Darknet-Dealer lassen Drogen in Zürich testen

Onlinehändler versprechen Konsumenten Gratismüsterchen – wenn sie dafür bei staatlichen Stellen Tests einholen.

Mit Drogentests sollen Konsumenten geschützt werden: Mobile Kontrolle an der Street Parade. Foto: Stadt Zürich

Mit Drogentests sollen Konsumenten geschützt werden: Mobile Kontrolle an der Street Parade. Foto: Stadt Zürich

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Darknet-Dealer «Swiss-flakes» bietet auf der Plattform Dream Market Kokain zum Verkauf an. Kunden zahlen mit Bitcoin – und erhalten die Bestellung innert weniger Tage per Post zugeschickt. «Swiss-flakes» wirbt mit der angeblich hohen Qualität des Rauschgifts: «Kolumbianisches Premium Kokain! Ca. 90% Reinheit!», heisst es im Profil des Händlers.

Um diese Angaben zu untermauern, spannt «Swiss-flakes» nach eigenen Angaben eine staatliche Drogen-Teststelle für Qualitätskontrollen ein. Wer eine Kokainprobe beim Stadtzürcher Drogen­infor­ma­tions­zen­t­rum (DIZ) zum Test vorbeibringt und das Ergebnis an den Dealer mailt, soll im Gegenzug ein Gramm offeriert erhalten: «Wir suchen auch immer wieder Tester, die zum DIZ gehen und eine Probe abgeben. Wir würden dir ein Gramm senden im Austausch gegen das PDF des Testes», heisst es im «Swiss-flakes»-Profil.

Zürcher Drogeninformationszentrum als Qualitätssiegel. Foto: Screenshot

Die Auswertung des DIZ enthält unter anderem den Reinheitsgrad der Probe. Damit lässt sich im Darknet Werbung ­machen. «Getestet beim DIZ Zürich», schreibt «Swiss-flakes» unter seine Angebote. Auch Verkäufer «Samichlaus» bewirbt so «sein» Kokain: «Die Qualität ist hervorragend und wurde im DIZ auf 88,8% getestet», notiert der Händler. Diese Werte sind auffällig hoch; durchschnittlich stellte das DIZ 2016 einen ­Kokaingehalt von 77 Prozent fest.

Missbrauch ist bekannt

Das DIZ ist ein Angebot der Stadt Zürich. Konsumenten können dort anonym und kostenlos Substanzen testen lassen. Die Idee dahinter ist Aufklärung und Prävention. Vor jedem Test führen DIZ-Spezialisten mit dem Konsumenten ein Gespräch; sie warnen vor Verunreinigungen und reden mit ihm allenfalls auch über sein Suchtverhalten. Der Missbrauch der Tests im Darknet ist dem DIZ bekannt. Leiter Christian Kobel sagt: «Das ist natürlich überhaupt nicht in unserem Sinn.»

Das DIZ stellt den Konsumenten jeweils ein verschlüsseltes PDF der Auswertung zu. Gegen den Missbrauch lässt sich laut Kobel kaum etwas unternehmen. Es sei ja gerade der Sinn des Angebots, dass Konsumenten Substanzen anonym testen lassen könnten. Verzichte man auf die Anonymität, vergraule man das Zielpublikum. «Wenn es aber Hinweise gibt, dass jemand ein Händler ist, lehnen wir den Test ab. Das kommt bisweilen vor.»

Bern informiert nur mündlich

Auch ein Berner Testangebot taucht vereinzelt im Darknet als Qualitätsreferenz auf: Drogeninfo Bern (DIB+), betrieben von einer Suchthilfestiftung. Allerdings können die Händler nicht direkt mit diesen Tests werben: «Wir geben ganz bewusst nie schriftliche Resultate heraus», sagt Sozialarbeiter Roman Brunner. Die Berner Berater telefonieren stattdessen mit den Kunden. Sie wollen nach der Auswertung nochmals mit ihnen sprechen, sie sollen Fragen stellen können. «Unser Angebot dient dem Schutz der Konsumierenden. Wir wollen nicht als Qualitätssiegel für Händler missbraucht werden», sagt Brunner.

In Zürich verschicke man schriftliche Testergebnisse, weil das zeitgemässer und niederschwelliger als die persönliche Auskunft sei, sagt Christian Kobel. Das DIZ analysierte 2016 total 2052 Proben – in Bern waren es 616. Kobel findet, das Interesse der Konsumenten an Aufklärung sei gewichtiger als der vereinzelte Missbrauch der Testergebnisse. «Kommt dazu, dass die angeblichen Tests im Darknet offenbar auch gefälscht wurden», so der DIZ-Leiter. Kurz: An­gaben von Onlinehändlern seien nicht verlässlicher als jene von Strassen­dealern – mit oder ohne Testbeleg.

Informationen zu anonymen Drogentests: www.saferparty.ch (Zürich) www.raveitsafe.ch (Bern) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 09:41 Uhr

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