat. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt. Der 60-Jährige hinterlässt eine Ehefrau und drei Kinder.

Nicht nur die FDP zeigt sich schockiert über diesen «grossen Verlust». Freitags Tod löst über die Grenzen seiner Partei Bestürzung aus. Der Freisinnige war im Bundeshaus allseits geschätzt – nicht zuletzt seines Charakters wegen. Zugänglich, aufmerksam, frei von Eitelkeit war er. Und nicht zuletzt: unaufgeregt. Freitag galt 2012 als Favorit des freisinnigen Establishments für das FDP-Präsidium. Doch das Rennen machte einer, der das Gegenteil von ihm verkörpert: der polarisierende Philipp Müller.

Die Welt der Fakten

Eine von Freitags herausragendsten Eigenschaften war seine Genauigkeit, die zuweilen ins Pedantische kippte. Die Welt der Fakten – das war seine Welt. Freitag, geboren in Glarus, studierte an der Universität Zürich Mathematik, Physik und Biologie. 1978 begann er als Mathematiklehrer an der Kantonsschule Glarus. Seine politische Laufbahn gewann 1994 mit der Wahl in den Glarner Landrat schnell an Fahrt. Bereits vier Jahre später sass er in der Regierung, wo er bis 2008 als Baudirektor amtete. Dass er den Sprung in die Exekutive als «wilder», also nicht offiziell nominierter Kandidat schaffte, gehört zu seinen grössten Leistungen.

Doch bald trübte sich der Himmel über Freitag ein: Als Baudirektor verhinderte er Volksabstimmungen über umstrittene Umfahrungsprojekte, was ihm massive Kritik eintrug. Auch die fehlerhafte Glarner Raumplanung hatte er mitzuverantworten. Doch Freitag, Sohn einer Bergbauernfamilie, erwies sich als zäh. Auch 2008, im hart geführten Ständeratswahlkampf, den er gegen den damaligen SP-Nationalrat Werner Marti gewann.

Hart, aber umsichtig

Als Ständerat blieb Freitag seiner Linie treu. Für neue Ideen zeigte er sich offen, allerdings mussten sie finanziell vernünftig und technisch sinnvoll sein – weshalb so manchem Vorschlag nur eine kurze Lebensdauer beschieden war. Freitag erarbeitete sich so den Ruf eines harten, aber umsichtigen Finanz- und Energiepolitikers. Als Parteisoldat verstand er sich nie, umso kräftiger vertrat er dafür die Interessen des kleinen Kantons.

Die Fäden zog Freitag im Hintergrund – als Freund der Banken und Atomenergie. Bis zuletzt präsidierte er die Nagra, die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle. Obschon beide Branchen mit Reputationsproblemen kämpfen, blieb Freitag ihr politischer Partner.

«Voller Tatendrang»

Einer, der Freitag besonders gut gekannt hat, ist This Jenny. Der Glarner SVP-Ständerat bezeichnet seinen Weggefährten als Staatsmann, besonnen, frei von Neid und Intrigen. Glarus verliere einen seiner bedeutendsten Politiker, sagt Jenny. Er vermutet, dass Freitags Tod im Zusammenhang mit seiner Herzerkrankung steht.

Bereits Freitags Vater und jüngst auch sein Bruder seien an einem Herzversagen gestorben, so Jenny. 2007 musste sich der Freisinnige notfallmässig einer komplizierten Herzoperation unterziehen. Seither wurde er regelmässig ärztlich kontrolliert. Jenny hat Freitag in den letzten Monaten «voller Tatendrang» erlebt. Freitag habe sich auf seinen Karrierehöhepunkt gefreut: auf das Präsidium des Ständerats, das ihm gewinkt habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2013, 21:40 Uhr

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