Der Luftwaffenchef steigt auf – ein Pilot rückt nach

Die Armee besetzt ihre Führungspositionen neu. Aldo Schellenberg gibt das Kommando der Luftwaffe ab und wird Chef Operationen.

Aldo Schellenberg ist in den letzten Jahren infolge mehrerer Abstürze von Kampfjets und eines Super-Puma-Helikopters in die Kritik geraten. Foto: Keystone

Aldo Schellenberg ist in den letzten Jahren infolge mehrerer Abstürze von Kampfjets und eines Super-Puma-Helikopters in die Kritik geraten. Foto: Keystone

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Es bleibt so ziemlich kein Stein auf dem anderen: Mit ihrer Weiterentwicklung erhält die Armee auf den 1. Januar 2018 eine neue Führungsstruktur. Vereinfacht gesagt wird die bisherige Unterteilung in die Teilstreitkräfte Heer und Luftwaffe abgelöst durch eine Unterteilung in die Bereiche Ausbildung, Operationen und Unterstützung. Gestern hat der Bundesrat festgelegt, wer diese Bereiche kommandieren soll. Besonders interessant ist der gewichtige Bereich Operationen, in dem neu das Heer, die Luftwaffe und die Territorialdivisionen zusammengefasst sind. Chef Operationen wird Aldo Schellenberg, der bisherige Luftwaffenchef.

Schellenberg ist in den letzten Jahren infolge mehrerer Abstürze von Kampfjets und eines Super-Puma-Helikopters in die Kritik geraten. Politik und Öffentlichkeit spekulierten über die Gründe für die Unglücksserie und ob Schellenberg als Betriebswirtschafter ohne Pilotenausbildung der richtige Mann an der Spitze der Luftwaffe sei. Geschadet hat diese Diskussion Schellenbergs Karriere offensichtlich nicht. Denn die Beförderung zum Chef Operationen ist angesichts des umfassenden Aufgabenbereichs keine Wegbeförderung, sondern ein Aufstieg. Schellenberg liess sich gestern denn auch mit den Worten zitieren, er fühle sich geehrt über den «grossen Vertrauensbeweis des Bundesrats mir gegenüber».

Bildstrecke – Eine Chronologie der Abstürze der Schweizer Luftwaffe seit 1987.

Wieder Pilot als Luftwaffenchef

Schellenbergs Aufstieg ermöglicht es, das Luftwaffenkommando wieder einem Piloten zu übertragen. Dies ist umso sinnvoller, als die Luftwaffe mit der Armeereform nichtfliegerische Bereiche wie die Fliegerabwehr abgibt. Gut möglich, dass Schellenberg deshalb der letzte Nichtpilot auf dem Posten des Luftwaffenkommandanten war. Neuer Luftwaffenchef wird Bernhard Müller, derzeit Chef Einsatz der Luftwaffe. Müller war Cheffluglehrer bei der Einführung des Super Pumas. Er leitete unter anderem humanitäre Helikoptereinsätze der Schweizer Armee in Albanien und auf Sumatra sowie Feuerlöscheinsätze in Griechenland. Müller war bereits 2013 als möglicher Luftwaffenchef im Gespräch, die Wahl fiel damals aber auf Schellenberg.

Zum Ausbildungschef ernannte der Bundesrat den Ostschweizer Daniel Baumgartner, der momentan als Kommandant Heer wirkt. Auch Baumgartner war in der Vergangenheit im Gespräch für höhere Weihen, so als möglicher Kandidat für die Nachfolge des abgetretenen Armeechefs André Blattmann. Letzten September ernannte der Bundesrat dann aber auf Antrag von Verteidigungsminister Guy Parmelin den Romand Philippe Rebord zum neuen Armeechef. Ihm sind die beiden Korpskommandanten Baumgartner und Schellenberg als entscheidende Schlüsselfiguren in der neuen Armeestruktur direkt unterstellt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2017, 23:20 Uhr

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