Blocher setzt auf seine Tochter

Magdalena Martullo ist bereit für die nächste Bewährungsprobe. Grosse Konkurrenz erhält sie im obersten Gremium der SVP nicht.

Auf Blocher folgt seine Tochter: Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher soll neue SVP-Vizepräsidentin werden. (Video: SDA/Tamedia)

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Erst übernahm Magdalena Martullo-Blocher die milliardenschwere Ems-Chemie von ihrem Vater. Nun platziert dieser sie in idealer Ausgangslage, um auch seine einzigartige Stellung in der Partei zu übernehmen. Der Parteileitungsausschuss, aus dem Christoph Blocher zurücktritt und dem neu seine Tochter angehören soll, entscheidet über die grossen Linien der SVP-Politik: in welche Kampagnen Geld gesteckt wird, wie die Partei die einzelnen Geschäfte angeht, welche Leute wo platziert werden. Gleichzeitig muss sich Martullo nicht als Partei- oder Fraktionschefin abkämpfen.

Der Zeitpunkt der Rochade erstaunt nicht. Blocher will seinen Kampf gegen die von ihm an die Wand gemalte Unterjochung der Schweiz unter die EU zu Ende führen – die Unterschriften für die Ende Jahr lancierte Initiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit müssen gesammelt, der Abstimmungskampf über die Selbstbestimmungsinitiative geführt werden. Auch wenn er spottete, dass er noch über mehr Energie verfüge als mancher junge Politiker, wird Blocher mit 77 seine Kräfte einteilen müssen.

Bereit für die nächste Bewährungsprobe

Ebenso leuchtet ein, dass Blocher die Zügel der Partei lockerer halten kann, nun, wo kaum mehr inhaltliche Differenzen zwischen den verschiedenen Kantonalparteien bestehen. Die Zeit der Flügelkämpfe ist, wie Blocher sagte, vorbei.

Wohl wichtiger aber: Nach zwei Jahren im Parlament wird Martullo wenn nicht respektiert, so doch gefürchtet. Sie ist bereit für die nächste Bewährungsprobe – und geniesst offensichtlich das Vertrauen ihres Vaters. Die neuen lauten Männer der SVP, «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel und Linken-Schreck Andreas Glarner, hingegen erhalten keinen Posten im Parteileitungsausschuss. Die anderen Neuen an der Parteispitze werden Martullo kaum Konkurrenz machen: Marco Chiesa (TI), Marcel Dettling (SZ) und Sandra Sollberger (BL) haben im Parlament keine Schlüsselmandate inne und stehen mehr für die breitere geografische Aufstellung der Partei als für eine Stärkung der strategischen Kompetenz an der Spitze. Gespannt darf man sein, wie sich Fraktionschef Thomas Aeschi und sein Vorgänger Adrian Amstutz mit Martullo arrangieren.

Nicht fehlen durfte die Inszenierung des Aufrückens Martullos in die Parteispitze als Berufung: «Sie will nicht, obwohl sie eine starke Kraft wäre», sagte Blocher in der Dienstagsausgabe des «Blicks» auf die Frage nach den Ambitionen seiner Tochter auf einen Posten im Parteileitungsausschuss. Ganz wie der Vater.


Video – Martullo-Blocher über ihre Kandidatur

Die Chefin des Industriekonzerns EMS Chemie und Tochter von Alt-Bundesrat Christoph Blocher erklärt im April 2015, warum sie in die Politik einsteigt. (Video: Tamedia)


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2018, 16:45 Uhr

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