Daten vor Putin schützen

Die Datenlieferung in die USA ist sicher­lich weniger bedenklich als jene nach Russland.

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Jetzt wollen auch die Russen von der Swiss die Daten ihrer Passagiere – genauso wie vor ihnen die Ameri­kaner. Denen liefern die Airlines seit einiger Zeit bei der Einreise oder beim Überfliegen ihres Territoriums alle möglichen Daten: einerseits sämt­liche Reisepassdetails, die sogenannten API-Daten, andererseits alle anderen Angaben, die wir beim Buchen preisgeben, wie Kreditkartendetails, E-Mail-Adressen und Telefonnummern – PNR-Daten genannt.

Ach, was solls, könnte man finden. Geben wir den Russen die gleiche Einsicht in unser Leben wie den Amerikanern. Ist ja egal bei all den Datenspuren, die wir im Alltag sowieso hinterlassen. Doch dieser Versuchung bequemer Resignation sollten wir widerstehen. Aus mehreren Gründen: Erstens ist es ärgerlich ­genug, dass die USA die Macht haben, Airlines dazu zu zwingen, auch Daten zu liefern, die nicht zwingend erscheinen für ihre Terrorbekämpfung – etwa bei Passagieren, die das Land nur überfliegen.

Bald Daten an China?

Wenn andere Staaten jedoch einen weniger langen Hebel haben, sollten wir uns wehren. Es gilt schliesslich: Je mehr Daten von uns im Umlauf sind, desto schlechter. Zweitens ist die Datenlieferung in die USA sicher­lich weniger bedenklich als jene nach Russland. Bei allem überrissenen Überwachungseifer der NSA sind die USA immer noch ein demokratischer Rechtsstaat, was man von Putins Russland nicht behaupten kann. Dort werden gemäss Medienberichten die für fünf Jahre gespeicherten Informationen mit Datenbanken der Polizei und der Geheimdienste abgeglichen – Organisationen, die für ihre Willkür bekannt sind.

Im Moment bekommen die Russen die Reisepassdetails nur, wenn wir einreisen. Ab Frühling 2015 ­sollen sie diese auch erhalten, wenn wir sie überfliegen – das ist schon zu viel. Deshalb sollte die Schweiz keines­falls weitergehen und ein bilaterales Abkommen mit Moskau über die Lieferung der noch heikleren ­Daten wie die Kreditkarteninformationen abschliessen. Was damit geschehen könnte, will man lieber nicht ­wissen und schon gar nicht am eigenen Leib erfahren.

Als Nächstes fordert dann China die Passagier­daten – keine rosige Aussicht.

Erstellt: 07.12.2014, 23:15 Uhr

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