«Dass in Bondo ein Neubauquartier verwüstet wurde, ist typisch»

In falscher Sicherheit: Der Alpenforscher Werner Bätzing führt Fehleinschätzungen zurück auf die «Katastrophenlücke» zwischen 1910 und 1987.

«Es droht der Ausverkauf der Bergwelt»: Werner Bätzing. Foto: Sonja Och (Laif)

«Es droht der Ausverkauf der Bergwelt»: Werner Bätzing. Foto: Sonja Och (Laif)

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Was denken Sie, wenn Sie die Bilder vom Bergsturz bei Bondo sehen?
Ich stand kurz vor dem Bergsturz noch auf der Brücke, die dann weggerissen wurde. Ich hielt den Eröffnungsvortrag zur Kunstausstellung «Arte Bregagliga». Später bin ich über Soglio ins Tal gewandert und habe den schönen Ausblick auf das später verheerte Dorf genossen.

Ist dieser Bergsturz nun ein Einzelereignis? Oder ist er der Anfang einer Entwicklung, die zur Unbewohnbarkeit der Alpen führt?
Weder noch! Ich würde sagen: Das ist der alpine Normalfall. Allerdings kennen wir ihn so nicht mehr. Das 20. Jahrhundert wurde geprägt durch eine verblüffende Abwesenheit von grossen Naturereignissen. Der Klimahistoriker Christian Pfister spricht von einer eigentlichen Katastrophenlücke in der Schweiz während dieser Zeit.

Stimmen Sie Pfister zu?
Ja. Ich habe das für den gesamten Alpenraum untersucht, und es zeigt sich: Die Katastrophenlücke erstreckt sich von 1910 bis 1987, also bis zu jenem Jahr, als sowohl der Brenner als auch der Gotthard durch Muren blockiert wurden. Seit dieser absoluten Ausnahmeperiode gibt es wieder in schneller Abfolge Katastrophen, die man als Jahrhundertereignisse bezeichnet.

Was führte zur Sondersituation?
Das konnte bisher niemand erklären.

Video: Goldau, Elm, Bondo: Wenn der Berg kommt

Die schlimmsten Bergstürze der Schweiz.

Hat das Ende der Katastrophenlücke mit dem Klimawandel zu tun?
Auch – aber es ist sehr unklar, wie da die Zusammenhänge genau sind. Dass der Permafrost sich zurückzieht, spielt sicher eine Rolle. Dennoch kann man festhalten: Naturereignisse wie der Bergsturz von Bondo gehören einfach zu einem jungen Hochgebirge, wie die Alpen eines sind. Grosse Seehöhen, steile Hänge und eine labile Geologie lassen die Alpen stark auf Wetter- und Klimaereignisse reagieren. Wir nennen das Naturkatastrophen, aber für die Natur sind das keineswegs Katastrophen.

Dennoch sind diese Ereignisse für uns sehr einschneidend.
Die Menschen mussten lernen, mit den Naturgewalten umzugehen. So haben sie trotz aller Gefahren den Alpenraum zu einer Kulturlandschaft gemacht. Aber das Problem ist, dass wir uns während der Katastrophenlücke in Sicherheit gewähnt haben. Der Beginn der Lücke fällt zusammen mit der technischen Vermessung der Welt. Alle ingenieursmässigen Massnahmen zur Sicherung der Verkehrswege und Siedlungsgebiete, die man im 20. Jahrhundert getroffen hat, beruhen auf Instrumentenmessungen. Und diese gehen maximal auf den Anfang des Jahrhunderts zurück. Deswegen hat man vieles falsch berechnet.

Zum Beispiel?
Die Überschwemmung von Brig 1993 war darauf zurückzuführen, dass der Querschnitt der Brücke über die Saltina zu tief und zu eng ausgelegt war. Deswegen konnte angeschwemmtes Material das Bachbett verstopfen. Das Wasser suchte sich einen anderen Weg – und Brig versank in einem Wildbach. Die Ingenieure haben sich auf ihre Messungen verlassen, statt auf Zeichen in der Landschaft zu achten.

Welche Zeichen meinen Sie?
Die Landschaft bietet viele Spuren früherer Extremereignisse, zum Beispiel Ablagerungen. Es ist typisch, dass in Bondo ein Neubauquartier verwüstet wurde. Der historische Dorfkern blieb erhalten. Da steckt uraltes Erfahrungswissen drin: Wo darf gebaut werden? Und wo nicht?

Wir lernen dazu. Bei Bondo kommt Radar zum Einsatz. Er schlägt beim kleinsten Rutsch Alarm.
Das gesamte Arsenal der modernen ­Naturwissenschaft und Technik ist jedoch nicht in der Lage, Naturveränderungen und Naturkatastrophen vorherzusagen. Man kann zwar erkennen, es wird ein Bergsturz kommen, aber man kann nicht sagen, wann konkret. Das kann schon morgen sein, kann aber auch noch ein paar Hundert Jahre dauern. Für mich bedeutet das ganz prinzipiell, dass der Mensch die Natur nie wirklich im Griff hat.

In den Alpen oder generell?
Wir haben mit den Alpen mitten in Europa eine Landschaft, die deutlich macht, dass die Idee, wir könnten über die Natur einfach disponieren, eine Illusion ist. Und mit dieser Illusion zerstört der Mensch die Erde. Wir werden früher oder später eingeholt durch Ereignisse, die wir nicht berechnen, nicht voraussagen, nicht ahnen können. Die Alpen sind also ein Frühwarnsystem, das uns unsere Grenzen aufzeigt.

Die globale Erwärmung lässt auch die Gletscher schrumpfen. In ­hundert Jahren wird das letzte Eis geschmolzen sein, sagt etwa ETH-Professor Wilfried Häberli.
Ganz ohne Gletscher werden die Alpen wohl nie dastehen. Sicher, sie werden weiter stark zurückgehen. Aber: Auch das ist eigentlich der Normalfall. Wenn Sie die Klimaentwicklung über die letzten 20 000 Jahre betrachten, sehen Sie, dass es immer wieder Zeiten gab, in denen die Gletscher noch stärker zurückgeschmolzen waren als heute. Das war im Mittelalter der Fall, zur Zeit der Römer und in minoischer Zeit vor 4000 Jahren.

Bilder: Die Katastrophe von Bondo

In unserer Vorstellung sind die Alpengletscher das «ewige Eis».
Es gibt Leute, die sagen: Mit den Gletschern sterben die Alpen. Ich halte das für übertrieben. Unser Alpenbild ist geprägt durch die Kälteperiode bis 1850, als die Gletscher aussergewöhnlich weit vorstiessen und sogar die Wiesen in den Tälern bedrohten. Es gibt Forscher, die sagen, dass die Gletscher seit dem Ende der letzten Eiszeit noch nie so weit vorgestossen sind wie damals. Also ist dieses Bild der Alpen die eigentliche Ausnahmesituation.

Die Bilder der seinerzeit vorstossenden Gletscher mit ihren Eistürmen haben den Tourismus in der Schweiz befeuert.
Natürlich sah das spektakulär und malerisch aus. Aber schon die heutigen Gletscher sind ja nur ein schwacher Abklatsch dessen, was die Touristen Mitte des 19. Jahrhunderts antrafen. Und der Fremdenverkehr ist immer noch da.

Sie reden den Klimawandel klein.
Nein, keineswegs. Der Rückzug der Gletscher geht heute deutlich schneller vor sich, als dass man das ohne menschengemachte Klimaerwärmung erwarten würde. Aber genauso wie sich der Tourismus seit 150 Jahren an schmelzende Gletscher gewöhnt hat, wird er sich auch an weiter abschmelzende Gletscher gewöhnen. Die Diskussion wird durch die globale Erwärmung zusätzlich aufgeladen.

Sie propagieren einen nachhaltigen Tourismus. Die Klimaerwärmung wäre doch dafür ein schlagendes Argument. Sie könnten sagen: Wenn Ihr den Fremdenverkehr nicht klimafreundlicher macht, droht ein weiterer Temperaturanstieg.
So einfach sind die Zusammenhänge ja nicht, dass man einfach sagen könnte: Mit einem angepassten Tourismus bremsen wir die Erderwärmung. Unser Problem ist es ja gerade, dass es sich da um eine globale Entwicklung handelt, die Hunderte von einzelnen Ursachen hat. Da kann man nicht einfach eine herausgreifen und glauben, allein damit etwas bewirken zu können.

Aber was raten Sie einer Fremdenverkehrsdestination, wie sie den Wintertourismus ­weiterentwickeln soll?
Die Menschen aus den grossen Metropolen haben ein wachsendes Bedürfnis, ländliche Erfahrungen zu machen. Darauf sollte man setzen. Ich sage bewusst ländliche Erfahrungen, nicht Naturerfahrungen. Die Alpenlandschaft ist ja seit Jahrtausenden durch Menschen stark geprägt. Der Winter bietet viele reizvolle Möglichkeiten, weil man in dieser Jahreszeit die Landschaft ganz anders erlebt als im Sommer. Wenn der Schnee fehlt, kann man immer noch spazieren, wandern oder auch Rad fahren und das ganz Besondere an der Winterstille in den Bergen erleben.

Video: Am 23. August krachte es gewaltig am Piz Cengalo

Dieses Video vom Bergsturz in Graubünden ging um die Welt.

Im Winter sind die Tage kurz.
Wenn es dunkel wird, spielt Kultur für die Gäste eine grosse Rolle, und zwar nicht nur traditionelles Brauchtum, sondern auch viele Formen moderner Kultur. Dazu kommen das Essen und das Trinken, aufbauend auf regionalen Qualitätsprodukten und Traditionen, wovon die Alpen sehr viel zu bieten haben. Schliesslich muss auch Wellness eine Rolle spielen und die ganze Gesundheitsprophylaxe mit Bädern, Sauna, Massage und Yoga- oder anderen Entspannungs- und Aktivitätsangeboten.

Ist diese Art nachhaltiger Tourismus denn auch wirtschaftlich nachhaltig?
Meines Erachtens ist das von mir beschriebene Angebot als Gesamtpaket attraktiv und wird bei den Menschen immer beliebter. Ungefähr seit 2000 wandelt sich mindestens in Deutschland der Tourismus stark. Wandern und Rad fahren als Landschaftserlebnis verbunden mit kulinarischen und kulturellen Erfahrungen sind stark im Kommen. Einerseits sehe ich, dass auch jüngere Leute stark diesen sanften Tourismus nachfragen. Anderseits sind die Investitionen – anders als bei den Bergbahnen und Skiliften – überschaubar.

Kennen Sie gute Beispiele des Wintertourismus in den Alpen?
Da gibt es in Österreich zum Beispiel die vom Alpenverein angestossene Initiative der «Bergsteigerdörfer zum Geniessen und Verweilen», die jetzt auch in Deutschland Fuss fasst. Oder das Villgratental in Osttirol. Es wirbt typischerweise mit dem Slogan: «Kommen Sie zu uns – wir haben nichts.»

Und in der Schweiz?
Generell ist ein Überblick schwierig, weil der sanfte Tourismus unter vielen verschiedenen Etiketten segelt. Aber auch in der Schweiz gibt es einige Orte, die dieses Angebot im Auge haben – nur merkt das keiner so richtig.

«Einseitig aufs Abfahrtsskifahren zu setzen, ist problematisch.»

Schweiz Tourismus setzt bei seinem jüngsten Winterwerbefilm immer noch ganz aufs Skifahren und das Erlebnis Pulverschnee. Im Winter ist der Tourismus nach wie vor stark mit dem Abfahrtskilauf verknüpft.
Man sieht ja deutlich, wohin die Entwicklung führt, wenn man einseitig aufs Skifahren setzt – auch in der Schweiz, wo dank vieler hoch gelegener Skigebiete die Voraussetzungen eigentlich günstig sind. Dass jetzt Stationen wie Saas-Fee auf eine Tiefpreisstrategie setzen, ist ein Alarmsignal. So droht der Ausverkauf der Bergwelt: Es wird immer Skigebiete geben, die noch mehr Pistenkilometer noch billiger anbieten können. Das führt zu einer Abwärtsspirale.

Statt Abwärtsspirale könnte man sagen: Der Wettbewerb spielt.
Ja, klar, das ist ein Verdrängungswettbewerb – und zwar über Dumpingpreise. Und dadurch wird das Produkt beschädigt. Weil es wenig bis nichts kostet, ist es in den Augen der Konsumenten dann auch wenig bis nichts wert. Und wenn die Kunden mehr bezahlen sollen, fühlen sie sich über den Tisch gezogen.

Skiferien sind im Vergleich mit anderen Ferien immer noch teuer, viele fliegen über Weihnachten für wenig Geld nach Dubai.
So, wie ich mir den Winterurlaub in den Alpen vorstelle, ist er ja auch nicht teuer. Und ich muss sagen: Über Weihnachten in andere Klimazonen zu fliegen, entspricht nicht unserem Leben in Mitteleuropa, zu dem der Winter einfach dazugehört. Wer das regelmässig tut, entflieht unserer Umweltrealität.

Ein hartes Urteil über eigentlich verständliche Ferienwünsche.
In vielen Köpfen existiert gar keine Vorstellung mehr davon, wie Winterferien ohne Technik und ohne Abfahrtskis sein könnten. Das ist wie ausradiert.

Wie wollen Sie das ändern?
Punkt 1: Ein neues Bild vom Wintertourismus überhaupt erst einmal denkbar und vorstellbar machen. Punkt 2: Pioniere suchen, die dies exemplarisch umsetzen. Und deren Erfolg wird dann weitere Akteure motivieren . . .

Die Klima- und Tourismuskrise bestärkt ja die Idee, dass man mindestens abgelegenere Gebiete der Alpen gezielt entvölkern müsste.
Wenn wir uns aus dem Alpenraum zurückziehen und auf die Zentren konzentrieren würden, hätte das fatale Folgen: Die Erde würde wieder wüst und leer.

Das tönt übertrieben.
Nein, ist es nicht. Die Metropolen würden als Inseln in einer Landschaft ohne Menschen dastehen. Und das würde natürlich überhaupt nicht funktionieren, weil die Metropolen allein gar nicht lebensfähig sind. Deshalb müssen wir das Leben auch im Alpenraum weiterhin ermöglichen, und der Staat muss sich dafür verantwortlich fühlen. Er muss Infrastrukturen dafür zur Verfügung stellen: die Sicherheit der Eisenbahn- und Strassenverbindungen gewährleisten, Schulen, öffentlichen Verkehr, die Versorgung insgesamt.

Entvölkerte Täler wären aber die Voraussetzung für Nationalparks mit unberührter Natur. Das müsste Ihnen ja gefallen.
Da steckt für mich genau dieses technokratische Denken dahinter: Entweder haben wir die Natur im Griff und machen sie uns total untertan. Oder wir haben sie eben nicht im Griff und überlassen sie völlig sich selbst. Es gibt aber eine dritte Möglichkeit: die respektvolle Nutzung und Veränderung der Natur, ohne sie zu zerstören, so, wie das die Alpen zeigen. Und das ist für mich ein ganz starkes Argument nicht für Nationalparks, sondern für Naturparks, in denen die Kulturlandschaft Alpen erhalten bleibt, sowohl touristisch als auch wirtschaftlich genutzt wird und ein Auskommen ermöglicht.

Für Sie ist ja ausgerechnet die Schweiz ein Beispiel für eine schlechte Berggebietspolitik.
In der Schweiz spielt das liberale Denken eine grosse Rolle. Die Idee, die wirtschaftliche Entwicklung dem Markt zu überlassen, ist stark verankert. Das Merkwürdige dabei ist, dass man von 1930 bis 2007 das Berggebiet ganz bewusst nicht dem Markt überlassen hat, weil man wusste, dass es dann kaputtgeht. Dieser Widerspruch hat jedoch niemanden gestört, bis das neoliberale Gedankengut wieder voll Fuss fasste. Das führte zur «Neuen Regionalpolitik» von 2008, die ich für eine Katastrophe halte.

Was ist daran katastrophal?
Sie fordert von den Regionen, selbst aktiv zu werden. Um einen Förderantrag zu stellen, muss man ja mindestens zehn Jahre studiert haben, so kompliziert sind die. Gerade periphere, abwanderungsbedrohte Berggebiete sind damit überfordert und werden im Grunde genommen alleingelassen.

Gibt es denn überhaupt Alternativen?
Ja. Österreich zum Beispiel hat ein ganz anderes Staatsverständnis, das immer noch von einer Art aufgeklärtem Absolutismus geprägt ist. Hier fühlt sich der Staat für das Funktionieren auch der dünn besiedelten und peripheren Regionen verantwortlich.

Braucht die Schweiz einen aufgeklärten Absolutismus nach österreichischem Vorbild?
Ich finde: Ja. Der Staat muss für eine nachhaltige, vielfältige Entwicklung in den Berggebieten sorgen, weil der Markt allein nämlich gerade diese Aufgabe nicht erfüllen kann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.12.2017, 14:28 Uhr

Bröckelnde Alpen

Der Bergsturz von Bondo

Am 23. August 2017 ereignete sich der bis anhin grösste Bergsturz am Piz Cengalo: Drei Millionen Kubikmeter Gestein donnerten zu Tal. Darauf kam es zu einem unerwarteten Murgang im Val Bondasca. Das automatische Überwachungssystem löste erstmals seit der Installation einen Alarm aus, daraufhin wurde das Dorf mit seinen 200 Einwohnern vollständig evakuiert. Bergsteiger, die im Val Bondasca eingeschlossen waren, wurden noch am Tag des Ereignisses per Helikopter ausgeflogen. Aber acht Bergwanderer, die im Katastrophengebiet unterwegs gewesen waren, sind seither spurlos verschwunden.

Der alte Dorfkern Bondos blieb verschont, aber Bauten auf später erschlossenem Land wurden verschüttet. Insgesamt sind zwölf Ställe und Maiensässe im Val Bondasca und vier Gebäude in Bondo zerstört oder beschädigt worden. Geröll und Schlamm überlagerten und verschoben die Betonbrücke der Hauptstrasse, der Verkehr auf der Lebensader blieb während Tagen unterbrochen. Die Bewohner des alten Dorfkerns konnten bereits zwei Tage nach dem Ereignis in ihre Häuser zurückkehren.

Während der Bergsturz in einer Computersimulation vorausberechnet worden war, wurden die Geologen vom Murgang überrascht. Der Sturz der abgebrochenen ­Gesteinsmassen auf den unterhalb liegenden Gletscher hat laut einer zwanzig­köpfigen Expertengruppe zum aussergewöhnlichen Ereignis geführt. In Sekundenschnelle wurde dadurch viel Eis abgetragen, pulverisiert und geschmolzen. Insgesamt führte laut den Experten eine «weltweit sehr seltene Verkettung von Naturereignissen» zum Bergsturz mit nachfolgendem Murgang. (ese) (Bild: Reuters Arnd Wiegmann)

Werner Bätzing

Alpenforscher aus dem Flachland

Der zurzeit bedeutendste Alpenforscher
ist fernab der Alpen aufgewachsen. 1949 geboren, studierte Werner Bätzing in Bielefeld Evangelische Theologie und Philosophie, später in Berlin Geografie. Um Distanz von der Grossstadthektik zu gewinnen, begann er durch Berglandschaften zu wandern. So entdeckte er den Alpenraum als ideal­typischen Ort, um dem Verhältnis von Technik und Natur auf den Grund zu gehen. 1984 erschien sein Standardwerk «Die Alpen». Bätzing habilitierte 1989 in Bern und war bis zu seiner Emeritierung 2014 Professor für Kulturgeografie in Erlangen. 2017 veröffentlichte er die Streitschrift «Zwischen Wildnis und Freizeitpark». Ebenfalls im Rotpunkt-Verlag sind seine Wanderführer über den Weitwanderweg «Grande Traversata delle Alpi» erschienen. Sie sind eine konkrete Anleitung zu sanftem Tourismus. (ese)

Und jetzt?

Gespräche zum Jahreswechsel

Zum Jahreswechsel unterhält sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit zehn Interviewpartnern über das, was die Schweiz und die Welt bewegt. Wir tun dies ausgehend von einem Bild aus dem vergangenen Jahr und fragen uns: Was wird jetzt daraus?


  • 27. Dezember: Campino über sein Verhältnis zu Angela Merkel

  • 28. Dezember: Werner Bätzing über das Bröckeln unserer Berge

  • 29. Dezember: Eva Illouz über die Liebe nach dem Fall Weinstein

  • 30. Dezember: Loris de Filippi über das Los der Flüchtlinge

  • 3. Januar: Susan Benesch über die Bedrohung durch Facebook-Kommentare

  • 4. Januar: Timothy Snyder über die Gefahr, die von Donald Trump ausgeht

  • 5. Januar: Armin Wolf über die Bedeutung des öffentlichen Fernsehens

  • 6. Januar: Jonas Lüscher über die dunkle Seite der Digitalisierung

  • 8. Januar: Corine Mauch / Filippo Leutenegger im Duell ums Zürcher Stadtpräsidium

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