Bund überprüft Partnerschaft mit Longchamp

Nachdem die Vox-Analyse inhaltlich in die Kritik geraten ist, wird nun auch die Auftragsvergabe zum Thema.

Verteidigt die Methoden seines Instiuts: GFS-Bern-Chef Claude Longchamp.

Verteidigt die Methoden seines Instiuts: GFS-Bern-Chef Claude Longchamp. Bild: Keystone

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Seit 1977 befragt das Forschungsinstitut GFS Bern nach eidgenössischen Abstimmungen eine Auswahl von Stimmberechtigten. Die sogenannten Vox-Analysen geben Auskunft darüber, welche Motive das Stimmverhalten beeinflusst haben, welche Botschaften im Abstimmungskampf angekommen sind und inwiefern verschiedene Bevölkerungsgruppen und Parteianhänger unterschiedlich gestimmt haben. Die Vox-Analyse Nummer 114 zur Masseneinwanderungsinitiative sorgte jüngst für eine Diskussion um die Gültigkeit der Resultate; verschiedene Forscher legten dar, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Stimmbeteiligung der Jungen so niedrig ist, wie von der Analyse behauptet. Politologe Claude Longchamp, Chef des Forschungsinstituts, verteidigte die angewandten Methoden, räumte aber ein, dass die Stimmbeteiligung der Jungen tatsächlich höher liegen könnte, als ausgewiesen.

Wie nun bekannt wurde, hat GFS Bern den Auftrag für die Vox-Analyse künftig nicht mehr auf sicher. Der Bund will als Hauptfinanzierer der Vox-Analyse diese künftig öffentlich ausschreiben. Dies bestätigte eine Sprecherin der Bundeskanzlei gegenüber der «SonntagsZeitung» und gegenüber der «NZZ am Sonntag». Der Präsident der Geschäftsprüfungskommission, SVP-Nationalrat Rudolf Joder, will nun prüfen, ob der bisherige Verzicht auf eine Ausschreibung rechtens war, und beim Bundesrat intervenieren. Die Landesregierung müsse «endlich dafür sorgen, dass die Bundesverwaltung das Gesetz über das Öffentliche Beschaffungswesen strikt einhält». Gemäss dem Gesetz muss der Bund Aufträge, deren Volumen 230'000 Franken übersteigt, zwingend öffentlich ausschreiben.

GFS Bern will an allfälliger Ausschreibung teilnehmen

Die Bundeskanzlei ging bisher davon aus, dass kein anderer Anbieter dieselbe Leistung erbringen kann und vergab die Aufträge deshalb freihändig. Als Grund führte Ursula Eggenberger, Sprecherin der Bundeskanzlei, gegenüber der Nachrichtenagentur sda an, die VOX-Analysen gehörten als geistiges Eigentum der Forschungsgemeinschaft und könnten «in dieser Form daher von keinem anderen Meinungsforschungsinstitut erbracht werden». Laut Eggenberger soll nun aber geklärt werden, ob es auf dem Markt mittlerweile auch andere Anbieter gibt, die Wahlanalysen vornehmen können. Der Entscheid, die VOX-Analyse auszuschreiben, sei bereits letztes Jahr gefallen.

Jetziger Auftragnehmer ist die Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen, an der neben dem Forschungsinstitut GFS Bern, das für die Datenerhebung verantwortlich zeichnet, auch Institute der Universitäten Genf, Bern und Zürich beteiligt sind. Diese sind jeweils für die Interpretation der Daten zuständig.

Der aktuelle Vierjahres-Vertrag mit der Forschungsgemeinschaft VOX-Analysen läuft noch bis Juli 2014. Letztes Jahr beteiligte sich der Bund mit über 411'000 Franken an der Analyse. Weitere Einnahmen stammen aus dem Verkauf der Resultate.

Claude Longchamps Sprecher Lukas Golder sagte gegenüber der «SonntagsZeitung», Ausschreibungen seien für das Forschungsinstitut GFFS Bern etwas Alltägliches. «Wir werden bei einer allfälligen Ausschreibung mit unseren Partnern ein Angebot unterbreiten.» (mw/sda)

Erstellt: 20.04.2014, 08:41 Uhr

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