Der Argwohn ist berechtigt

Man reibt sich die Augen ob des politisch forcierten Moscheenbaus in Europa. Egal, ob das Geld aus der Türkei oder aus Saudiarabien kommt.

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Der türkische Imam von Ostermundigen möchte die Putschisten in seiner Heimat am Galgen hängen sehen. Ein Fehltritt sei das, singulär zudem, beschwichtigt die offizielle türkische Seite in der Schweiz. Und doch nährt die Niederschlagung des Putsches in der Türkei die Diskussion, inwiefern Erdogan und sein Religionsministerium Diyanet politisch Einfluss nehmen auch auf die von dort besoldeten 36 Imame in der Schweiz. In Deutschland stellen jetzt gar Politiker verschiedenster Parteien die Zusammenarbeit mit den Islamverbänden infrage, vor allem mit der türkischen Ditib, der 970 Moscheen angeschlossen sind. Deren Nähe zum Staat ist längst bekannt, der Verdacht aber, die Moscheen seien Aussenposten der AKP, eher neu. Misstrauisch macht, dass Diyanet in aller Welt, von der Krim bis Haiti, Moscheen bauen lässt und finanziert.

Das erinnert stark an die Islamische Weltliga der Saudis, die ebenfalls Milliarden in den globalen Moscheenbau investiert. Dass die beiden Organisationen zusammenarbeiten, erfährt nur, wer arabische Websites konsultiert: Der türkische Diyanet-Chef Mehmet Görmez sitzt in der saudischen Weltliga. Diese hat erst vor kurzem ein neues Standbein in Europa etabliert, in Form der Europäischen Organisation Islamischer Zentren. Ihr Sitz befindet sich in Genf, Geschäftsführer ist der neue Imam der dortigen saudischen Moschee, Sofiene Ziane. Das Ziel der Organisation: in Europa neue Islamzentren und deren Imame zu finanzieren.

Man reibt sich die Augen ob dieses forcierten Booms islamischer Sakralbauten, mal türkischer, mal saudischer Herkunft. Argwohn ist berechtigt. Zumal es hier wie dort heisst, man vertrete einen Islam der Mitte. Aus westlicher Optik indes ist es klar ein konservativer und politischer Islam. Darum geraten die islamischen Verbände und Funktionäre zunehmend unter Beschuss. Der wohl eher gemässigten muslimischen Bevölkerung tun sie jedenfalls keinen Gefallen. Zu Recht fängt diese an, sich Gedanken zu machen, ob sie durch alternative Verbände liberaler Ausrichtung nicht besser vertreten wäre.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2016, 23:27 Uhr

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