«Das war für die SVP ein ganz wichtiger Tag»

Die SVP konnte ihre Position im Aargau trotz gegenteiliger Prognosen halten. Den Politikberater Mark Balsiger überrascht das nicht. Er glaubt, dass der Erfolg wegweisend sein könnte für kommende Wahlen.

«Ein Ruck ging durch die Basis»: SVP-Präsident Toni Brunner kann sich über das Wahlresultat im Kanton Aargau freuen. (Archivbild)

«Ein Ruck ging durch die Basis»: SVP-Präsident Toni Brunner kann sich über das Wahlresultat im Kanton Aargau freuen. (Archivbild) Bild: Keystone

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Herr Balsiger, wie präsentiert sich das neue Aargauer Parlament?
Der Aargau hat von den grossen Kantonen das konservativste Profil. Die Parlamentswahlen haben das noch akzentuiert: Zugelegt hat nämlich Mitte-Rechts mit BDP, GLP und FDP. Marginalisiert wurden hingegen die Linken: Die SP verharrt auf einem für sie sehr tiefen Niveau, die Grünen verloren drei Sitze.

Die SVP konnte ihre 45 Sitze halten und bleibt somit stärkste Kraft. Im Vorfeld hatte man ihr Verluste von bis zu 3,4 Prozent prophezeit – unter anderem wegen den Affären Mörgeli, Zuppiger und Heer oder dem Rücktritt von SVP-Nationalrat Spuhler. Überrascht Sie dieses Resultat?
Nein, die SVP kann wie keine andere Partei mobilisieren. Nach dem schlechten Ergebnis bei der einzigen Umfrage Mitte September ging offensichtlich ein Ruck durch die Basis. Disziplin bei den Wählern und innerhalb der Partei ist ein Grund, weshalb die SVP so stark wurde. Im Aargau profitierte sie vermutlich auch von ihrem Regierungsratskandidaten und Parteipräsidenten Thomas Burgherr, der fair kämpfte und keine Haudrauf-Rhetorik pflegt.

Dafür hat Burgherr es nicht geschafft, der Grünen Susanne Hochuli den Regierungsratssitz wegzuschnappen. Warum?
Ich hatte nie den Eindruck, dass Burgherr wirklich an seine Chance glaubte. Er rettete seine Partei vor der Blamage, gar keinen Sprengkandidaten aufzustellen. Er ist nicht aus dem Holz geschnitzt, aus dem Winner-Typen sind. Es ist ihm aber hoch anzurechnen, dass er sich für seine Partei opferte.

Die FDP konnte um zwei Prozent zulegen – ein Verdienst des neuen Aargauer FDP-Präsidenten?
Philipp Müller kommt nach meiner Wahrnehmung in der Bevölkerung gut an, er ist so ziemlich das Gegenteil des zwar klugen, aber aristokratisch-steif wirkenden Fulvio Pelli. Müllers bodenständige Auftritte waren Gratis-Werbung für den Aargauer Freisinn. Nicht alle Kantone haben aber davon profitiert: Die Bilanz der FDP ist nach den acht bisherigen Kantonswahlen in den letzten zwölf Monaten durchzogen, ein Trend lässt sich nicht ausmachen.

Die SP verharrt auf 22 Sitzen, die Grünen verlieren drei Sitze. Warum kann die Linke nicht mehr mobilisieren?
Die Grünen leiden weiterhin darunter, dass man ihnen ihr Kernthema weggenommen hat, indem Bundesrat und Parlament letztes Jahr die Energiewende beschlossen. Die SP politisiert immer noch aus einer Lehnstuhl-Perspektive, ihre Mitglieder schieben eine zu ruhige Kugel.

Die Grünliberalen und die BDP hingegen haben zum wiederholten Male Wähleranteile gewonnen. Wie haben sie es geschafft, den Schwung aus den Nationalratswahlen vom letzten Jahr mitzunehmen?
Erfolg macht sexy und wirkt anziehend. Noch können BDP und GLP davon profitieren. Irgendwann einmal werden sie aufgrund ihrer effektiven Arbeit beurteilt. Nur wenn die Resultate dann überzeugen, kann der Höhenflug anhalten.

Wie geht es nun weiter für die SVP? Hat sie ihre Krise überwunden oder ist der Erfolg im Aargau nur eine Verschnaufpause?
Psychologisch war das für die SVP sicher ein ganz wichtiger Tag. Dass sie sich in einem so grossen Kanton entgegen aller Prophezeiungen behaupten und den Wähleranteil halten konnte, stärkt die Partei, sowohl intern als auch bei der potenziellen Wählerschaft. Das Resultat ist darum auch wichtig im Hinblick auf die weiteren kantonalen Wahlen, zum Beispiel in Basel-Stadt am nächsten Wochenende oder in der Stadt Bern im November. Wähler, die jetzt vielleicht noch unentschlossen sind, könnten sich davon beeinflussen lassen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2012, 21:57 Uhr

Mark Balsiger ist Politikberater und Autor des Buchs «Wahlkampf – aber richtig». (Bild: PD)

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