«Blancho lebt nicht vor, was er predigt»

Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) will noch dieses Jahr einen Internet-Fernsehkanal sowie eine Rabattkarte einrichten. Alles deutet auf eine Abschottung des Vereins. Doch aus dem Innern erklingen Misstöne.

Muss sich Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen: IZRS-Präsident Nicolas Blancho.

Muss sich Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen: IZRS-Präsident Nicolas Blancho. Bild: Keystone

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Das System, welches der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) im Begriff ist aufzubauen, gleicht immer mehr einer Parallelgesellschaft. Der Zentralrat startet in diesem Jahr nämlich zwei weitere vereinseigene Einrichtungen: einen Internet-Fernsehkanal sowie eine Rabattkarte, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Das Muslim-TV sei «in der Realisierungsphase», sagt IZRS-Vorstandsmitglied Qaasim Illi.

Auf dem Programm stehen ein Polittalk, ein «vertiefendes Wochenmagazin aus islamischer Perspektive» sowie «Serienpredigten». Laut Illi wird vorwiegend auf Deutsch gepredigt, aber auch in Arabisch, Bosnisch und Albanisch mit deutschen Untertiteln. Fernsehstudio und Produktionsraum sollen bis zum Sommer fertig sein; Kostenpunkt: 60 000 Franken.

Rabattkarte für Muslime

Zudem arbeitet der IZRS an der «Swiss-Muslim-Card» (SMC). Mit der Karte sollen die IZRS-Mitglieder 5 bis 15 Prozent Rabatt erhalten: in Fitness-Centern, Hallenbädern, Restaurants, Hotels, Läden. Auch bei den Krankenkassenprämien sollen die Mitglieder Vergünstigungen erhalten.

Mit der Helsana fanden bereits Gespräche statt, wie diese gegenüber der «SonntagsZeitung» bestätigt. In einem internen E-Mail schreibt IZRS-Präsident Nicolas Blancho, man könne mit 10 Prozent Rabatt bei Zusatzversicherungen rechnen. Die Kasse würde den IZRS für die Kundenwerbung entschädigen; gemäss Blancho 3000 Franken pro 200 Mitglieder, die sich dem Kollektivvertrag anschliessen.

Druck auf die Mitglieder

Vordergründig geht es dem IZRS, wie in Vereinen üblich, um Vorteile für die Mitglieder. Die religiöse Begründung von PR-Chef Illi zeigt jedoch, dass mehr dahintersteckt: «Der Muslim sollte all seine Aktivitäten mit dem Gedenken an Allah beginnen und im Wissen um seine eigene endliche Existenz gut und richtig handeln», zitiert ihn die «SonntagsZeitung».

Die Zeitung berichtet weiter von einem äusserst harten Ton, der im IZRS vorherrsche. So setzte Präsident Nicolas Blancho die Mitglieder stark unter Druck. Sie müssten alle 24 Stunden die Facebook-Seite des Zentralrats aufsuchen und bei neuen Artikeln auf «gefällt mir» klicken. Wer dies versäume, werde vermerkt und müsse mit Disziplinarmassnahmen rechnen.

Widerstand regt sich

Vereinsmitglieder berichten anonym über «militärische Strukturen», die von Qaasim Illi angepriesen würden. Bei Experten gilt der IZRS denn auch als «fundamentalistisch». Doch innerhalb des IZRS regt sich immer mehr Widerstand gegen das Gebaren des Vereins-Kaders. Eine anonyme Informantin prangert gegenüber der «SonntagsZeitung» vor allem die Arroganz von Blancho und Illi an. Diese stiesse immer mehr Mitglieder vor den Kopf.

So erhielten Helfer an Veranstaltungen kaum Spesen, manchmal nicht einmal Verpflegung. Gleichzeitig geniesse der Vorstand Aufenthalte und Mahlzeiten in Nobelhotels; auf Kosten des Vereins.

Last but not least sind vor allem die weiblichen Vereinsmitglieder über die Frauenbeziehungen von Blancho und Illi erbost. Beide haben sich nämlich Zweitfrauen zugelegt. Während Blanchos erste Frau mit den Kindern in Kairo verweilt und der Präsident mit der Zweitfrau in Bern wohnt, hat Illi seine erste Gattin inklusive Kindern in Biel sitzen lassen. Gegenüber der «SonntagsZeitung» äussert die anonyme Kritikerin denn auch, was viele im IZRS denken: «Die Familie sitzen lassen ist überhaupt nicht islamisch. Blancho lebt nicht vor, was er predigt.» (kpn)

Erstellt: 22.01.2012, 11:00 Uhr

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