Bundesrat will arbeitslose Jugendliche in die Schweiz holen

Stellensuchende Jugendliche aus europäischen Ländern sollen in der Schweiz eine Berufslehre absolvieren können. Der Vorschlag des Bundesrats stösst beim Dachverband Berufsbildung auf Zustimmung.

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Der Bundesrat hat das Staatssekretariat für Bildung mit der Abklärung eines Projekts beauftragt, wonach arbeitslose Jugendliche aus Europa in die Schweiz geholt werden sollen. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin «Info 3» von SRF. Durch die Massnahme könnten die Jugendlichen eine Berufslehre absolvieren und gleichzeitig der Lehrlingsmangel in der Schweiz entschärft werden.

Jörg Teusch, Zentralpräsident des Dachverbands Berufsbildung Schweiz, begrüsst den Vorschlag des Bundesrats. «Grundsätzlich spreche ich mich für ein solches Projekt aus», sagt Teusch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Jugendliche aus Europa erhalten eine Chance, gleichzeitig kann dadurch der Schweizer Lehrstellenmarkt beruhigt werden.» Die Berufsbildung in der Schweiz könne sich zudem international öffnen, in diesem Bereich habe man hierzulande noch viel Nachholbedarf.

Bleiben die Jugendlichen nach dem Abschluss?

Die hohe Arbeitslosigkeit in den südlichen EU-Staaten hat den Bundesrat laut «Info 3» auf die Idee gebracht. Für Departementssprecher Ruedi Christen sind aber viele Fragen im Zusammenhang mit Finanzierung, Sprachproblemen und rechtlichen Hürden noch offen.

Für Hans-Ulrich Bigler, den Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, ist die Frage zentral, ob die Jugendlichen nach Beendigung der Lehre im Schweizer Arbeitsmarkt verbleiben sollen. Das duale Berufsbildungssystem sei auf die Arbeitsmarktfähigkeit ausgerichtet, sagt Bigler in der Sendung.

Auch bei Unis ein Thema

Berufsbildungspräsident Jörg Teusch hofft, dass das Projekt nicht an diesen Fragen scheitern wird. Auf dem universitären Niveau gebe es dieselbe Diskussion schon seit Jahrzehnten. «Auch da stellt sich die Frage, ob die Absolventen im Schweizer Arbeitsmarkt bleiben sollen», so Teusch.

Es sei sinnvoll, wenn der Staat bei einem derartigen Projekt Leitplanken vorgebe, doch im Einzelfall sollen laut Teusch die Unternehmen entscheiden. «Grundsätzlich gilt die Vertragsfreiheit», sagt er. «Wer in der Schweiz eine Ausbildung macht, hat laut den bestehenden bilateralen Verträgen auch das Recht, hierzubleiben.»

Eine mögliche Lösung sei es, Firmen auszuwählen mit Niederlassungen in südeuropäischen Ländern. «Die Jugendlichen könnten nach dem erfolgreichen Lehrabschluss in der Schweiz in einer solchen Dépendance in ihrem Herkunftsland arbeiten», so Teusch.

Erstellt: 19.08.2013, 15:32 Uhr

Link zur Sendung

«Wer in der Schweiz eine Ausbildung macht, hat auch das Recht, hierzubleiben»: Jörg Teusch, Zentralpräsident des Dachverbands Berufsbildung Schweiz.

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