Blochers Partei gibt sich für 2015 ein freundliches Gesicht

Mit der Ernennung von Albert Rösti zum Wahlkampfchef sendet die SVP ein ungewöhnliches Signal aus.

Bei den Wahlen 2011 provozierten die Plakate der SVP noch Vandalenakte – tritt sie 2015 weniger provokativ auf?

Bei den Wahlen 2011 provozierten die Plakate der SVP noch Vandalenakte – tritt sie 2015 weniger provokativ auf? Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schwarze Schafe, dunkle Hände, die nach Schweizer Pässen greifen, martialische Parolen wie «Masseneinwanderung stoppen»: In ihrer Drastik wurden die Wahl- und Abstimmungsplakate der SVP über die Jahre zu einer Art Markenzeichen der Partei. Vor diesem Hintergrund kommt der jüngste Personalentscheid der SVP-Spitze unerwartet. Wie die Partei kürzlich mitteilte, soll der Berner Nationalrat Albert Rösti in der Deutschschweiz den eidgenössischen Wahlkampf 2015 leiten (in der Westschweiz ist es Vizepräsident Claude-Alain Voiblet). Bei den Wahlen 2007 und 2011 wurde diese Funktion vom heutigen Parteipräsidenten Toni Brunner wahrgenommen, zuletzt unterstützt durch den früheren Auns-Sekretär Hans Fehr – von Politikern, die den in Zürich unter Christoph Blocher entwickelten SVP-Brachialstil seit Jahrzehnten mittragen und mitprägen.

Eine Neuausrichtung?

Der Mann, der für Blochers Partei den Wahlkampf 2015 managen soll, könnte nun für eine strategische Neuausrichtung stehen. Albert Rösti ist ein klassischer Repräsentant der «alten» Berner SVP, die mit ihrer behäbig-solidbürgerlichen Konzilianz lange Jahre ein Gegenwicht zu Blochers aggressivem Zürcher Lager bildete. In eigener Sache führte Rösti zwei provokationslose Exekutivwahlkämpfe für einen Sitz in der Berner Regierung (erfolglos) und für das Gemeindepräsidium in seinem Wohnort Uetendorf (erfolgreich). «Ich kenne ihn sehr gut», sagt sein früherer Weggefährte, der Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder. «Und ich kann mir unmöglich vorstellen, dass er mit Messerstecherplakaten operieren wird.»

Noch sind von der SVP-Führung keine Einzelheiten über ihre Pläne für 2015 zu erfahren. Rösti selber betont, dass «offen ist, wie der Wahlkampf aussehen wird». Und er hält fest, dass er die SVP-Positionen voll und ganz unterstütze. Seine Aufgabe werde aus sehr viel Koordinationstätigkeit bestehen – «man hat mich für diesen Posten angefragt, weil man mir zutraut, konzeptionell zu denken». Es treffe aber zu, dass er persönlich einen «pointierten und dennoch konstruktiven Politstil» pflege. «Und ich werde mich auch nicht ändern.»

SVP als «positive Kraft»

Fakt ist, dass die in klassischer Angriffslust gehaltene Wahlkampagne 2011 nicht die gewünschten Ergebnisse brachte: Erstmals musste die Partei in nationalen Wahlen leichte Verluste hinnehmen. Eine stilistische Neujustierung hätte so gesehen eine gewisse Logik. Dass entsprechende Überlegungen in der Parteiführung kursieren, wird vom SVP-Stratege Christoph Mörgeli indirekt bestätigt. «Als Partei, die mittelfristig ein Drittel der Wähler ansprechen möchte, müssen wir anders auftreten als zu Aussenseiterzeiten.» Es gelte, die SVP als positive Kraft zu profilieren, die Lösungen für die grundlegenden Probleme der Schweiz anbiete – «Wahrung der Unabhängigkeit, Bekämpfung der Missstände im Asylwesen».

Für das bernische SVP-Stammgebiet erhofft man sich durch Röstis Kür zusätzliche Vorteile, wie Parteichef Brunner durchblicken lässt: Falls es Rösti schaffen sollte, der SVP durch einen moderateren Auftritt neue Wählerschichten zu erschliessen, könnte die BDP unter Druck geraten. Hans Grunder nimmt es gelassen: «Wenn eine bürgerliche Partei zur Vernunft gelangt, ist das für mich Grund zur Freude.» Es gebe genügend Gelegenheit, sich inhaltlich von der SVP abzugrenzen, insbesondere bei der Energiepolitik.

Letztlich existiert für Röstis Berufung aber noch ein pragmatischer und simpler Grund, den keiner der Beteiligten bestreitet: Der Mann hat Zeit.

Unter Getöse wurde vor einigen Monaten sein Rücktritt als Direktor der Schweizer Milchproduzenten bekannt gegeben; zusammen mit ihm demissionierte auch Verbandspräsident Peter Gfeller. Allzu sehr war das Vertrauensverhältnis zu bestimmten Verbandssektionen erschüttert. Rösti wird am 1. Januar 2014 zwar das Gemeindepräsidium von Uetendorf übernehmen. Doch füllt dieses Amt lediglich ein Teilzeitpensum aus. Sein neuer Job bei der SVP bestätigt damit im Mindesten eine Beobachtung, die sich mit weiteren Beispielen erhärten liesse: Die parteiinternen Netzwerke funktionieren. Wenn nötig, hilft man sich.

Erstellt: 30.08.2013, 07:33 Uhr

Albert Rösti: Der neue Wahlkampfchef der SVP. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

SVP will Sitz von Mauch

Die rechtsbürgerliche Partei startet bereits den Wahlkampf. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, zwei Sitze im Stadtrat zu erringen. Und sie beabsichtigt, den Posten von Mauch zu attackieren. Mehr...

«Systematische Fehleinschätzung der SVP»

Interview Die Resultate sind eindeutig: Das Volk will den Bundesrat nicht selber wählen. Politologe Adrian Vatter über die Gründe der Niederlage und die Low-Budget-Kampagne der SVP. Mehr...

Die SVP spürt den Frühling

Dieses Jahr haben bisher drei Kantone ihre Parlamente neu bestellt. Die SVP konnte dabei nach einem längeren Abwärtstrend erstmals wieder um 16 Sitze zulegen. Auch die GLP setzt ihren Siegeszug fort. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Glücksfänger: Spärlich bekleidete Männer versuchen im Saidaiji Tempel im japanischen Okyama einen vom Priester in die Menge geworfenen Stab, den «Shingi», zu ergattern. (15. Feburar 2020)
(Bild: Kim Kyung-Hoon ) Mehr...