«Der Innovationspark darf nicht zu einem Geschäft werden»

Christoph Birkholz, Geschäftsführer des Impact Hub Zürich, sagt, in Dübendorf könne unter gewissen Bedingungen Grosses entstehen.

Ein Innovationspark soll Wissen und Know-how zusammenbringen: Mitarbeiter der Produktion von Hochleistungs-Halbleitern bei ABB in Lenzburg. Foto: Michael Buholzer (Reuters)

Ein Innovationspark soll Wissen und Know-how zusammenbringen: Mitarbeiter der Produktion von Hochleistungs-Halbleitern bei ABB in Lenzburg. Foto: Michael Buholzer (Reuters)

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Was halten Sie von der Idee, einen Innovationspark zu schaffen?
Innovation ist der Schlüssel für die Zukunft. Es braucht daher Zentren, wo sie sich am besten entwickeln kann, wo Ideen und Produkteentwicklung zusammenkommen. So kann ein Netzwerk entstehen, ein Ökosystem, das für die Gesellschaft wichtige Neuerungen schafft.

Was muss ein solcher Park leisten?
Die entscheidende Frage ist weniger, was genau dort entsteht, sondern mehr, wie es entsteht. Es darf meiner Ansicht nach keine Ansammlung von einzelnem Silo-Denken geben. Es muss eine Community entstehen, es braucht also Akteure, die gern und erfolgreich Menschen zusammenbringen und Veranstaltungen organisieren, um den gemeinsamen Austausch zu pflegen. Falsch wäre es auch, wenn der Innovationspark zu einem Immobiliengeschäft verkäme, also wenn die Akteure vor allem daran interessiert wären, zahlungskräftige Mieter einzuquartieren.

Besteht nicht genau diese Gefahr?
Doch, diese Gefahr besteht natürlich immer bei Grossprojekten. Es wäre auch eine verpasste Gelegenheit, wenn der Innovationspark nur nach dem Top-down-Prinzip funktionieren würde, wenn also einzelne Unternehmen oder Institutionen von oben nach unten entscheiden und ausschliesslich linear und analytisch von der Idee über Forschung, Entwicklung bis hin zur Marktreife alles in Eigenregie machen würden.

So ist es vielerorts Usanz.
Das sind Innovationsparks des 20. Jahrhunderts, veraltete Konzepte. Die Zukunft liegt in Communitys, die interdisziplinär zusammenarbeiten. Es müssen Leute aus dem IT-, Bio- und Cleantechbereich sowie aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammenkommen und gemeinsam Projekte verwirklichen. Doch das passiert nicht einfach so. Es braucht Menschen, die das auch umsetzen wollen. Dübendorf ist vor diesem Hintergrund eine grosse Chance für die Schweiz.

Ist Ihr Konzept nicht zum Scheitern verurteilt, weil zu viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen?
Nein. Vorausgesetzt, die Akteure sind bereit, ihre Partikularinteressen abzulegen. So wie im Impact Hub Zürich, der seit fünf Jahren ein Treffpunkt kreativen Unternehmertums ist. Dort haben wir erlebt und erlernt, dass diese Kultur funktionieren kann.

Können Sie konkreter werden?
Die Impact Hub Fellowship etwa ist als Innovationsprogramm mit dem WWF Schweiz entstanden, um Umwelt-Start-ups zu fördern. Inzwischen haben Unternehmen wie Swiss Re und Swisscom, Stiftungen und das Bundesamt für Energie das Programm in die ganze Schweiz und zehn weitere Länder gebracht, um Innovationen in unterschiedlichen Themen zu finden und zu entwickeln. Hier arbeiten Personen aus Privatwirtschaft, öffentlichem und gemeinnützigem Sektor erfolgreich zusammen, weil sie über ihren jeweiligen Tellerrand hinausschauen. Ich bin überzeugt: Auch Grossunternehmen und Grossprojekte können diese Kultur verinnerlichen; diese Kultur kann also auch in einem grossen Innovationspark gedeihen.

Kann Dübendorf zu einer Hochburg des Fortschritts werden wie Berlin?
Es wäre falsch, diesen Standort kopieren zu wollen. Dübendorf soll kein zweites Berlin werden.

Warum nicht?
In Berlin ist die Start-up-Szene nicht nur vorbildlich. Ich nehme dort eine Kultur der Gewinnmaximierung wahr, die stark durch Investoren getrieben ist. Doch es darf nicht Ziel sein, so und so viele Unternehmen pro Jahr an die Börse zu bringen. Im Zentrum der Bemühungen sollten Inhalte und reale Wertschöpfung stehen – und nicht primär das Interesse der Investoren. Diese sind wichtig, aber nur das Mittel zum Zweck. Wir sollten von Berlin lernen. Im besten Fall würden andere Länder beginnen, unser Modell zu übernehmen und es für sich anzupassen.

An welche Inhalte denken Sie?
Zum Beispiel die Art, wie wir in Zukunft kommunizieren, konsumieren, wie wir Mobilität verstehen – das alles bedingt Innovation. Die Schweizer Start-up- und Innovationslandschaft kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. In unserem Land ist auf kleinem Raum überdurchschnittlich viel Kreativität, Wissen und Know-how vorhanden. Wir müssen diese Vorzüge allerdings noch besser miteinander verweben.

Avenir Suisse findet, der Bund wende ein überholtes Konzept an. Heute sei «Open Innovation» gefragt, also ein Innovationsprozess, der von festen Strukturen wie denen des Staates zu lösen sei.
Ich bin nicht dogmatisch. Ob Staat oder Privatwirtschaft: Es braucht alle Kräfte. Die Frage ist weniger, wer hinter diesen Kräften steht, als vielmehr, wie diese Kräfte den Innovationspark gestalten.

Braucht es im Raum Zürich wirklich einen weiteren Innovationspark? Es gibt bereits den Technopark in der Stadt und den Biopark in Schlieren.
Heute ist es für gewöhnlich so, dass sich die Parks spezialisieren, zum Beispiel auf Start-ups im Aufbaustadium. In Dübendorf könnten aber grössere und kleinere Institutionen aus verschiedenen Fachdisziplinen zusammenkommen, ebenso kleinere und grössere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. So liesse sich etwas Grosses, Neuartiges schaffen.

Der Innovationspark Dübendorf soll vorerst mit einem Hub in Lausanne starten. Was halten Sie davon?
Es ist richtig, die Energien zu bündeln. Zürich und Lausanne mit ihren Hochschulen sind die innovativsten und aktivsten Grossräume. Allerdings müssen neue Zentren wie in Dübendorf in das Netzwerk der bestehenden eingebettet werden. Nur so entsteht die notwendige Luft für neue Initiativen. Der Innovationspark könnte zum Beispiel in gemeinsamen Projekten mit dem Technopark in Zürich, einer Forschungsgruppe an der Universität Genf und dem Start-up-Programm Venture Kick zusammenarbeiten. Hierzu braucht es aber politischen Willen – und Geld, um die notwendigen Schnittstellen zu schaffen.

Erstellt: 06.03.2015, 22:43 Uhr

Der 31-jährige Christoph Birkholz ist Mitgründer des Impact Hub Zürich, der Teil des weltweit grössten Netzwerks von Innovations- und Start-up-Laboren ist.

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