Den Ferrari gibt es weiterhin ohne Busse

Unter den CO2-Abgaben leiden die Privatimporteure. Doch nicht alle Autos sind gleichermassen betroffen.

Trotz hohem CO2-Verbrauch ohne Busse: Ferrari 458.

Trotz hohem CO2-Verbrauch ohne Busse: Ferrari 458. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jahrelang konnten private Autokäufer – auch wegen des starken Frankens – von attraktiven Autopreisen im Ausland profitieren. Im Internet ein preiswertes Angebot ausgemacht, reiste man zum Verkäufer und kaufte ein Auto mit einem Preisvorteil von bis zu 40 Prozent. Beispielsweise einen Fiat 500 C Cabrio mit einem Rabatt von 39 Prozent. Im Durchschnitt bewegen sich die Abschläge auf direkt importierte Neuwagen zwischen 20 und 35 Prozent der Listenpreise.

Seit der Einführung der C02-Abgaben hat sich die Attraktivität dieser Art von Autokauf stark reduziert. Dies zeigt eine Auswertung des Bundesamt für Energie (BFE): Im Jahr 2013 wurden 5,1 Millionen Franken an C02-Sanktionsgeldern ein­getrieben, davon entfallen rund 46 Prozent auf Klein- und Privatimporteure. Diese machen wiederum 0,7 Prozent aller Fahrzeugkäufer aus.

«Vom Gesetz betroffen sind Schweizer Konsumenten und Kleinimporteure, die Grossimporteure können durch Misch­rech­nun­gen ihre Bussen tief halten», sagt Joel Thiébaud vom Verband freier Autohandel Schweiz (VFAS). «Die Bussen sind für eine einzelne Person oft zu hoch und vernichten einen grossen Teil des Preisvorteils.» Zwar verschone das Gesetz energieeffiziente Fahrzeuge von den Sanktionen, sagt Thiébaud, doch diese würden meist weniger im Ausland nachgefragt. «Wir wollen und können hier keine Ausnahmen machen», sagt Marianne Zünd vom BFE. Ziel sei, die durchschnittlichen C02-Ausstösse zu senken.

Spezialziel beantragt

Von den C02-Abgaben ist jedoch nicht jede Marke gleich betroffen. Ferrari gelten gemeinhin als Fahrzeuge mit hohem C02-Verbrauch, trotzdem müssen deren Käufer keine Strafgelder zahlen. Möglich macht es eine Ausnahmeregelung der EU-Kommission, an die sich die Schweiz anlehnt. Klein- und Nischenhersteller können ein Spezialziel beantragen, das deutlich über dem Wert von 130 Gramm C02/km liegt. Neben Ferrari profitieren Marken wie McLaren, Lotus, Geely, Jaguar, Land Rover oder Aston Martin. So muss der Käufer eines Aston Martin V8 Vantage mit 426 PS für 150'000 Franken mit einem C02-Wert von 299 Gramm pro Kilometer keine Abgaben zahlen. Hingegen zahlt der Käufer des vergleichbaren Dodge Challenger mit 381 PS (Verkaufspreis: 45'000 Franken) mit einem C02-­Ausstoss von 290 Gramm pro Kilometer einen Aufpreis von 20 017.50 Franken – weil eben ein Nischenziel mit der EU fehlt. Das führte dazu, dass in den letzten Jahren in der Schweiz bedeutend weniger amerikanische Autos verkauft wurden. In Zukunft dürften auch chinesische oder indische Autos von der Spezialregelung betroffen sein, berichten Branchenkenner.

Nicht betroffen von den C02-Richtlinien sind zudem Wohnmobile, Nutzfahrzeuge wie Lieferwagen und Pick-ups. Ebenso sanktionsbefreit sind Occasionsfahrzeuge – sofern sie im Ausland mindestens sechs Monate registriert waren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2014, 21:51 Uhr

Artikel zum Thema

Der Tesla-Trick

Für 4000 Franken bietet sich der US-Elektroautohersteller in der Schweiz anderen Autoverkäufern als CO2-«Kumpane» an. Was steckt hinter dem Deal? Mehr...

Mit Russ und Rauch gegen Ökoautos

US-Konservative setzen ihre Diesel-Trucks als Waffe gegen verhasste Hybridautos ein. Damit lässt sich der politische Feind gut ärgern. Mehr...

Tesla rutscht tief in die roten Zahlen

Die Elektroautos des US-Herstellers sind begehrt – und ein Verlustgeschäft. Trotzdem hat Tesla milliardenschwere Pläne. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Die animalischen Wellenreiter: Die dreibeinige Jack-Russell-Terrier-Hündin namens Surf Pig am diesjährigen Surfwettbewerb in Cocoa Beach, Florida, USA. (21. April 2019)
(Bild: Tim Shortt) Mehr...