Das Ende des Steuerstreits naht

Guido Westerwelle hat sich heute mit Micheline Calmy-Rey in Bern getroffen. Die Stimmung war gelöst. Beide sind davon überzeugt, dass der Steuerstreit zwischen den Ländern bald gelöst werde.

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Die Schweiz und Deutschland nähern sich einer Einigung in der Frage der Besteuerung von Schwarzgeld auf Schweizer Bankkonten. «Die Verhandlungen sind auf sehr gutem Weg», sagte der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle bei einem Besuch in Bern.

«Gegenseitiger Respekt und gleiche Augenhöhe» prägten die Gespräche, betonte der FDP-Politiker – ganz im Gegensatz zum «aggressiven Klima», das noch vor zwei Jahren geherrscht habe.

«Sie wollen mehr wissen...»

«Wir kommen gut voran», betonte auch Aussenministerin Micheline Calmy-Rey nach einem gemeinsamen Treffen. Ziel sei nach wie vor eine Einigung vor der Sommerpause. Zur Höhe der Abgeltungssteuer, die künftig an den deutschen Fiskus überwiesen werden soll, hielten sich Calmy-Rey und Westerwelle bedeckt.

Auch zu den Auswirkungen einer Einigung zwischen der Schweiz und Deutschland auf die Verhandlungen auf EU-Ebene wollten sie sich nicht äussern. «Sie wollen mehr wissen, als ich bereit bin zu sagen», sagte Westerwelle auf die entsprechende Frage eines Journalisten.

Auswirkungen auf EU

Ein erfolgreicher Abschluss der Steuer-Verhandlungen zwischen Bern und Berlin dürfte die Debatte über die Zinsbesteuerung in der EU beeinflussen: Österreich und Luxemburg könnten sich für eine Lösung einer Abgeltungssteuer nach Schweizer Modell erwärmen.

Im Kampf gegen die Steuerflucht pochen die EU-Kommission und die andern EU-Länder aber bislang darauf, dass auch Österreich und Luxemburg zum automatischen Informationsaustausch von Bankkundendaten übergehen.

Gegen automatischen Austausch

Klarheit in dieser Frage könnte ein Treffen der Finanzminister Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Liechtensteins und Luxemburgs bringen, das nächsten Mittwoch in Vaduz stattfindet.

Die Schweiz hat sich stets gegen den automatischen Austausch von Informationen gewehrt, weil damit das Bankgeheimnis definitiv beerdigt würde. Die geplante Abgeltungssteuer soll dagegen anonymisiert an die ausländischen Steuerbehörden überwiesen werden.

Fluglärm-Dossier blockiert

Wenig Bewegung ist im Fluglärmstreit auszumachen. «Hier gibt es noch eine Menge zu tun», sagte Westerwelle. Er verstehe die Sorgen der Schweiz in dieser Frage; doch auch auf deutschem Gebiet seien viele Bürger vom Lärm betroffen. In der Frage des Anflugregimes für den Flughafen Zürich brauche es von beiden Seiten Kompromissbereitschaft, stellte Calmy-Rey fest.

Thema der Gespräche in Bern waren auch die politischen Umwälzungen in Nordafrika. Beide Länder würden die Ereignisse sehr ähnlich bewerten, sagte Westerwelle. Er betonte insbesondere die Wichtigkeit der Wirtschaftsförderung, um die demokratische Transition zu unterstützen.

Westerwelle reiste anschliessend weiter ans Swiss Economic Forum in Interlaken, wo er eine Rede hält und an einem Podiumsgespräch mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann teilnimmt. (bru/sda)

Erstellt: 19.05.2011, 15:22 Uhr

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Westerwelle zum Song Contest

«Wenn es beim Eurovision Song Contest bei der Punktvergabe der jungen Generation nicht zur vollständigen Zufriedenheit unserer Nationalstaaten gekommen ist, so hat dies bis jetzt zu keinerlei Irritationen zwischen den Ländern geführt. Das möchte ich Ihnen versichern!»

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle zur Frage eines Journalisten, ob in Deutschland eine antischweizerische Stimmung herrsche - schliesslich hätten die Deutschen der Schweizer Sängerin Anna Rossinelli im Final des Eurovision Song Contest null Punkte gegeben. Der Beitrag landete auch mangels Unterstützung aus den Nachbarländern auf dem letzten Platz. (sda)

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