Schweiz - Iran

Warum die Schweizer Rechten den Iran mögen

Unter Verschwörungstheoretikern und Rechtsaussen-Politikern steht der Gottesstaat hoch im Kurs. Dabei verbindet sie im Kern etwas ganz besonders.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Appenzeller Hackbrett ist dem persischen Instrument Santur nachgebaut. Der Pfirsich wurde früher Persischer Apfel genannt. Und der einstige iranische Premierminister Mohammad Mossadegh war Schweizer Bürger: Mit diesen Fakten wirbt der «Freundeskreis Schweiz - Iran» auf seiner Website für die Völkerverständigung. Man wolle die Schweizer dazu bringen, die «persischen Freunde» als «wertvolle Verbündete» zu betrachten. Der Verein pflegt Beziehungen zu mehreren SVP-Vertretern. 2012 zum Beispiel organisierte er zusammen mit Anian Liebrand, dem heutigen Präsidenten der Jungen SVP Schweiz, einen Informationsanlass über den Iran im Bahnhof Luzern. Bereits damals tat der ehemalige SVP-Nationalrat Dominique Baettig seine Sympathie für die Islamische Republik kund und fand, dass die Schweiz von den «spirituellen Werten» des Iran lernen könne.

Antisemitischer Reiseleiter

In diesem Jahr bietet der «Freundeskreis Schweiz - Iran» fünf Reisen in den Iran an. Interessant ist dabei die Reiseleitung: Laut eigenen Angaben führt der Verschwörungstheoretiker Manfred Petritsch die Reisegruppen an. Petritsch ist durch seinen Blog «Schall und Rauch» berühmt-berüchtigt, er gibt dort regelmässig antisemitische Statements von sich. Zum Beispiel nennt er den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu einen Massenmörder und lobt Mahmoud Ahmadinejad für seinen Mut, die Wahrheit darüber zu sagen, wer die wirkliche Gefahr für den Weltfrieden darstelle. Der Iran-Reiseleiter Petritsch ist bekannt mit den SVP-Politikern Lukas Reimann, Dominique Baettig und Anian Liebrand. Zusammen haben sie die Gegenveranstaltung zur Bilderberg-Tagung 2011 organisiert – ein Meeting von ­Leuten, die hinter der Bilderberg-Kon­ferenz eine grosse Weltverschwörung sehen.

Hier zeigt sich, welche Schweizer ein besonders grosses Interesse am Iran zeigen: Verschwörungstheoretiker und Politiker, die am rechten Rand anzusiedeln sind. Das ist in anderen Ländern nicht anders. Das islamische Regime gilt generell als ein Sympathieträger für Personen, welche Amerika oder Israel beziehungsweise alle beide hassen. Und für solche, die an eine Verschwörung der zionistischen Finanzelite glauben. Der grösste und extremste Fan des Regimes ist zum Beispiel die deutsche rechtsextreme Partei NPD. Bereits 2006 solidarisierten sich deutsche Neonazis mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad, nachdem dieser den Holocaust leugnete und Israel das Existenzrecht abgesprochen hatte. Die Schweizer Pnos zeigte 2006 ebenfalls Sympathien für den Iran, nachdem Ahmadinejad «in fast allen ­Medien der westlichen Hemisphäre durch den Dreck gezogen und verteufelt wurde.» Dem Land, das seine Oppositionellen hinrichtet, konstatieren die Pnos-Leute nach einer vom Iran ausgerichteten Holocaust-Konferenz: «Die Islamische Republik Iran hat ihren Gästen die absolute Redefreiheit zugestanden, eines der populärsten Menschenrechte, das in der Schweiz mit Füssen getreten wird.»

Gegen prowestliche Kriegshetze

Doch nicht alle Iran-Sympathisanten müssen auch gleich Rechtsextreme sein. Was die meisten jedoch verbindet, ist ihre Abneigung gegen die USA. Ganz im Sinne von «Der Feind meines Feindes ist mein Freund». Gerade bei der SVP konnte dieser Reflex in letzter Zeit beobachtet werden. Zum Beispiel bei Oskar Freysinger, der den Bundesrat aufgefordert hat, sich von der neuen ukrainischen Führung zu distanzieren. Freysinger ist pro Putin – hauptsächlich darum, weil die Schweiz sich zu stark der EU-Sicht auf die Ukraine angeschlossen habe.

Ein bekannter deutscher Iran-Freund aus der rechten Ecke reist zurzeit ebenfalls durch den Iran: Jürgen Elsässer, ein Journalist und Verschwörungstheoretiker, der immer wieder mit antisemitischen Äusserungen provoziert. Elsässer hat ein Buch mit dem Titel «Iran – Fakten gegen Westliche Propaganda» herausgegeben. Darin will er eine Gegenposition bieten gegen «prowestliche Kriegshetzer und Nato-hörige Exil­iraner». Laut Lutz Bucklitsch, dem Geschäftsführer der Flüchtlingshilfe Iran, fliegt Elsässer regelmässig ins Land und wurde zu Ahmadinejads Zeiten vom ­Präsidenten persönlich begrüsst.

Elsässer ist gut mit der Schweiz vernetzt – mit den Bilderberg-Leuten rund um Reimann und Liebrand. Sein Magazin «Compact» hat die Bilderberg-Gegenveranstaltung unterstützt. Nächste Woche wird er sich nun mit dem SVP-Nationalrat Luzi Stamm über seine Iran-Eindrücke austauschen können: Die beiden treten zusammen an einem Anlass in Emmenbrücke auf, der von Liebrand organisiert wird. Thema: «Direkte Demokratie – Ein Reizbegriff rüttelt Europa auf.» Stamm sagt, dass ihn die Junge SVP Luzern zu einem Anlass eingeladen habe und er einfach grünes Licht gab. «Ich weiss gar nicht, wer da sonst noch kommt.» Elsässer kenne er jedoch «von früher».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2014, 00:01 Uhr

Artikel zum Thema

«Den USA ist egal, was Luzi Stamm sagt»

Die Iranreise der SVP-Parlamentarier gibt in der Schweiz zu reden. Ex-Diplomat Luzius Wasescha sagt, wie sich Politiker im Ausland verhalten sollten. Mehr...

Aussenpolitiker kritisieren Iran-Reise

«Naiv», «äusserst problematisch»: Schweizer Aussenpolitiker äussern sich kritisch zum Auftritt mehrerer SVP-Vertreter im Iran. Sie fordern Rechenschaft. Mehr...

Mit diesem Schreiben erklärt Reimann die Iran-Reise

Zusammen mit SVP-Kollegen besuchte Nationalrat Lukas Reimann verschiedene Städte im Iran. Nun erklärt er sich. Auch Luzi Stamm nimmt Stellung und bekräftigt seine Kritik an den Sanktionen: «Das ist völlig daneben.» Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Freizeit und Reisen

Viele Ausflugsziele für den «goldenen Herbst» finden Sie in der aktuellen SBB Zeitungsbeilage «Freizeit und Reisen».

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...