«Der Betrieb ist nicht mehr sicher»

Für die BKW ist der rissige Kernmantel im AKW Mühleberg sicher. Der Anwalt der AKW-Gegner bestreitet dies und verweist auf eine geheime Studie.

Ob der Kernmantel in Mühleberg sicher ist oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. (Franziska Scheidegger)

Ob der Kernmantel in Mühleberg sicher ist oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. (Franziska Scheidegger)

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2006 verfasste die deutsche Prüforganisation TÜV Nord ein Gutachten zu den Rissen im Kernmantel des Atomkraftwerks Mühleberg. Das Gutachten ist geheim – oder genauer: halb geheim. Denn die Beschwerdeführer gegen eine unbefristete Betriebsbewilligung des AKW hatten im Dezember Einblick erhalten. Das Bundesverwaltungsgericht untersagte ihnen aber unter Androhung einer Busse von 10 000 Franken, das Gutachten zu veröffentlichen.

Gegenüber Radio DRS gab der Anwalt der Beschwerdeführer, Rainer Weibel, gestern die Schlussfolgerungen bekannt, die er aus dem Gutachten zieht: «Dieser Kernmantel ist nicht sicher, weder im Normalbetrieb noch im Störfall.» Die Beschwerdeführer dürften zwar nicht das Gutachten, wohl aber ihre Erkenntnisse aus der Lektüre publizieren, sagt Weibel auf Anfrage. «Der Kernmantel kann nicht repariert werden, man müsste ihn ersetzen.» Dies habe man in den baugleichen japanischen Unglücksreaktoren in Fukushima gemacht. «Bei einem Erdbeben oder einem Flugzeugabsturz könnte sich der Kernmantel verschieben oder reissen.»

BKW: Kein Sicherheitsrisiko

Die BKW, die Betreiberin von Mühleberg, bestreitet ein Sicherheitsrisiko. Sie hat den Kernmantel mit Zugankern verstärkt. Gegenüber Radio DRS sagte Kraftwerksdirektor Patrick Miazza: «Was man heute sagen kann: dass der Kernmantel auch ohne Zuganker sicher ist. Mit vier Zugankern ist er viel, viel sicherer.» Die Stabilität sei «heute und für die nächsten Jahre vollumfänglich gewährleistet». Die am stärksten angerissene Schweissnaht sei heute noch zu 70 Prozent intakt, erklärte Miazza.

Weibel dagegen sagt: «Mangels dauernder Überprüfung – die letzte Prüfung fand 2009 statt – kann nicht sicher festgestellt werden, ob der Kernmantel nicht schon durchgerissen ist.» Wissen werde man dies erst, wenn der Reaktor nächsten Sommer abgestellt wird.

Ensi: Durchriss wäre gefährlich

Für das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) ist es entscheidend, ob der Kernmantel durchgerissen ist. In der Stellungnahme zur Periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) von 2007 hielt das Ensi fest, dass in diesem Fall die Anforderung für einen sicheren Betrieb nicht mehr erfüllt wäre. Dies hatte der stellvertretende Ensi-Direktor Georg Schwarz kürzlich auch dem «Bund» gesagt: «Der Zuganker ist genügend, solange es keine durchgehenden Risse hat. Je nach Wachstum der Risse stellt sich die Frage einer definitiven Reparatur.»

Die BKW hatte auf Geheiss des Ensi Ende 2010 ein Konzept für den «Langzeitbetrieb» eingereicht, in dem sie darlegt, wie sie mit dem Rissproblem umgehen will. «Wir wissen nicht, was die BKW vorschlägt», sagt Weibel. «Wir wissen nur, dass die einzig vernünftige Massnahme fehlt: ein Ersatz des Kernmantels.» Ein neuer Kernmantel würde rund 500 Millionen Franken kosten. (Der Bund)

Erstellt: 19.03.2011, 20:09 Uhr

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