Heikle Aussagen

«Conchita Wurst ist Teil einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung»

Nationalrat Toni Bortoluzzi zeigt keine Reue: In einem Interview doppelt er mit weiteren schwulenfeindlichen Äusserungen nach.

Gleichgeschlechtliche Paare hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft»: Die Fraktionen des Parlaments schenken Bortoluzzi einen Waschlappen wegen seinen schwulenfeindlichen Äusserungen. (12. Juni 2014)

Gleichgeschlechtliche Paare hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft»: Die Fraktionen des Parlaments schenken Bortoluzzi einen Waschlappen wegen seinen schwulenfeindlichen Äusserungen. (12. Juni 2014) Bild: Keystone

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Der Zürcher SVP-Nationalrat wettert weiter gegen Schwule und Lesben. Homosexualität sei «eine Neigung, die nicht dem Erhalt der Menschen dient», sagt Bortoluzzi im Interview mit dem «Sonntagsblick». «Homosexuelle sollen keine Familie bilden.» Die Gay-Pride-Parade löse bei ihm «Kopfschütteln» aus, sagt Bortoluzzi. «Heteros zeigen ihre Neigung ja nicht mit füdliblutten oder halbnackten Körpern».

Er kritisiert weiter die Eurovision-Gewinnerin. «Conchita Wurst ist ein Teil der hochgejubelten gesellschaftlichen Fehlentwicklung, die ich anprangere.» Und: «Er oder sie steht für gesellschaftliche Dekadenz. Solche Leute zeigen keinerlei Toleranz, wenn ich etwas öffentlich sage, was ihnen nicht passt.»

«Tot, auch wegen ihrer Neigung»

Seine Äusserung, Schwule hätten einen «verkehrten Hirnlappen» sei «zugegeben etwas salopp gewesen», sagt Bortoluzzi. «Zumal der Grund nicht neurologisch, sondern – wie mir ein Arzt verriet – genetisch ist.»

Persönlich habe er nichts gegen Homosexuelle. «Zwei meiner besten Freunde waren schwul. Sie sind tot, auch wegen ihrer Neigung.» Zudem kritisiert Bortoluzzi auch Personen, die oft ihre Partner wechseln. «Es ist ein Ausdruck, oberflächlich und gleichgültig zu leben.»

Strafklage wegen Diskriminierung

Diese Woche hatte Bortoluzzi bereits mit seinen schwulen- und lesbenfeindlichen Aussagen gegenüber dem «Beobachter» für Schlagzeilen gesorgt. Die Schwulenorganisation Pink Cross will nun eine Strafklage wegen Diskriminierung einleiten – sofern sich Bortoluzzi nicht entschuldige. Auch schwule SVP-Parteikollegen kritisierten Bortoluzzi scharf.

Hintergrund von Bortoluzzis Äusserungen ist die vom Bundesrat angedachte Reform des Familienrechts. Bis Ende Jahr soll ein Bericht aufzeigen, wie sich das aktuelle Familienrecht an die heutige gesellschaftliche Realität anpassen lässt. Der Status quo fokussiert auf die traditionelle bürgerliche Kleinfamilie, obwohl heute ein grosser Teil der Bevölkerung in anderen Familienformen lebt.

Am 24. Juni findet zudem eine vom Bundesamt für Justiz organisierte Konferenz statt, auf der verschiedene Gutachten diskutiert werden, die der Bund in Auftrag gegeben hat. Darunter ist auch jenes der Basler Privatrechtsprofessorin Ingeborg Schwenzer. Sie fordert unter anderem, dass keine Familienform rechtlich bevorteilt werden darf. Die Ehe soll ihren Sonderstatus verlieren. Weiter schlägt sie vor, dass auch Homosexuelle künftig heiraten dürfen. Das Inzestverbot sowie das Verbot polygamer Ehen sei kritisch zu hinterfragen. (ldc)

Erstellt: 15.06.2014, 07:56 Uhr

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