Der Herr des Milliarden-Bauwerks

Der Bauingenieur Renzo Simoni ist Chef der Neat-Firma Alptransit. Im Betrieb duldet er keine Angstkultur.

Tritt stets selbstbewusst auf: Renzo Simoni, Chef von Alptransit.

Tritt stets selbstbewusst auf: Renzo Simoni, Chef von Alptransit. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er sei aufgeblüht im neuen Job, sagt seine Frau Fabiana. Vor bald vier Jahren wurde der Bauingenieur Renzo Simoni (49) aus einem Kreis von 60 Bewerbern zum Alptransit-Chef ernannt. «Mein Traumjob», sagt er immer noch. Seither pendelt er von Meilen ZH, wo er wohnt, zum Alptransit-Sitz in Luzern. Und manchmal nimmt er als hauptverantwortlicher Stratege und Controller im entstehenden Tunnel einen Augenschein – wie vorgestern Samstag. Er wollte sicherstellen, dass kurz vor dem Durchstich nicht noch ein Missgeschick passiert.

Eine Art Heimkehr

Für Simoni ist der Durchstich tief im Berg unter Sedrun eine Art Heimkehr, denn er ist in der Surselva aufgewachsen, in Ilanz – eine prägende Herkunft. Der Bruder seiner Mutter war dort Stadtammann. Die Stimmung in der ersten Stadt am Rhein wurde bestimmt von den «Schwarzen», der katholischen CVP, und der FDP, in der sich die Reformierten sammelten. Eine polarisierte Gemeinde, wie sich Simoni erinnert: Es gab getrennte Schulen, die Katholiken kauften das Brot bei ihrem Bäcker ein, die Reformierten bei ihrem. Simonis Familie, die eine Bauunternehmung betrieb, gehörte den Reformierten an, die nach dem Krieg in die Minderheit gerieten. Vielleicht die Basis für seine persönliche Entwicklung zum sozialverträglichen Konsens. Denn ohne Einvernehmen gabs kein Überleben.

Diese Erfahrung hat dazu beigetragen, dass Simoni Wert auf rasche und vollständige Kommunikation legt und in der Firma keine «virtuellen Gartenzäune» und keine Angstkultur duldet. Er pflegt einen kooperativen Führungsstil und will seine vier Co-Geschäftsleiter nicht einfach überfahren – auch wenn er stets durchaus selbstbewusst auftritt und vor einem Chefentscheid nicht zurückschreckt.

Ein «praktisch auf den Ski geborener» Ingenieur

Nach der Matura wollte Simoni, der sein Feriengeld jeweils als Bauhandlanger verdiente, entweder Bauingenieur oder Architektur studieren. Er entschied sich für die Ingenieurskunst und trat nach der RS sein Studium an der ETH an – 1980, als Zürich brannte. «In der Postpubertät und während des Studiums habe ich vieles infrage gestellt, was das Establishment betrifft», sagt Simoni, der damals Abonnent der WOZ und der NZZ war.

Nach dem Abschluss hängte Simoni ein Raumplanungsstudium an, 1995 machte er noch den Dr. sc. techn. ETH. 1999 liess er sich mit seiner Familie, die zwei Töchter namens Alissa (13) und Livia (11) umfasst, in Meilen nieder. Der «praktisch auf den Ski geborene» Bündner, der gern liest und Saxofon spielt, sass bis 2007, als er erfolglos für den Zürcher Kantonsrat kandidierte, für die FDP in der Baukommission und in der Schulpflege der Gemeinde und kontrollierte den Neubau eines Schulhauses für 27 Millionen Franken.

Zum Etappensieg ein Marathon

Ein Klacks gemessen an den 12 Milliarden, welche die Neat-Röhren am Gotthard und Ceneri kosten. Doch Simoni ist nicht zufällig Alptransit-Chef geworden. Zehn Jahre lang hatte er als Ingenieur schon seinen Vorgänger Peter Zbinden im Projektmanagement beraten. 15 Jahre ist er jetzt schon beim Marathon des Neat-Baus dabei. Um den Etappensieg des Durchstichs gebührend zu feiern, leistet er sich nach drei Jahren Pause wieder einen persönlichen Marathon, den von New York im November – «auch wenn das mit 90 Kilo Lebendgewicht nicht das Gesündeste ist». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2010, 10:38 Uhr

Artikel zum Thema

Neat-Tunnel ist ein Jahr früher fertig

Der Gotthard-Basistunnel kann gemäss einem Bericht ein Jahr früher eröffnet werden, als ursprünglich geplant. Der Ball liegt nun bei der SBB. Mehr...

Pfusch beim Gotthardtunnel der Neat – oder sogar Betrug?

Bei 10 von 16 Proben stellte sich heraus, dass die Abwasserrohre aus zweifelhaftem Material bestehen. Die Folgen sind noch nicht abzuschätzen. Mehr...

Der Durchstich, der keiner mehr ist

Generalstabsmässig bereitet das Schweizer Fernsehen die Übertragung des historischen Durchstichs im Gotthardtunnel vor. Die Sendung heisst «Durchschlag live», doch eigentlich stimmt das so nicht ganz. Mehr...

Kommentare

Paid Post

Leisten Sie sich den schönsten Ort der Welt

Der Erwerb und die Finanzierung von Wohneigentum sollen gut überlegt sein. Darum unterstützt die Migros Bank Sie dabei.

Die Welt in Bildern

Sie sind nun keine Kinder mehr: Junge Erwachsene nehmen an einer traditionellen Zeremonie in Seoul teil, bei der sie den Übertritt in ihr 19. Lebensjahr feiern. Sie dürfen nun ihre eigenen Lebensentscheidungen fällen, wählen gehen und Alkohol trinken. (20. Mai 2019)
(Bild: Ed Jones) Mehr...