Kopf des Tages

Bis zum letzten Zug

Der Sekretär des Basler Rauchervereins Fümoar, Thierry P. Julliard, macht beim Rauchen keine Kompromisse.

Thierry P. Julliards Kampf für Raucherlokale gründet in einem liberalen Rechtsverständnis. (Foto: Nils Fisch)

Thierry P. Julliards Kampf für Raucherlokale gründet in einem liberalen Rechtsverständnis. (Foto: Nils Fisch)

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Thierry P. Julliard war 63, und er freute sich auf seine Pension. Und auf alle damit verbundenen Freiheiten, die er für seine zwei grossen Leidenschaften zu nutzen gedachte: das Fahren seines Rennwagens der Marke Lotus, Modell Elise R, und das Rauchen von filterlosen Gitanes in der Beiz. Dann legte sich der Zeitgeist mit dem heute 66-jährigen Anwalt an. In Basel trat ein besonders strenges Regime in Sachen Rauchen in Kraft, das per 1. April 2010 auch bediente Fumoirs und kleine Raucherbeizen verbot.

An diesem Tag endete Julliards geruhsames Pensioniertenleben, noch bevor es angefangen hatte. Julliard, der zwei Päckchen am Tag raucht, gründete zusammen mit von Verarmungsängsten geplagten Wirten den Verein Fümoar, erklärte die Mitgliedsbeizen zu Vereinslokalen und die rauchenden Zecher zu Vereinsmitgliedern. Diese würden fortan unter Ausschluss der Öffentlichkeit rauchen. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Die Behörden reagierten mit Repression, es hagelte Hunderte von Verwarnungen, Bussen und Schliessungsandrohungen an die Fümoar-Wirte. Julliard focht jede einzelne von ihnen bis vor Bundesgericht an, das nun gegen Fümoar entschied.

Ein unbelehrbarer Zwängeler

Für die Lungenliga ist Julliard ein unbelehrbarer Zwängeler, für seine Fans ist er einfach ein Anwalt, der in seiner Stammbeiz, dem Torstübli an der Riehentorstrasse, weiterrauchen will. Beides wird Julliard, dessen Furor im Kampf gegen das Rauchverbot bisweilen albern anmuten mag, nicht gerecht. Sein Kampf, den er zusammen mit dem Wirteverband auf der politischen Ebene weiterführen wird, gründet in einem liberalen Rechtsverständnis, das ihn notfalls über die Gerichte ins politische Geschehen eingreifen lässt.

So wehrte er sich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die stille Wahl Guy Morins zum Regierungspräsidenten. Nicht weil ihm Morin politisch nicht gepasst hätte, sondern weil er es für verfassungswidrig hielt, dass der Regierungsrat den Stadtpräsidenten eigenmächtig und unter Ausschluss des Stimmvolkes ernennt. Die gescheiterte Verfassungsbeschwerde blieb eine Episode, aber sie ist charakteristisch für Julliards Selbstbewusstsein. Wenn etwas seinem Rechtsverständnis zuwiderläuft, dann reagiert er mit allen ihm zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln – unbesehen der Macht seiner Gegner.

Schlagkräftige politischen Bewegung

Am Passivraucherschutz im Sinne der Lungenliga stört ihn, dass dem Nichtraucher die verfassungsmässige Freiheit genommen wird, sich Passivrauch auszusetzen. «Wenn ein Nichtraucher in eine Beiz will, in der geraucht wird, dann muss er dies dürfen können», sagt Julliard. Diese Überzeugung in Kombination mit den wirtschaftlichen Interessen der Wirte ist die Mischung, die den Verein Fümoar mit 150'000 zahlenden Mitgliedern innerhalb kürzester Zeit zu einer schlagkräftigen politischen Bewegung gemacht hat, die mit den Behörden Katz und Maus spielen und ohne weiteres Volksinitiativen auf die Beine stellen kann.

Sobald der Verein Fümoar rechtlich nicht mehr zu halten ist, ist deshalb mit einer erneuten Initiative zur Lockerung des Passivraucherschutzes in Basel-Stadt zu rechnen. Die letzte ging im November 2011 mit einem Unterschied von 212 bei insgesamt 48'000 Stimmen bachab. Sollten Julliard und die Wirte im nächsten Anlauf gewinnen, dann werden sie dafür sorgen, dass die Nichtraucher – Julliards Rechtsauffassung entsprechend – wieder passiv rauchen dürfen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.07.2013, 11:17 Uhr

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