DJ Christopher S. muss seine Strafe absitzen

Anstiftung zur Brandstiftung, versuchter Betrug und einiges mehr: Der Berner Ex-DJ muss eine vierjährige Freiheitsstrafe antreten.

Christoph S. sagt, er akzeptiere das Ende – und er wolle seine Strafe so rasch wie möglich antreten. Foto: Sven Walliser

Christoph S. sagt, er akzeptiere das Ende – und er wolle seine Strafe so rasch wie möglich antreten. Foto: Sven Walliser

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Die Geschichte begann mit einem Grossbrand in Ostermundigen. Sie endet auf 26 Seiten Papier, verfasst am Bundesgericht in Lausanne. Christoph S., bekannt als DJ Christopher S., muss definitiv ins Gefängnis. So steht es im schriftlichen Urteil, welches dieser Zeitung vorliegt.

Am Abend des 1. Mai 2012 explodierte in der Berner Agglo eine Lagerhalle. Zwei Männer hatten im Gebäude Brandbeschleuniger verteilt – und es dabei übertrieben. Geplant hatten sie ein Feuer, keine ausgewachsene Feuersbrunst.

Die beiden Männer verletzten sich, der eine von ihnen sogar gravierend. Die Sache wurde ein Fall für die Berner Justiz. Auch weil in der Halle die Plattensammlung eines Berner DJ gelagert war, der einst zu den kommerziell erfolgreichsten des Landes zählte. Und auf ihn konzentrierte sich die Berner Justiz irgendwann.

Nach zähen Ermittlungen machte sie Christoph S. für den Brand verantwortlich: Er habe die Vernichtung seiner Platten in Auftrag gegeben, um die Versicherungssumme über 200'000 Franken einzustreichen. Und die beiden Handlanger führten diesen Auftrag aus.

Die Beschwerde

Handfeste Beweise für diese Version gibt es bis heute keine. Aber gemäss dem Berner Obergericht ein «sehr dichtes Mosaik». Darauf stellte das Gericht sein Verdikt vom 6. Juli 2018 ab. Es verurteilte S. zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten und für eine Vielzahl von Delikten – die Anstiftung zur Brandstiftung wog am schwersten. Der 49-Jährige reichte daraufhin eine umfangreiche Beschwerde beim Bundesgericht ein.

Seine Verteidigung bemängelte am Urteil so einiges. Unter anderem habe die Berner Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Anstiftung nie hinreichend konkretisiert. Wo hat S. die beiden Männer für sich eingespannt? Und vor allem: Was hat er ihnen versprochen? Davon stand in der Anklageschrift tatsächlich nichts.

Die Verteidigung sah darin eine Verletzung des verfassungsmässigen Anklagegrundsatzes. Dieser gebietet, dass sich ein Beschuldigter ordentlich gegen erhobene Vorwürfe zur Wehr setzen kann. Was nur dann möglich ist, wenn er weiss, was man ihm genau zur Last legt.

Darüber hinaus habe die Vorinstanz sich zu stark auf die Aussagen der beiden Brandstifter abgestützt. Auf zwei Männer, die erst einen anderen beschuldigt, im Prozess vor dem Regionalgericht aber plötzlich auf Christoph S. umgeschwenkt hatten. Die plötzlich sagten, er habe die ganze Sache aus dem Hintergrund orchestriert. Die schwierige Beweislage hätte erheblichen Zweifel an seiner Täterschaft wecken und deshalb zu einem Freispruch im Zweifel für den Angeklagten führen müssen, argumentierte die Verteidigung.

Das Urteil

Das Bundesgericht wies die Beschwerde in sämtlichen Punkten ab. Es treffe zu, die Anklageschrift sei knapp gehalten – aber Christoph S. habe «ohne weiteres» erkennen können, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben würden. Weiter möge es Gründe geben, die ein anderes Tatgeschehen und andere Täter «möglich erscheinen lassen».

Aber dann sind da die belastenden Momente: Andere Delikte. Finanzielle Probleme. Der Umzug der Platten wenige Monate vor dem Brand. Das Nachhaken, ob sie auch wirklich gedeckt seien. Das Sicherstellen, dass die Lagerhalle am Tatabend offen stand. All die Indizien, die gegen S. sprechen.

Das Urteil der Vorinstanz sei mitnichten willkürlich, und deshalb sei von einem Freispruch in dubio pro reo abzusehen. Das Bundesgericht sah auch die Strafzumessung als verhältnismässig an. Es erachtete gar die Beschwerde als «von vornherein aussichtslos» und lehnte deshalb den Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege ab.

Das letzte Kapitel dieser Geschichte ist erzählt. Christoph S. sagt, er akzeptiere das Ende. Er wolle seine Strafe so rasch wie möglich antreten. Neu anfangen. «Ich lebe seit Jahren wie in einem Gefängnis», sagt der ehemalige DJ. «Die Ungewissheit war extrem belastend. Immerhin ist es damit nun vorbei.» Er bat darum, die Privatsphäre seiner Familie zu respektieren.

Erstellt: 03.10.2019, 11:12 Uhr

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