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Das macht den Bauer sauer

800 Franken für ein aufgestelltes Bänklein, 4000 Franken für gepflanzte Blumen entlang von Wanderwegen: Das erhält der Bauer künftig, wenn er die Landschaft pflegt. Warum ist der Verband dennoch unzufrieden?

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Diesen Mittwoch könnten bei der Agrarreform im Nationalrat die Fetzen fliegen. Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK) führte darüber schon eine 24-stündige Monsterdebatte. Es gingen insgesamt 134 Änderungsanträge ein. Kaum bestritten waren in der WAK die in der neuen Agrarpolitik 2014–2017 vorgesehenen Beiträge für Landschaftspflege. Diese könnten am Mittwoch bei der Beratung im Nationalrat aber für zusätzlichen Zündstoff und Diskussionen sorgen, wie auch Jacques Bourgeois, FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes meint.

«Viele WAK-Mitglieder haben bei der Beratung in der Kommission noch nicht genau gewusst, was es mit den Landschaftsqualitätsbeiträgen genau auf sich hat», sagt er. Gegen Landschaftspflege hat Bourgeois nichts einzuwenden. «Das haben wir bisher auch getan.» Was ihn und andere Bauernvertreter auf die Barrikaden treibt, ist die Art, wie der Bundesrat das in Zukunft zu tun gedenkt. Aufschluss darüber geben vier Pilotprojekte in den Kantonen Graubünden, Jura, Aargau und in der Waadt. «Je nachdem, ob man das Bauernhaus zum Beispiel mit Geranien schmückt oder einen Nussbaum pflanzt, von dem sich alle bedienen können, gibt es Geld», so Bourgeois.

Blumen entlang von Wanderwegen pflanzen

In den vier Projektberichten ist eine lange Liste an Massnahmen aufgelistet, wie die Landwirtschaft die bewirtschafteten Äcker und Wiesen und Weiden sowie die Umgebung von Bauernhöfen attraktiver gestalten könnte. Wer auf seinem Grundstück ein kleines Bänklein hinstellt, damit sich Wanderer und Spaziergänger darauf ausruhen und die Landschaft geniessen können, soll mit 800 Franken entschädigt werden. Für das Pflanzen von Blumen entlang von Wanderwegen sind 4000 Franken pro Hektare und für den Unterhalt sind als Bonus weitere 1000 Franken vorgesehen.

50 Franken bekommt der Bauer, wenn er einen einzelnen Baum auf einer Wiese stehen lässt. Gleich viel bekommt er für das Pflanzen eines zusätzlichen Baumes. Siloballen gelten als störendes Element in der Kulturlandschaft. Wer darauf verzichtet, bekommt 200 Franken. Halbverrostete Badewannen auf Alpweiden, die als Viehtränke dienen, sollen duch Holztröge ersetzt werden. Dafür sind 3000 Franken vorgesehen. Holzzäune werden mit 40 Franken pro Laufmeter honoriert usw.

Begeisterung im Parlament ist gering

Für solche Massnahmen sind in der neuen Agrarpolitik des Bundes im Durchschnitt 50 Millionen Franken pro Jahr vorgesehen. Bei der Landschaftspflege sollen aber auch die Kantone in die Tasche greifen und einen Teil der Kosten übernehmen. «Das geht alles viel zu weit», findet Bourgeois. «Es ist doch nicht am Bund, Bänke für Spaziergänger über das Agrarbudget zu finanzieren», kritisiert er. Anstatt Geranien und Rosenstöcke in Weinbergen zu fördern, solle der Bund dieses Geld gescheiter in die Nahrungsmittelproduktion investieren. «Die Einwohnerzahlen steigen. Wenn wir den aktuellen Versorgungsgrad aufrechterhalten wollen, müssen wir mehr produzieren.»

Bourgeois hofft, dass der Nationalrat hier Korrekturen anbringt, was wahrscheinlich ist. Denn ausser bei SP und Grünen hält sich die Begeisterung für die Landschaftsqualitätsbeiträge inzwischen in Grenzen. Und das auch bei Politikern, die in der Kommission noch dafür stimmten – wie zum Beispiel bei WAK-Präsident Christophe Darbellay. «Ich habe in der Kommission diesen Teil unterstützt, bin aber skeptisch. Darbellay befürchtet, dass diese Qualitätsbeiträge eine zu grosse Bürokratie verursachen würden. Es sei sehr schwierig, die Landschaftspflege umzusetzen. Als Erfahrungswert gebe es bisher lediglich die vier Pilotprojekte.

Das Bundesamt für Landwirtschaft widerspricht

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) findet es schade, dass Details eines von der Region vorgeschlagenen Konzepts, wie der Blumenschmuck an Bauernhäusern, dazu benutzt werden, die Landschaftsqualitätsbeiträge generell infrage zu stellen. Bei den in vier Pilotprojekten erarbeiteten Massnahmen handle es sich um eine Auslegeordnung und nicht um Kriterien für den definitiven Beitragstyp. Das BLW prüfe die Massnahmen zurzeit auf ihre Tauglichkeit. Regional motivierte Vorschläge, wie beispielsweise die Pflege von Terrassenlandschaften oder Waldweiden erwiesen sich als sinnvoll und zielgerichtet. Den Vorschlag, Bauernhäuser mit Geranien zu schmücken, habe man hingegen bereits wieder verworfen.

Der Vorschlag, auch ein gepflegtes Hofareal mit Beiträgen zu fördern, sei in mehreren Pilotprojekten von beteiligten Landwirten eingebracht worden. Umso mehr sei man erstaunt, dass wiederum die bäuerlichen Kreise diese Massnahmen jetzt kritisierten. Beim BLW betont man weiter, die Pilotprojekte seien in den einzelnen Regionen bei der Landwirtschaft auf breite Zustimmung gestossen. Mit diesen Landschaftsqualitätsbeiträgen könne die landschaftliche Vielfalt der Schweiz erhalten und gefördert werden. Es gehe um mehr, als bloss um die nun kritisierten paar Massnahmen.

Erstellt: 18.09.2012, 11:55 Uhr

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