Berset tritt gegen Comparis an

Nach dem Hackerangriff eines Comparis-Mitarbeiters plant der Gesundheitsminister ein Konkurrenzangebot zum Vergleichsdienst. Es könnte bereits in diesem Herbst aufgeschaltet werden.

Die Gebühren für Comparis sind ihm ein Dorn im Auge: Gesundheitsminister Alain Berset. (Archivbild)

Die Gebühren für Comparis sind ihm ein Dorn im Auge: Gesundheitsminister Alain Berset. (Archivbild) Bild: Keystone

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Mit dem Vergleichen von Krankenkassenprämien verdient Comparis jährlich Millionen. Fordert ein Nutzer über den Internetvergleichsdienst eine Offerte an, erhält Comparis vom entsprechenden Versicherer rund 40 Franken. Das stört Gesundheitsminister Alain Berset. Denn diese Kosten schlagen sich am Ende in den Krankenkassenprämien nieder. Berset drängt daher auf ein kostenloses Angebot – seit dem Hackerangriff eines Comparis-Mitarbeiters auf den Rechner des Bundesamts für Gesundheit erst recht.

Bereits sein Vorgänger, Didier Burkhalter, hat vor einem Jahr einen eigenen Vergleichsdienst aufgeschaltet, über den man Offerten anfordern konnte – ohne dass die Krankenkassen dafür bezahlen mussten. Comparis hat aber vorerst erfolgreich dagegen interveniert. Der Vergleichsdienst monierte, dem Bund fehle die gesetzliche Grundlage für solche Offertvermittlungen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dürfe nur über die Prämien informieren. Dies sahen am Ende auch die Juristen des Bundes so, weshalb das BAG einlenkte. Es werde künftig keine Offerten mehr vermitteln, teilte es im Juni mit.

Mehrere Varianten in Prüfung

Doch Berset lässt nicht locker. Laut seiner Sprecherin Ariane Geiser gibt es mehrere Möglichkeiten, um doch noch zu einer kostenlosen Offertvermittlung zu kommen. Er könnte die fehlende gesetzliche Grundlage schaffen. Politisch wäre dies wohl mehrheitsfähig, braucht aber seine Zeit, weil beide Kammern des Parlaments zustimmen müssen. Schneller zu realisieren wäre etwa die Zusammenarbeit mit Konsumentenschutzorganisationen.

Ihnen – wie auch anderen Interessierten – könnte das BAG das Gerüst des Prämienrechners zur Verfügung stellen. Die Konsumentenschützer würden dann ihrerseits den Offertenlink anbieten. Berset werde alle Varianten prüfen, sagt Geiser zu einem entsprechenden Bericht des «Blick». Die Konsumentenorganisationen halten aber eine Lösung bereits für diesen Herbst für unmöglich. Doch Berset macht Tempo: Wichtig ist ihm, dass die Prämienzahler bereits bei dieser Runde in den Genuss von verbesserten Dienstleistungen des Prämienrechners Priminfo kommen.

Krankenkassen springen ab

Gelingt ihm ein attraktives kostenloses Angebot, droht Comparis ein empfindlicher Einnahmenverlust. Dann wären immer mehr Krankenkassen wohl nicht mehr bereit, für das Vermittlen von Offertanfragen zu zahlen. Bereits in den letzten Jahren liess das Interesse der Versicherer nach. Helsana, Assura, Swica und KPT machen nicht mehr mit, wobei Comparis mit einigen dieser Versicherer wieder im Gespräch ist.

Und was geschieht, wenn das Krankenkassengeschäft ganz wegfällt? Das Unternehmen könne auch so überleben, sagt Sprecher Felix Schneuwly. Bereits heute vergleicht Comparis nebst den Krankenkassenprämien auch andere Versicherungen, Hypothekarzinsen und 3.-Säule-Angebote. Künftig könnte der Dienst zudem Ärzte und Spitäler sowie die Strompreise verschiedener Anbieter einander gegenüberstellen. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Krankenkassengeschäft das wichtigste Standbein von Comparis ist. Noch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2012, 10:19 Uhr

EDI prüft Klage gegen Comparis

Die Piraterie-Vorwürfe gegen den Internetvergleichsdienst comparis.ch könnten doch noch vor Gericht landen. EDI-Vorsteher Alain Berset erwägt eine Strafklage.
«Eine Strafklage wird geprüft», sagte Ariane Geiser, Sprecherin des Departementes des Innern (EDI) heute Samstag zu mehreren Medienberichten.

Die Juristen des Departementes untersuchten seit Donnerstagabend die Modalitäten einer solchen Klage. Ein Entscheid werde «in den nächsten Tagen» fallen.

«Berset riskiert Verteuerung»

Die EDI-Sprecherin bestätigte zudem, dass Berset den BAG- Prämienrechner priminfo.ch aufwerten wolle, um ihn für die Nutzer «einfacher und effizienter» zu gestalten. Dabei werde auch die Anpassung rechtlicher Grundlagen geprüft, damit wieder Direktlinks zu den Versicherern aufgeschaltet werden könnten (siehe Artikel).

Comparis kritisierte die Pläne Bersets per Communiqué. Die Aufsichtsbehörde als Schiedsrichter eines Kassenwettbewerbs «will somit selbst mitspielen».

Berset riskiere damit, dass der Kassenwechsel verteuert würde. Comparis lägen Informationen von kleinen Kassen vor, die «angesichts der Einrichtungskosten und der geringen Nachfrage auf dem Prämienvergleich des Bundes» 2011 für eine Offertanfrage Kosten von bis zu 500 Franken zu tragen hatten. «So trägt Berset nicht zum Prämiensparen bei.»(sda)

Informatiker freigestellt

Für den Internetvergleichsdienst Comparis ist die Auseinandersetzung mit dem Westschweizer Wochenmagazin «L’Hébdo» beziehungsweise mit den Ringier-Anwälten wegen des Vorwurfs der Internetpiraterie noch nicht ausgestanden. Dies, obwohl Comparis am Donnerstagabend zurückkrebsen musste: Ein Mitarbeiter habe eingeräumt, am 28. September 2011 die Sicherheitsvorkehrungen der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) «geprüft» zu haben. Comparis hat dem Informatiker gekündigt und ihn mit sofortiger Wirkung freigestellt.

«Der Mitarbeiter unternahm dies aus rein persönlichem Interesse, allerdings während der Arbeitszeit und an seinem Arbeitsplatz», stellt Comparis fest. Der Betreffende habe «eigenmächtig gehandelt und zu keinem Zeitpunkt in geschäftlichem Auftrag». Sein Vorgehen stelle einen Verstoss gegen interne Richtlinien dar. Abgesehen davon sei der betreffende Mitarbeiter «in keiner Weise in die Abfrage der Krankenkassenprämien involviert» gewesen. Comparis.ch habe in keiner Weise versucht, auf unerlaubten Wegen die Krankenkassenprämien in Erfahrung zu erfahren. (SDA/TA)

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