Das falsche Gedenken

Mit ihrer umstrittenen Gedenkfahrt nach Berlin haben die Nachtwölfe, die putintreue russische Motorradgang, dem 9. Mai den Glanz genommen.

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Eigentlich ist der 9. Mai ein grosser Tag. Russland feiert den Sieg der Roten Armee über Nazideutschland vor 70 Jahren, als der sowjetische Marschall Schukow in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht annahm. Unzählige Opfer mussten die Russen damals auf ihrem Weg nach Berlin auf sich nehmen, bis die Alliierten schliesslich das Ende des Zweiten Weltkriegs feiern konnten.

Doch mit ihrer umstrittenen Gedenkfahrt nach Berlin haben die Nachtwölfe, die putintreue russische Motorradgang, diesem Tag den Glanz genommen. Russland scheint es am 9. Mai nur noch um das Zelebrieren seines neuen Nationalismus zu gehen, der sich in der Ukrainekrise so ungebrochen gezeigt hat.

Dazu passt, dass im Dunstkreis der Nachtwölfe in Europa heute jene männerbündlerischen und martialischen Werte zelebriert werden, für die der damalige Feind, die deutschen Faschisten, bekannt waren: Die Nachtwölfe haben in mehreren Ländern ein pseudo­paramilitärisches Netz aufgebaut, eine Kreuzung aus Motorradclub, Sicherheitsdienst und Kampfsportschule, das auch einen Ableger in der Schweiz hat. Diese Mischung aus Kampfsportdrill und schweren Maschinen mag jenen unzufriedenen Männern, die diese Clubs frequentieren, zunächst nicht mehr als ein willkommenes Ventil für den Alltags­­frust sein. Doch bereits sympathisieren sie mit  dem Nationalstolz der Nachtwölfe und ver­teidigen die Ukrainepolitik Putins. Absurd daran: Die russischen Motorradrocker sind keine Rebellen, sondern Stützen des Staats.

Aktiv werden müssen wir gegen diese einheimischen Sympathisanten der Nachtwölfe bisher nicht – das sagt zumindest das Bundesamt für Polizei. Aber wie die Nachtwölfe einen wichtigen historischen Gedenktag für die Demonstration neuer russischer Stärke annektieren und damit zuweilen auf Anklang stossen, sollte uns eine Warnung sein. Wer Heroisches aus der Vergangenheit nutzt, um aggressiv neue Stärke zu zelebrieren, hat die falschen Lehren aus der Geschichte gezogen.

Erstellt: 07.05.2015, 23:29 Uhr

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