Das Bild des Luzerner Fanmarschs sagt zu wenig aus

War der Fanmarsch der Luzerner in St. Gallen antisemitisch? Die Staatsanwaltschaft wird jetzt doch aktiv und will Videobilder auswerten. Doch die Beurteilung sei schwierig.

Entscheidend sei, ob die als Jude verkleidete Person von den Fans erniedrigt worden sei: Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt. (22. August 2012)

Entscheidend sei, ob die als Jude verkleidete Person von den Fans erniedrigt worden sei: Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt. (22. August 2012) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die St. Galler Staatsanwaltschaft will zuerst die Videobilder des Luzerner Fanmarsches auswerten, bevor sie aktiv wird. Auf einem in verschiedenen Medien publizierten Foto war ein als Jude verkleideter Fan vor einer Gruppe vermummter Anhänger des FC Luzern zu sehen.

Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St.Gallen, kennt bisher nur das am 15. Februar vor dem Match zwischen St. Gallen und Luzern aufgenommene Foto, das einen als Juden kostümierten Fan vor einer Gruppe von Anhängern des FC Luzern zeigt. Auf dem Bild sei nicht zu sehen, ob die verkleidete Person von den Fans vor sich hergetrieben werde, erklärte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Auf den ersten Blick wirke sie eher wie ein Anführer.

Botschaft ist entscheidend

Offenbar bezeichneten die Luzerner Fans die St. Galler Anhänger als Juden, hat Thomas Hansjakob in den letzten Tagen herausgefunden. «Aber was ist die Botschaft?», frage er sich. Wenn jemand als Jude bezeichnet werde, sei dies nicht ehrverletzend, stellte der Staatsanwalt fest.

Entscheidend sei, ob die als Jude verkleidete Person vor den Fans hergetrieben worden sei, ob sie dabei erniedrigt wurde. Dann habe der Vorfall eine andere Qualität, betonte Thomas Hansjakob.

Polizei wertet Videobilder aus

Aber auch dann gehe es um die Aussage: «Sollten damit die St. Galler oder die Juden lächerlich gemacht werden? Wurde ein Jude wie von den Nazis durch die Strasse getrieben und ist die Judenverfolgung verharmlost worden?» Bisher gebe es dazu keine Antworten.

Die Polizei werde nun die Videobilder auswerten. Diesen Schritt warte die Staatsanwaltschaft ab. Wegen der vier bis fünf eingesetzten Kameras handle es sich dabei um Aufnahmen von mehreren Stunden. Die Auswertung dauere rund drei Wochen. Man müsste die Beteiligten auch identifizieren können, so Thomas Hansjakob. Wie man aber auf dem Bild sehe, seien die FCL-Anhänger vermummt.

Fotograf verliert vorübergehend Akkreditierung

Der Fotograf, der das Bild geschossen hatte, hat beim letzten Heimspiel des FCL nicht als einer der zwei akkreditierten Luzerner Fanfotografen arbeiten dürfen. FCL-Sprecher Max Fischer bestätigte Berichte der «Neuen Luzerner Zeitung» (Artikel online nicht zugänglich) und des Newsportals watson.ch.

Fischer sagte, der Fotograf habe zwar am Sonntag ins Stadion des FCL gehen und dort auch fotografieren dürfen. Er habe aber keinen Zugang zum Platz und zum Medienbereich erhalten. Dem Fotografen sei zudem nur für ein Spiel die Akkreditierung entzogen worden.

Gemäss Fischer entschied sich der FCL zu dieser Massnahmen, weil er vor dem nächsten Einsatz des Fanfotografen mit diesem sprechen will. Der Club kritisiert, das Foto sei prominent platziert, aber in keinen Kontext gestellt worden. Bei einem nächsten Mal solle vor einer Veröffentlichung das Gespräch gesucht werden, forderte der FCL-Sprecher. (rar/sda)

Erstellt: 23.02.2015, 18:16 Uhr

Artikel zum Thema

Entsetzen über antisemitische FCL-Fans

Anhänger des Super-League-Letzten aus Luzern treiben am 15. Februar einen als St. Galler Juden verkleideten Mann vor sich her. Der Vorfall beschäftigt nun die Polizei. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Sweet Home 10 Tipps für gelungene Einladungen

Geldblog Waadtländer KB überzeugt als Bank und als Investition

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...