Bund hat erstmals wieder Nigerianer ausgeschafft

Das Bundesamt für Migration (BFM) hat heute eine Zwangsausschaffung nach Nigeria durchgeführt. 19 Männer wurden mit einem Swiss-Flug nach Lagos transportiert. Es war die erste Ausschaffung seit März 2010.

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Der Sonderflug wurde von einer vierköpfigen Delegation des Nigeria Immigration Service (NIS) begleitet, wie Michael Glauser, Mediensprecher beim BFM, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Gesprächsmöglichkeit habe die Asylsuchenden und die Situation insgesamt beruhigt. Der Flug sei ohne Zwischenfälle verlaufen, teilte das BFM mit.

Die 19 Männer seien an Händen und Füssen leicht gefesselt worden, ergänzte der Mediensprecher. Sie hätten jedoch keine Helme tragen müssen und seien selbstständig ins Flugzeug eingestiegen. Die Organisation der Ausschaffung übernahm die Kantonspolizei Zürich.

Arzt und Sanitäter an Bord

An Bord befanden sich neben der NIS-Delegation auch zwei Personen der nationalen Kommission zur Verhütung von Folter. Diese werden am morgigen Freitag zurück in Zürich erwartet. Auch vom BFM seien Vertreter mitgeflogen, sagte Mediensprecher Glauser ohne nähere Angaben dazu machen zu wollen.

Keine Stellung nahm der Mediensprecher weiter dazu, wann der nächste Sonderflug stattfindet und wie viele Personen noch nach Nigeria zurückgeführt werden müssen.

Heute reisten nun auch ein Arzt und ein Rettungssanitäter an Bord der Swiss-Maschine nach Lagos. Diese flogen erstmals mit, nachdem es bei einer Zwangsausschaffung im März 2010 zu einem Todesfall gekommen war.

Nigerianer kurz vor Ausschaffung verstorben

Damals hatte das BFM die Sonderflüge auf Eis gelegt: Kurz vor dem Abflug war am Flughafen Zürich ein 29-jähriger Nigerianer ums Leben gekommen. Er war einige Tage vor der Rückführung in den Hungerstreik getreten und hatte sich heftig gegen die Ausschaffung gewehrt. Er wurde deshalb an Händen und Füssen gefesselt.

Gemäss eines rechtsmedizinischen Gutachtens starb der Mann wegen einer schweren Herzkrankheit. Die Familie des nigerianischen Asylsuchenden hatte nach seinem Tod Geld vom BFM erhalten. Den genauen Betrag nannte das Bundesamt nicht - Medien bezifferten ihn auf 50'000 Franken. Der Bundesrat bezeichnete die Zahlung als «humanitäre Geste».

Nigerianische Delegationen in der Schweiz

Aufgrund des Vorfalles führten die Schweizer Behörden Gespräche mit den nigerianischen Beamten. Die Schweiz vereinbarte im November 2010, die Zwangsausschaffungen ab Januar 2011 wieder durchzuführen. Es reisten drei nigerianische Delegationen in die Schweiz, um mutmassliche Staatsangehörige zu identifizieren.

Am 19. Januar führte die Schweiz dann mit einem EU-Sammelflug 3 Personen nach Nigeria zurück. Die Schweizer Behörden organisierten einen Flug ab der Schweiz bis zu einem EU-Sammelpunkt, sagte der BFM- Mediensprecher. Weitere vier EU-Sammelflüge folgten. Insgesamt wurden so 22 Personen ausgeschafft. Zusätzliche 84 Personen reisten dieses Jahr selbstständig nach Nigeria. (pbe/sda)

Erstellt: 07.07.2011, 18:49 Uhr

Das Flughafengefängnis in Kloten. (Bild: Keystone )

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