Berufe, Alter, Kantone – Fakten zum neuen Bundesrat

Die Bundesratswahl in Zahlen und Statistiken. Angefangen mit dem neuen Lohn für Amherd und Keller-Sutter.

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Keller-Sutter und Amherd verdienen rund 445'000 Franken
Als Bundesrätinnen verdienen Karin Keller-Sutter und Viola Amherd brutto rund 445'000 Franken im Jahr. Hinzu kommt eine Spesenpauschale von jährlich 30'000 Franken. Als weitere Leistungen übernimmt der Bund die Kosten für die Telekommunikation.

Wie alle anderen Bundesratsmitglieder haben Keller-Sutter und Amherd Anrecht auf zwei Fahrzeuge, ein Repräsentationsfahrzeug und ein Dienstfahrzeug. Ausserdem erhalten sie ein SBB-Generalabonnement der 1. Klasse und ein GA für die Schweizer Seilbahnen.

Die zurücktretenden Bundesräte Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann erhalten ein Ruhegehalt in der Höhe des halben Lohnes, also rund 220'000 Franken.

Diese Regelung gilt, wenn ein Bundesratsmitglied mindestens vier Jahre im Amt war. Die effektive Höhe der Pension hängt allerdings davon ab, ob eine Bundesrätin oder ein Bundesrat nach dem Rücktritt eine lukrative Tätigkeit aufnimmt. Übersteigt das Einkommen zusammen mit dem Ruhegehalt die frühere Besoldung, wird das Ruhegehalt um den überschiessenden Betrag gekürzt.

Bundesräte und Bundesrätinnen sind frei, nach dem Austritt aus der Regierung ein bezahltes Mandat auszuüben. Eine Vorlage, die eine Wartefrist von zwei Jahren vorgesehen hätte, scheiterte im Parlament. Der Bundesrat arbeitete jedoch einen Verhaltenskodex aus, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Inzwischen ist im Nationalrat ein neuer Anlauf für eine Karenzfrist hängig.

Berufe im Bundesrat: Eine bunt gemischte Truppe
Die neu gewählten Bundesrätinnen bereichern die berufliche Durchmischung der Landesregierung. Mit der Dolmetscherin Karin Keller-Sutter und der Anwältin Viola Amherd an Bord wird das Gremium endgültig zur bunt gemischten Truppe.

Vor Keller-Sutter und Amherd wurde der Mediziner Ignazio Cassis in den Bundesrat gewählt. Guy Parmelin war Landwirt und Weinbauer. Simonetta Sommaruga ist ausgebildete Pianistin, Finanzminister Ueli Maurer hat eine KV-Lehre gemacht und besitzt ein eidgenössisches Buchhalterdiplom.

In der Unterzahl sind die Akademiker. Alain Berset ist Wirtschaftswissenschaftler. Die Juristen, die bisher mit Abstand am meisten Bundesräte stellten, sind derzeit nur noch in der Person von Amherd vertreten.

Frauen im Bundesrat nach wie vor untervertreten
Die Frauen stellen die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung. Im Bundesrat sind sie jedoch nach wie vor untervertreten. Mit der Wahl von Karin Keller-Sutter und Viola Amherd hat sich die Situation indes verbessert.

Mit Simonetta Sommaruga sitzen nun drei Frauen in der Landesregierung, gegenüber vier Männern. Angemessen waren die Frauen bisher nur während gut eines Jahres vertreten.

Zwischen dem Amtsantritt von Sommaruga im November 2010 und dem Rücktritt von Micheline Calmy-Rey Ende 2011 gehörten vier Frauen dem siebenköpfigen Bundesrat an. Danach waren es mit Eveline Widmer-Schlumpf, Doris Leuthard und Sommaruga noch drei, seit dem Rücktritt von Widmer-Schlumpf 2015 nur noch zwei.

Elisabeth Kopp war 1984 als erstes weibliches Mitglied in die Schweizer Landesregierung gewählt worden. Sie war bislang die einzige FDP-Frau. Insgesamt sassen bisher erst sieben Frauen im Bundesrat, gegenüber mehr als hundert Männern. Mit Keller-Sutter und Amherd sind es nun immerhin neun.

Der Bundesrat wird ein klein wenig jünger
Der Altersdurchschnitt im Bundesrat sinkt leicht. Derzeit liegt er etwas über 58 Jahre. Die 54-jährige Karin Keller-Sutter und die 56-jährige Viola Amherd verjüngen das Gremium auf 57 Jahre.

Ältester Bundesrat ist Ueli Maurer, er wurde Anfang Dezember 68 Jahre alt. Bundespräsident Alain Berset ist mit 46 Jahren das jüngste Mitglied des Gremiums. Ignazio Cassis ist 57 Jahre alt, Simonetta Sommaruga ist 58 Jahre, Guy Parmelin 59 Jahre. Der abtretende Johann Schneider-Ammann ist 66 Jahre alt, Doris Leuthard ist 55 Jahre.

Vierter Bundesratssitz für das Wallis – Uri bleibt vor der Tür
Mit Viola Amherd (CVP) erhält der Kanton Wallis seine erste Bundesrätin und die vierte Vertretung in der Regierung. Uri, immerhin einer der drei Urkantone und trotzdem noch nie im Bundesrat vertreten, bleibt nach der verlorenen Wahl von Heidi Z'graggen vor der Tür.

Weiterhin auf den ersten Bundesratssitz warten muss nach den Wahlen vom Mittwoch auch Nidwalden, nachdem Ständerat Hans Wicki (FDP) die Wahl in die Landesregierung verpasst hat. Immerhin stellte aber Obwalden 1959 bis 1971 mit Ludwig von Moos (CVP) einen Bundesrat.

Das Wallis erhält mit der Wahl von Amherd seine erste Bundesrätin und das deutschsprachige Oberwallis zum zweiten Mal eine Stimme in der Regierung. Die bisherigen Walliser Bundesräte waren Pascal Couchepin (FDP, gewählt 1998), Roger Bonvin (CVP, Wahl 1962) und der bisher einzige Oberwalliser Josef Escher (CVP, Wahl 1950).

St. Gallen erhält mit Karin Keller-Sutters (FDP) Wahl den sechsten Bundesratssitz. Keller-Sutter ist wie Amherd die erste Bundesrätin ihres Kantons, nach Kurt Furgler (CVP, gewählt 1971), Thomas Holenstein (CVP, 1954), Karl Kobelt (FDP, 1940), Arthur Hoffmann (FDP, 1911) und Wilhelm Matthias Naeff (FDP, 1848).

Die Ostschweiz ist nach drei Jahren Unterbruch – seit dem Rücktritt der Bündnerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) – zurück im Bundesrat. Die Zentralschweiz wartet noch immer, und zwar seit dem Rücktritt des Luzerners Kaspar Villiger (FDP) 2003, auf eine neue Vertretung in der Landesregierung.

Die jüngsten Bundesratswahlen haben an der ungleichen Vertretung der Kantone in der Landesregierung nichts geändert: Spitzenreiter bleibt Zürich mit bisher 20 Regierungsmitgliedern, darunter dem amtierenden Finanzminister Ueli Maurer. Die Waadt erhielt 2015 mit der Wahl von Guy Parmelin (SVP) ihren 15. Bundesrat.

Bern zählte bisher – mit Johann Schneider-Ammann (FDP) und Simonetta Sommaruga (SP) – 14 Regierungsmitglieder. Das Tessin stellte acht Bundesräte, darunter Aussenminister Ignazio Cassis (FDP). Aus Genf kamen bisher fünf, zuletzt Micheline Calmy-Rey (SP). Basel-Stadt dagegen stellte erst zwei Bundesräte; sein letzter Vertreter war der 1959 gewählte Hans-Peter Tschudi (SP).

Neben Nidwalden und Uri sind auch die Kantone Jura, Schaffhausen und Schwyz noch nie im Bundesrat vertreten gewesen. Basel-Landschaft, Glarus und Obwalden stellten bisher erst einen Bundesrat. (sda)

Erstellt: 05.12.2018, 11:54 Uhr

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