Hintergrund

Das olympische Feuer zündet nicht

Das hohe Tempo von Sportminister Ueli Maurer bei der Olympia-Kandidatur 2022 des Kantons Graubünden stösst viele vor den Kopf. Und ausgerechnet seine Partei, die SVP, fällt ihm nun auch noch in den Rücken.

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Das Olympische Feuer in der Schweiz droht zu erlöschen, noch ehe es lodert: SVP, FDP und CVP schlugen übers Wochenende kritische Töne an zu den Olympia-Plänen von Bundesrat Ueli Maurer und des Kantons Graubünden. Es sei einfach nicht seriös, «dass wir uns innerhalb von zehn Tagen über die Olympischen Winterspiele mit Ausgaben von rund einer Milliarde Franken äussern müssen», betonte zum Beispiel SVP-Parteichef Toni Brunner. Dazu sei die SVP nicht bereit.

Brunner hat dies auch in einem Brief explizit ausgeführt, den er heute an Maurers Bundesamt für Sport verschickte und der Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt. Der SVP-Parteichef verlangt darin eine Verlängerung der Vernehmlassungsfrist um drei Monate, «damit alle Adressaten die Möglichkeit zu einer fundierten Beurteilung erhalten», so Brunner in seinem Schreiben. Ob die SVP für oder gegen Olympische Winterspiele ist, lässt Brunner darin offen. Der Verzicht auf eine Stellungnahme zu den Olympischen Spielen sei nicht als Ablehnung derselben zu verstehen.

Ohne SVP dürfte Maurer keine Mehrheit finden

Maurer versteht das jedoch genau so: Grundsätzlich sei die Zeit völlig ausreichend, sagte er gegenüber der «SonntagsZeitung». Letztlich sei es ein politischer Entscheid, ob man für oder gegen Olympische Winterspiele in der Schweiz sei. Es gehe auch darum, ein politisches Zeichen zu setzen. «Im Dezember berät der Grosse Rat in Graubünden über die Kandidatur. Wir wollen für diesen Zeitpunkt vom Bund her ein Zeichen senden, dass wir voll hinter der Kandidatur stehen», sagte Maurer im Interview.

Ausgerechnet seine SVP macht ihm hier jetzt aber einen Strich durch die Rechnung – ein ziemlicher Dämpfer für Ueli Maurer selber, aber auch für die Bündner Olympia-Promotoren. Ohne SVP dürfte es für Maurer schwierig werden, für dieses Projekt im Parlament eine Mehrheit zusammenzubekommen – zumal auch SP und Grüne nicht an die Ideen von feinen, kleinen und nachhaltigen Winterspielen glauben. Ist die Olympia-Euphorie für Olympische Winterspiele in Graubünden bereits verflogen?

Nur Bundesrat und Olympia-Promotoren verbreiten Euphorie

Die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni sagt, so etwas wie eine Olympia-Euphorie gebe es zurzeit nicht. «Das ist eine vom Bundesrat und den Bündner Olympia-Promotoren verbreitete Euphorie.» Selbst in Graubünden habe sie nicht den Eindruck, dass die Leute Feuer und Flamme seien für Olympische Spiele. Bundesrat und Sportminister Ueli Maurer wollen mit ihrem Fahrplan den Bündnern Promotoren den Rücken stärken für die bevorstehende Debatte im Dezember im Bündner Parlament und für die Abstimmung im März.

Doch für die Bündner SP-Politikerin engagiert sich der Bund hier mit sehr viel Geld, ohne dass man die Konsequenzen genau kenne. 30 Millionen für die Kandidatur, dazu kommt eine Milliarde Franken Defizitgarantie für die Organisation und Durchführung der Spiele. Und dann noch vorgezogene Investitionen für den Ausbau von Schiene und Strasse in der Höhe von 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken. «Die Milliarde für die Defizitgarantie muss der Bund wohl in anderen Bereichen einsparen», kritisiert Semadeni. Auch für den vorgezogenen Ausbau der Schienen und Strasseninfrastruktur des Kantons Graubünden würden wohl andere Regionen ihre Projekte zurückstellen müssen.

Maurer im Finanzierungsdilemma

Maurer hat bei seinen Olympia-Plänen mit denselben Problemen zu kämpfen wie bei der Kampfjet-Beschaffung. Ein Kampfjet, der auf Kosten von Bildung, Verkehr und Landwirtschaft geht, hätte bei einer Abstimmung keine Chance gehabt. Wenn sich nun bereits im Vorfeld abzeichnet, dass andere Regionen und Bereiche wegen der Olympischen Winterspiele bluten müssen, dürfte es Maurer schwer haben, das olympische Feuer in der Schweiz zum Lodern zu bringen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.10.2012, 17:18 Uhr

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