Bitte rechts überholen!

Der deutsche Verkehrsfluss-Forscher Martin Treiber möchte auf Schweizer Autobahnen rechts überholen. Warum sein Überholprinzip Sinn ergibt.

Will das Überholen auf der rechten Spur ermöglichen: Der deutsche Physiker und Verkehrsfluss-Forscher Martin Treiber.

Will das Überholen auf der rechten Spur ermöglichen: Der deutsche Physiker und Verkehrsfluss-Forscher Martin Treiber. Bild: Keystone

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Auch im neuen Jahr sehen sich Schweizer Automobilisten auf hiesigen Zweispur-Autobahnen einem leidigen Phänomen gegenüber. Während sich auf der Überholspur Wagen an Wagen drängelt und niemand dem anderen Platz machen will, bleibt die rechte Fahrbahn oftmals leer.

Das wäre alles nicht so schlimm, sagt nun Martin Treiber, wenn man in der Schweiz rechts überholen dürfte. Der deutsche Physiker und Verkehrsfluss-Forscher der Technischen Universität Dresden lässt in der aktuellen Ausgabe der Schweizer «Automobil Revue» weiter verlauten, dass unser Land für eine Aufhebung des Linksüberholgebotes geradezu prädestiniert wäre. Zum Beispiel wegen der Geschwindigkeitslimiten auf den Autobahnen, welche die Tempounterschiede zwischen den Fahrspuren gering halten.

Belegen kann der ehemalige Rudolf-Steiner-Schüler, der sein Physikstudium als Jahrgangsbester und die spätere Doktorprüfung an der Universität Bayreuth summa cum laude abgeschlossen hat, seine Behauptung mit empirisch erhobenen Daten. Die besagen, dass bei dichtem Zweispur-Autobahnverkehr nur 40 Prozent der Verkehrsteilnehmer rechts fahren, während 60 Prozent die Überholspur blockieren. Würde das Rechtsüberholen erlaubt, rechnet Treiber vor, könnte man fünf bis zehn Prozent mehr Autos auf die Autobahn bringen, bevor ein Stau entstünde.

Rechts überholen

Treibers Überholprinzip ergibt durchaus Sinn. Denn: In den USA und Kanada wird es seit Jahren problemlos praktiziert. Studien, die zwischen Nordamerika und Europa vergleichen, haben zudem ergeben, dass mit Rechtsüberholen in Nordamerika eine gleichmässigere Spurnutzung erreicht wird als auf europäischen Strassen und dass die Autobahnen dadurch eine höhere Durchschnittskapazität aufweisen.

Es mag deshalb kaum überraschen, dass Martin Treibers empirisch unterlegtes Gedankengut in der Schweiz politische Unterstützung gefunden hat. Der Schaffhauser SVP-Nationalrat Thomas Hurter hat vergangenen Dezember eine Motion eingereicht, die mit 22 Mitunterzeichnenden den Bundesrat dazu auffordert, das Rechtsüberholen auf Schweizer Autobahnen zuzulassen. Die Antwort der Regierung wird bis Sommer erwartet. Sollte sie die Motion ablehnen, wird es laut Hurter noch 2011 zu einer Abstimmung über das umstrittene Rechtsüberholverbot im Parlament kommen.

Zuwiderhandlungen werden gesühnt

Gar keine Freude an der nun beginnenden Diskussion hat der Touring-Club der Schweiz (TCS). Seine Vertreter bemängeln, dass eine neue Überholregelung auf Schweizer Strassen zu mehr Turbulenzen und zu mehr Staus führen würde. Ausserdem sei das Rechtsüberholverbot in der Schweiz durch internationale Übereinkommen mit den anderen europäischen Staaten geregelt und nicht so einfach kündbar.

So oder so hat VerkehrsflussForscher Martin Treiber mit seinen Ansichten in der Schweiz einen alten Stein wieder ins Rollen gebracht. Jeder staugeplagte Automobilist wird seine Ansichten uneingeschränkt teilen. Alle anderen dürfen getrost sein, dass Rechtsüberholen auf Schweizer Autobahnen bis auf weiteres als grobe Verletzung der Verkehrsregeln geahndet wird. Erlaubt ist nur das Fahren in parallelen Kolonnen. Zuwiderhandlungen werden mit Busse oder Gefängnis bestraft und führen zu Fahrausweisentzug. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2011, 11:17 Uhr

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