«Das Problem besteht darin, die Opfer überhaupt zu finden»

Zum Start der Aktionswoche gegen Menschenhandel hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga zum Kampf gegen den Menschenhandel aufgerufen. Bisher sei nur die Spitze des Eisbergs sichtbar.

«Diese kriminelle Tätigkeit, einer der lukrativsten neben dem Waffen- und dem Drogenhandel»: Simonetta Sommaruga in Genf.

«Diese kriminelle Tätigkeit, einer der lukrativsten neben dem Waffen- und dem Drogenhandel»: Simonetta Sommaruga in Genf. Bild: Keystone

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Der Menschenhandel müsse in der Schweiz entschiedener bekämpft werden, hat Justizministerin Simonetta Sommaruga in Genf gesagt. Dort wurde die von Bund, Kantonen, Internationalen Organisationen und Hilfswerken organisierte Aktionswoche gegen Menschenhandel lanciert.

Mehr als 20 Millionen Menschen weltweit seien Opfer von Zwangsarbeit, Menschenhandel und modernen Formen der Sklaverei, sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz-und Polizeidepartements (EJPD). In der Schweiz komme Menschenhandel im Sexgewerbe, in der Hausarbeit, in der Landwirtschaft sowie in der Gastronomie und im Baugewerbe vor.

«Diese kriminelle Tätigkeit, einer der lukrativsten neben dem Waffen- und dem Drogenhandel, findet im Verborgenen statt. Nur die Spitze des Eisbergs ist heute sichtbar», sagte die Bundesrätin.

Opfer finden und schützen

Ziel der Aktionswoche sei es, das Bewusstsein von Gemeinden und Polizei-und Justizbehörden in der ganzen Schweiz für das Problem des Menschenhandels zu schärfen, sagte Sommaruga weiter. Dadurch sollte es einfacher werden, Opfer von Menschenhandel ausfindig zu machen und dann besser zu schützen.

Die Opfer kämen aus benachteiligten Verhältnissen und würden mit falschen Versprechungen in die Schweiz gelockt. Ein Aktionsplan gegen den Menschenhandel wurde bereits 2012 ins Leben gerufen , aber die Verfolgung bleibe eine grosse Herausforderung, betonte die Bundesrätin.

Situation muss geändert werden

«Das Risiko, erwischt zu werden ist sehr gering und der Gewinn hoch. Es ist unabdingbar, diese Situation umzukehren», sagte Sommaruga . Das neue Gesetz über den Zeugenschutz sei ein wesentlicher Fortschritt, aber das reiche nicht.

«Das Problem besteht darin, die meist versteckten Opfer überhaupt zu finden», sagte die Justizministerin. In der Schweiz wurden 2012 78 Fälle von Menschenhandel bekannt. Die Opferhilfe-Stiftung «Au Coeur des Grottes» unterstützte in Genf von 1997 bis 2012 insgesamt 90 Frauen, die Opfer von häuslicher Sklaverei geworden waren.

Die «Genfer Gruppe», bestehend aus dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge ( UNHCR), dem UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR), der Internationalen Organisation für Migration ( IOM) und der Internationalen Arbeitsorganisation ( ILO) bekräftigte am Freitag seine Entschlossenheit, den Kampf gegen Menschenhandel auf internationaler Ebene zu verstärken.

Mehrere Veranstaltungen in der Schweiz

Eine Koalition von 27 Organisationen, darunter der Bund, Kantone , internationale Organisationen und Hilfswerke veranstalten die Aktionswoche gegen den Menschenhandel in der Schweiz. Insgesamt finden bis zum 25. Oktober 18 Veranstaltungen in 12 verschiedenen Kantonen statt. (kpn/sda)

Erstellt: 18.10.2013, 18:49 Uhr

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