Das Wetter – gratis für alle

Meteo Schweiz muss künftig alle Wetterdaten kostenlos zur Verfügung stellen. Dem Entscheid des Bundesrates ging ein massives Lobbying der privaten Wetterdienste voraus.

Künftig kostenlos: Meteo Schweiz stellt seine Wetterdaten künftig gebührenfrei zur Verfügung.

Künftig kostenlos: Meteo Schweiz stellt seine Wetterdaten künftig gebührenfrei zur Verfügung. Bild: Martial Trezzini/Keystone

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«Wetterdaten gebührenfrei zugänglich machen» - die kurze Bundesratsmeldung vom Mittwochnachmittag, in betont und gewohnt trockenem Deutsch abgefasst, bedeutet das vorläufige Ende einer turbulenten Geschichte. Künftig können sämtliche meteorologischen und klimatologischen Daten von Meteo Schweiz kostenlos bezogen werden. Im Rahmen der «Open Governement Data»-Strategie des Bundesrats wird Meteo Schweiz damit das erste Bundesamt, das seine Daten freigibt.

Noch vor drei Jahren hätte man eine solche Neuigkeit nicht für möglich gehalten. Damals stand das Bundesamt für Meteorologie (Meteo Schweiz) kurz vor einer Auslagerung. Im Juni 2011 startete der Bund eine entsprechende Vernehmlassung – und damit begannen die Probleme. Private Wetteranbieter wurden gar nicht erst zur Vernehmlassung eingeladen (dabei wären sie direkt von der neuen Konkurrenz betroffen gewesen), stattdessen schaltete das Bundesamt selbstbewusst Stelleninserate für die Zeit nach der Auslagerung.

Verfassungswidrige Auslagerung

Es kam anders: Die privaten Wetteranbieter gründeten als Reaktion auf die drohende Auslagerung den Verband der Schweizer Meteo-Anbieter (SMA) und bestellten beim Berner Rechtsprofessor Eugen Marbach ein Gutachten. Dieses taxierte die Auslagerung von Meteo Schweiz als verfassungswidrig, da es gegen die Wirtschaftsfreiheit verstosse, wie die «Basler Zeitung» damals berichtete.

Mit dem Gutachten in der Tasche begannen die privaten Meteo-Anbieter das Parlament zu bearbeiten und waren damit erfolgreich. Im Frühling 2012 wurde die Auslagerung abgeblasen. Die Folgen: Kosten in der Höhe von zwei Millionen Franken, ein neuer Direktor für Meteo Schweiz (der alte wechselte leicht frustriert zum Stromkonzern Alpiq) und ein neuer Leistungsauftrag für die Jahre von 2014 bis 2016, in dem der Bundesrat eine höhere Prognosequalität und die Onlineveröffentlichung der Wetterdaten verlangte.

Kosten von 4 Millionen Franken

Beim letzten Punkt werden nun die Voraussetzungen geschaffen: Nach einer Teilrevision des Bundesgesetzes über die Meteorologie und Klimatologie können die Daten von Meteo Schweiz der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die damit entstehenden Kosten von vier Millionen Franken werden vom Bund getragen und sollen mittelfristig wieder über Steuern eingenommen werden: Es gehört zur «Open Data»-Strategie, dass die Privatwirtschaft über kurz oder lang einen wirtschaftlichen Nutzen aus den veröffentlichen Daten zieht.

Welche neuen Geschäftsfelder mit den Daten bearbeitet werden sollen, das weiss Stefan Kunz, Präsident SMA, noch nicht. Es sei nun entscheidend, dass die Privaten genügend Zeit bekämen, um sich auf die Liberalisierung kommerziell einzustellen. Ausserdem müsse noch genau geregelt werden, inwiefern Meteo Schweiz weiterhin kommerzielle Dienstleistungen anbiete. Dass das Bundesamt dies tun wird, steht ausser Frage. «Spezifische Informationen, die einem definierten Nutzerkreis zugutekommen, bleiben gebührenpflichtig», heisst es in der Meldung. Allerdings stünden diese Angebote nicht im Fokus, sagt eine Sprecherin des Bundesamts: «Wir werden uns in diesem Bereich eher passiv verhalten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2014, 18:32 Uhr

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