«Der Grund für meine Abwahl ist nachvollziehbar»

Der abgewählte FMH-Präsident Jacques de Haller sagt, seine Abwahl habe ihn nicht überrascht. Und analysiert im Interview die Ursachen.

«Habe die Abwahl vorverdaut»: Der abgewählte FMH-Präsident Jacques de Haller.

«Habe die Abwahl vorverdaut»: Der abgewählte FMH-Präsident Jacques de Haller. Bild: Keystone

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Herr de Haller, worauf führen Sie Ihre Abwahl als Präsident der FMH zurück?
Jacques de Haller: Ich glaube, die Abwahl war nicht gegen mich als Person gerichtet.

Sondern?
Ich habe die FMH in den letzten acht Jahren auf- und ausgebaut. Ich habe sie stark geprägt. Jetzt hatte die Ärztekammer einfach ein starkes Bedürfnis nach einem Wechsel. Das ist aus meiner Sicht der simple Grund für meine Abwahl. Das ist auch nachvollziehbar.

Dennoch: Wie enttäuscht sind Sie?
Ich habe die Abwahl gewissermassen vorverdaut. Das heisst, ich wusste Wochen im Voraus, dass die Chancen nur etwa fünfzig Prozent standen, dass ich die Wiederwahl schaffe.

Ihre Abwahl könnte aber auch damit zusammenhängen, dass Sie sich vor einiger Zeit zur SP bekannt und für diese Partei als Nationalrat kandidiert haben, oder?
Das glaube ich nicht. Spätestens als feststand, dass ich als Nationalrat nicht gewählt worden bin, war das in der FMH kein Thema mehr.

Wird die FMH nun mit dem neuen Präsidenten einen neuen Kurs einschlagen?
Nein, einen sichtbaren Kurswechsel wird es nicht geben. Davon bin ich überzeugt. Wohin die FMH längerfristig steuert, ist aber heute nicht absehbar.

Werden Sie nach Ihrer Abwahl nun wieder als Arzt in einer Praxis arbeiten?
Nein, ich werde nicht wieder in die Praxis zurückkehren.

Warum nicht?
Ich habe viele Jahre keine Patienten mehr betreut. Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Ein Neuanfang in einer Praxis kommt in diesem Alter für mich nicht mehr infrage.

Was werden Sie denn in Zukunft bis zu Ihrer Pensionierung unternehmen?
Das weiss ich jetzt noch nicht. Ich lasse mir nun Zeit, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen.

Erstellt: 08.06.2012, 08:33 Uhr

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