«Christoph hatte schon als Junge grosses Unterhaltungspotenzial»

Anlässlich ihres 80. Geburtstages veröffentlichte Judith Giovannelli-Blocher ihre Autobiografie. In «Talk Täglich» äusserte sie sich nun zu ihrer vermeintlichen Abrechnung mit ihrer Familie und Bruder Christoph.

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Kürzlich veröffentlichte Judith Giovannelli-Blocher ihre Autobiografie. In «Der rote Faden», so konnte man im Vorfeld lesen, gehe die Schwester von SVP-Nationalrat Christoph Blocher mit ihren Eltern hart ins Gericht. Aber nicht nur: Der zweitälteste von elf Blocher-Sprösslingen schreibt im Buch auch über ihren jüngeren Bruder.

In der Sendung «Talk Täglich» äusserte sich die Autorin nun auch öffentlich zu ihrer Autobiografie. Ihr Motiv sei es gewesen, die Faszination und den Reichtum des Leben an sich aufzuzeigen. Sie habe auch jenen Zeitabschnitt darstellen wollen, in welchem sie gelebt habe. «Das ist kulturgeschichtlich eine hochinteressante Zeit», so Giovannelli-Blocher. Ihr eigenes Leben sei nicht sonderlich speziell, doch sie habe den Zweiten Weltkrieg, die 68er-Revolte und die Emanzipation der Frauen miterlebt.

Einer, der die Leute fesselt

Die Frage, ob die Autobiografie eine Abrechnung mit den politischen Überzeugungen ihres Bruders Christoph sei, quittierte die Autorin lediglich mit einem Lachen. «Meine Familie spielt schon eine Rolle im Buch, aber nur eine kleine.» Sprachs und berichtete von ihrer Rolle als älteste Tochter im Hause Blocher. Als solche habe sie nun einmal die jüngeren Geschwister hüten müssen.

Unter anderem auch den acht Jahre jüngeren Christoph. «Christoph hatte schon als Junge ein grosses Unterhaltungspotenzial», meint Judith Giovannelli-Blocher zurückblickend. Wenn er etwas wollte, habe er sich stets durchgesetzt. Und zwar auf seine ganz eigene Art und Weise: Christoph habe es schon früh verstanden, die Leute zu fesseln.

Angesprochen auf die öffentliche Auseinandersetzung mit ihrem Bruder im Zusammenhang mit einer Verschärfung des Asylgesetztes wurde die Autorin nachdenklicher. Es sei eine traurige Sache gewesen. Sie habe sich vor der Abstimmung lediglich als Sozialarbeiterin äussern wollen, die mit Flüchtlingen zusammenarbeitet. «Ich wollte gar nie meinen Bruder angreifen.» Doch der «Blick» habe die Geschichte dann so gedreht, dass dieser Anschein entstanden sei. Danach habe sie während Monaten Polizeischutz gebraucht, weil man ihr gedroht habe.

Der Mensch hinter dem Abgewählten

Ebenfalls schmerzlich sei später die Abwahl von Christoph Blocher gewesen. Sie habe in diesem Moment einfach an den Menschen gedacht, um den es geht: «Ich sehe noch heute, wie er nach der Abwahl aus dem Saal geht.» Es sei schlimm gewesen, wie er abgewählt wurde. Vor allem aber wie er selber nicht gemerkt habe, dass seine Abwahl bevorsteht.

Was die Erinnerungen an die Eltern und das Familienleben betreffen, gebe es unter den Geschwistern schon unterschiedliche Sichten. «Aber mein Bruder akzeptiert, dass ich die Sache etwas anders sehe als er», meinte Judith Giovannelli-Blocher abschliessend. (kpn)

Erstellt: 05.03.2012, 20:50 Uhr

«Mein Leben war nicht sonderlich speziell»: Judith Giovannelli-Blocher. (Bild: Screenshot «TalkTäglich»)

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