CVP-Präsident Darbellay ist «frustriert»

Nach der Wahlschlappe in Zürich verliert die Partei sogar in ihrer Hochburg Luzern – vor allem an die Grünliberalen. Der Parteipräsident zeigt sich verärgert.

«Wir müssen eine gewisse Treue zu unseren Werten haben»: Christophe Darbellay.

«Wir müssen eine gewisse Treue zu unseren Werten haben»: Christophe Darbellay.

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CVP-Präsident Christophe Darbellay zeigt sich nach den Wahlen in Luzern vom Sonntag «frustriert». Am schwersten treffen ihn die Verluste an die Grünliberalen. Diese hätten von der CVP 90 Prozent ihrer Politik übernommen, sagte Darbellay gegenüber dem Westschweizer Radio RSR. «Es ist frustrierend, wenn andere die Früchte ernten, die man selbst gesät hat.» Das Resultat wiegt für ihn umso schwerer, als es sich bei Luzern um eine traditionelle CVP-Hochburg handelt.

Trotz der Schlappe beim letzten Stimmungstest vor den eidgenössischen Wahlen schliesst Darbellay eine Kursänderung aus. Vielmehr müsse die CVP ihre Werte besser kommunizieren und die Wählerschaft stärker mobilisieren. Eine Fusion mit den Grünliberalen kommt für den CVP-Präsidenten nicht in Frage. «Wir müssen eine gewisse Treue zu unseren Werten haben», sagte er.

Auch CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann glaubt, dass die CVP vor allem an die GLP Wähler verloren hat. «Ich bin überzeugt, dass viele Stimmen von ehemaligen CVP-Wählern in der Mitte geblieben und nicht unbedingt nach rechts gegangen sind», sagte Glanzmann, die aus dem luzernischen Altishofen stammt. Sie glaube, dass eher die Grünliberalen als die SVP von CVP-Abtrünnigen profitiert hätten. Dies sei zwar kein Erfolg, doch im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen vom Herbst «insofern weniger schlimm, als die Mitte gestärkt wurde».

«Es ist das Schlimmste, nach beiden Seiten zu verlieren»

Laut Politologe Claude Longchamp hat die CVP Wählerstimmen an die GLP und möglicherweise auch an die SVP abgeben müssen, wie er gegenüber Radio DRS sagte. «Es ist das Schlimmste, nach beiden Seiten zu verlieren.» Nun müsse die CVP «nach links und nach rechts schielen, statt voranzugehen».

Für Polit-Geograf Michael Hermann ist das Wahlergebnis ein Resultat der Verunsicherung, die seit der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat in der CVP herrscht. Konservativen Wählern gelte sie seither als «Päcklimacherin» mit der Linken. Gleichzeitig habe die CVP den Lead als sozialliberale Kraft abgegeben, sagte Hermann gegenüber der SDA. «Nun ist sie weder Fisch noch Vogel».

In diese Lücke springt von rechts die SVP, die laut dem Politologen Georg Lutz in Luzern mit einer ebenso klaren Botschaft unterwegs ist wie in den anderen Kantonen. In der Mitte profitiert nach seiner Einschätzung die GLP davon, dass sie eine neue Kraft ist. Vor allem die CVP gerate damit von zwei Seiten unter Druck. Das Resultat der letzten kantonalen Wahlen sei «brutal», sagte Hermann.

Grünliberale freuen sich über «Sensation»

Martin Bäumle, Präsident der GLP, wertet das Ergebnis seiner Partei als «Sensation». Das Resultat sei «ein sehr schöner Erfolg» und «die Bestätigung der Resultate der letzten zwei Wochen», sagte Bäumle auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Und das, obwohl der Start für die Grünliberalen im ländlichen Gebiet des Kantons Luzern nicht einfach gewesen sei. Geholfen hat der Partei gemäss Bäumles Einschätzung nicht nur der Bonus als neue Kraft, sondern auch die Tatsache, dass sich vor Ort bereits Politiker engagiert haben. Denn normalerweise sei es im urbanen Raum einfacher, etwas aufzubauen. (oku/sda)

Erstellt: 10.04.2011, 19:25 Uhr

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Stimmen in Prozent

Quelle: sda

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