Hintergrund

Der Deal von Andermatt

Der SAC hat seinen Widerstand gegen die geplante Skiarena Andermatt aufgegeben. Hat sich der Bergsportverband erpressen lassen? Das zumindest sagen die Umweltverbände.

Freie Fahrt für Skifahrer: Das soll zwischen Andermatt und Sedrun möglich sein.

Freie Fahrt für Skifahrer: Das soll zwischen Andermatt und Sedrun möglich sein. Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Die Bergler haben ihre Muskeln spielen lassen – und den Schweizer Alpen-Club (SAC) in die Knie gezwungen. So beschreiben Umweltschützer, was sich unlängst bei Andermatt im Urserntal zugetragen hat. Die Korporation Ursern hatte noch im alten Jahr angekündigt, die Baurechtsverträge der SAC-Hütten Vermigel und Albert Heim womöglich nicht zu erneuern. Der Grund für diese Drohung: Der Bergsportverband mit seinen 140'000 Mitgliedern gilt in Teilen der Urschner Bevölkerung als Club der Verhinderer, seit er die Grösse der geplanten Skiarena Andermatt-Sedrun als überrissen kritisiert hat.

Das Vorhaben, das die Skigebiete Andermatt und Sedrun verbinden soll, ist ein Baustein im milliardenschweren Tourismusprojekt «Andermatt Swiss Alps» des ägyptischen Unternehmers Samih Sawiris. Geplant sind unter anderem 14 neue Bahnen und diverse Beschneiungsanlagen. Im Sommer soll der Bau der ersten Anlagen starten. Die Verbindung der Skigebiete soll auf die Wintersaison 2016/17 hin vollendet sein. Entwickelt und betrieben wird die Skiarena von der Andermatt-Sedrun Sport AG.

Die Korporation Ursern hat den SAC angemahnt, seine Umweltpolitik nicht mit dogmatischer Härte zu verfolgen, weil der Sportverband die Alpen schliesslich nicht nur schützen, sondern auch nutzen wolle. So, wie es die Korporation begrüsse, wenn das Skigebiet vergrössert und verbessert werde, wolle der SAC seine Hütten ausbauen und modernisieren, argumentiert die Korporation.

Verzicht auf weitere Gutachten

Die klaren Worte haben ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Der SAC revidiert seine Position. Er verzichtet darauf, weitere Gutachten zur Erweiterung des Skigebiets zu verlangen. Auch hat er keine Einwände gegen die geplanten Pisten sowie die bestehenden und geplanten Beschneiungsanlagen am Nätschen und am Gemsstock. Seine Stellungnahme zu den Ersatzmassnahmen – ein Landschaftsschutzgebiet im Unteralptal – zieht er als Konsequenz daraus zurück.

Diese Spitzkehre wird im Urserental als «Einsichtigkeit» gefeiert, bei den Umweltverbänden hingegen provoziert sie Unmut. Zwar seien die Konsequenzen aus rechtlicher Sicht gering, heisst es. Doch sende der SAC ein fatales Signal für die Zukunft aus: «Er hat sich unter Druck setzen lassen und macht sich somit in anderen Projekten erpressbar», sagt Katharina Conradin, Geschäftsleiterin der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness. Diese Woche soll es zu einer Aussprache zwischen dem SAC und den Umweltverbänden kommen. Eine Sprecherin des SAC bestätigt entsprechende TA-Informationen. Bis dahin will sich der SAC zum Fall nicht mehr weiter äussern.

Der Zwist fällt in eine wichtige Phase des Projekts. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) wird demnächst das Plangenehmigungsverfahren abschliessen, das eine Umweltverträglichkeitsprüfung enthält. Erteilt das BAV dem Projekt seinen Segen, was wahrscheinlich ist, sind Einsprachen am Bundesverwaltungsgericht möglich. Danach folgt das sogenannt nachlaufende Verfahren – ein weiterer bedeutsamer Schritt, weil die Betreiber der Skiarena mit den Umweltverbänden rund 60 Detailprojekte ausarbeiten. Entscheiden wird sich dann zum Beispiel, welche Eingriffe in die Landschaft konkret nötig sind, wie die Pisten gestaltet und wo die Beschneiungsanlagen stehen werden. Zwar haben Samih Sawiris und die Umweltverbände vor einem Jahr die ärgsten Streitpunkte ausgeräumt, indem sie sich auf eine Verkleinerung des Skigebiets geeinigt hatten. Doch um die Ausgestaltung der Detailprojekte wird laut einem Insider weiter hart gerungen.

SAC will von Sawiris profitieren

Wie der SAC seine Kehrtwende begründet, geht aus einem Artikel in der clubeigenen Zeitschrift «Die Alpen» hervor. Als Opfer einer Erpressung sieht er sich nicht. Vielmehr versichert er, sich um ein gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung zu bemühen. Zudem gehöre es zu seinen Aufgaben, Sektionen, die Hütten besitzen, bei der Verlängerung von Baurechten zu unterstützen. Mit allzu einschneidenden umweltpolitischen Forderungen schösse sich der SAC «selbst in den Fuss». Der SAC verspricht sich von Sawiris’ Projekt zudem einen Gewinn: Die «touristische Morgenröte» im Raum Andermatt könne «tolle Perspektiven» für den Bergsport und die SAC-Hütten bieten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2014, 06:57 Uhr

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