Cassis bläst Tabak-Sponsoring ab

Ignazio Cassis lässt den Sponsoring-Deal mit Philip Morris platzen. Jetzt fehlen 1,8 Millionen Franken.

Der Tabakkonzern Philip Morris hätte einer der beiden Hauptsponsoren für die Weltausstellung in Dubai sein sollen. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Der Tabakkonzern Philip Morris hätte einer der beiden Hauptsponsoren für die Weltausstellung in Dubai sein sollen. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

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Der öffentliche Druck ist zu gross geworden: Aussenminister Ignazio Cassis hat entschieden, dass der Tabakkonzern Philip Morris nicht wie geplant einer der beiden Hauptsponsoren des Schweizer Auftritts an der Expo 2020 in Dubai sein wird.

Als Grund für den Rückzieher nannte das Aussendepartement (EDA), dass «durch die umstrittene Partnerschaft das übergeordnete Ziel des Schweizer Auftritts, nämlich die Vermittlung der Stärken und eines positiven Images der Schweiz, infrage gestellt werden könnte». Cassis selber wird mit folgender Aussage zitiert: «Die Schweiz soll sich in Dubai als geeintes und zugleich offenes und sympatisches Land präsentieren können.»

Neue Sponsorensuche

Mit dem Entscheid gegen Philip Morris verzichtet der Bund auf 1,8 Millionen Franken Sponsorgelder, die der Konzern beigesteuert hätte. Der zweite Hauptsponsor ist der Lifthersteller Schindler. Damit tut sich eine beträchtliche Finanzierungslücke auf: Das Gesamtbudget des Schweizer Auftritts beträgt 15 Millionen, die Hälfte davon sollen gemäss Auftrag von Bundesrat und Parlament private Sponsoren beisteuern.

Das EDA erklärte gestern, die Sponsorensuche werde nun intensiviert. Es bestehe aber das Risiko, dass der vorgegebene Sponsoringanteil von 50 Prozent am Budget durch Private nicht erreicht werden könne. Die Frage, ob in diesem Fall der Schweizer Pavillon reduziert wird oder ob der Bund mehr Geld aufwirft, beantwortete das EDA nicht.

Interessant ist zudem die Frage, wie stark Cassis selber von Beginn an über die Pläne mit Philip Morris informiert war. Nicolas Bideau, Direktor von Präsenz Schweiz, hatte vorletzte Woche am Westschweizer Radio RTS erklärt, die Partnerschaft sei mit Cassis besprochen worden. Der Aussenminister erklärte hingegen am Wochenende dem italienischsprachigen Radio RSI, das Dossier sei nicht auf seinem Tisch gelegen.

Philip Morris übt Kritik

Gestern nun schrieb das EDA: «Bundesrat Ignazio Cassis hatte Mitte Juni davon Kenntnis genommen, dass eine mögliche Partnerschaft mit Philip Morris diskutiert wird.» Darüber habe er sich als Präventivmediziner skeptisch gezeigt und sich vorbehalten, einen negativen Entscheid zu treffen. «Als Folge der Berichterstattung» habe er diesen Entscheid nun früher als geplant gefällt.

Der Tabakkonzern reagierte enttäuscht auf die Ausladung. «Wir bedauern diese Entscheidung wie auch den Umstand, dass der Aussenminister von Aktivisten und Organisatoren in eine solche Position gebracht wurde.» Philip Morris habe sich dem Ziel verschrieben, eine rauchfreie Zukunft ohne Zigaretten zu gestalten. Man transformiere das Unternehmen, um erwachsenen Rauchern risikoreduzierte Alternativen zu offerieren. «Während wir bestrebt sind, Rauchern weniger schädliche Alternativen anzubieten, versuchen diese Aktivisten und Organisationen, uns daran zu hindern.»

Damit zielt der Konzern auf Akteure wie die Lungenliga oder Präventivmediziner, die das Sponsoring an der Expo heftig kritisiert hatten. So hatte die Fakultät der Schweizer Gesundheitswissenschafter letzte Woche Cassis in einem offenen Brief mitgeteilt, die Annahme jeglicher Gelder seitens der Tabakindustrie widerspreche den ethischen Grundprinzipien der Gesundheitswissenschaften.

Regeln werden überarbeitet

Gleichzeitig mit dem Entscheid zu Philip Morris hat Cassis der Organisation Präsenz Schweiz den Auftrag erteilt, die Sponsoringpraxis des EDA zu überprüfen. Dabei gehe es um die Frage, wie gross der Anteil künftig sein soll, den Private bei EDA-Anlässen übernehmen. Entsprechend soll bis Ende Jahr das bestehende Sponsoring-Handbuch überarbeitet werden.

Zu Kritik hatte in den letzten Wochen nicht nur das geplante Engagement von Philip Morris an der Expo geführt. Bemängelt wurde auch der Umstand, dass der Tabakkonzern bereits bei der Eröffnung der Schweizer Botschaft in Moskau als Sponsor prominent aufgetreten war.

Erstellt: 30.07.2019, 21:19 Uhr

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