Der Mann, der Widmer-Schlumpf aus dem Bundesrat drängen will

Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime will erneut für den Bundesrat kandidieren. Er kommt seiner Mutterpartei zuvor.

Bild: Keystone

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Je länger ein Bundesratskandidat im Medienfokus steht, desto mehr Fettnäpfchen warten. Deshalb halten sich die Interessenten normalerweise so lange wie möglich bedeckt. Nicht so der SVP-Nationalrat Jean-François Rime aus Bulle (FR): Fast zehn Monate vor der Gesamterneuerungswahl Mitte Dezember meldet er sein Interesse an einer Kandidatur an.

Er sei bereit für den Bundesrat, sagt Rime der Zeitung «Le Temps»: Zwar sei die Nachfolge in seinem 70 Angestellte zählenden Sägewerk noch nicht geregelt, aber er verabschiede sich zunehmend von operativen Aufgaben, und seine Söhne seien bereit, selber etwas zu machen. «Es ist klar, dass das Bundesratsamt einen vollen Einsatz verlangt», so Rime.

Für die SVP Schweiz «kein Thema»

Mit seinem Vorpreschen kommt Rime der SVP Schweiz zuvor, die ihre Strategie für die Rückeroberung des zweiten Regierungssitzes erst nach den Parlamentswahlen bekannt geben will. «Die Bundesratswahlen sind für uns vor dem 23. Oktober kein Thema», sagt Generalsekretär Martin Baltisser auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Ob Rime bei der SVP Schweiz und in seiner Fraktion auf genügend Gegenliebe stösst und nominiert wird, ist ohnehin fraglich. Seine Kandidatur bei den Ersatzwahlen vom vergangenen Herbst war von Anfang an chancenlos gewesen, mit der Nomination des gemässigten Konsenspolitikers hatte die SVP-Fraktion nichts zu befürchten. Rime diente der Partei beim Angriff auf den SP- und den FDP-Sitz sozusagen als Kanonenfutter.

Offensive aus der Westschweiz

Doch Rime holte erstaunlich viele Stimmen und schaffte es zweimal in den zweiten Wahlgang, was ihn selber beflügelte. Gleich nach der Wahl liess er seine Partei wissen, dass er 2011 ein weiteres Mal kandidieren würde und kündete seinen Widerstand an, sollte ihn die SVP aussen vor lassen. Doch die SVP-Bundeshausfraktion ist bekannt dafür, dass sie echte Chancen auf einen Bundesratssitz lieber an einen Kandidaten des rechten Parteiflügels vergibt.

Rime argumentiert auch mit seiner Herkunft: Adrian Amstutz falle beispielsweise weg, weil es schon zwei Berner im Bundesrat habe, sinniert er in «Le Temps». Und Bruno Zuppiger komme ebenso wenig infrage, da er aus derselben Gemeinde stammt wie Ueli Maurer. Ob Fraktionschef Caspar Baader für das Parlament wählbar sei, hält Rime für fraglich, weshalb er sich selber durchaus Chancen ausrechne. «Mein sehr gutes Resultat hat gezeigt, dass die Westschweizer SVP ihren Platz im Herzen der Partei hat.»

«Natürlich wird Rime nominiert»

Die Tonalität lässt auf einen Machtkampf zwischen der Westschweizer SVP und ihrer Mutterpartei schliessen. Folgerichtig begrüsst der Neuenburger SVP-Nationalrat Yvan Perrin die Interessensbekundung seines Parteikollegen: «Das ist sehr gut, wir Westschweizer müssen uns positionieren, wir haben fähige Leute für den Bundesrat.»

Perrin ist als einziger Romand im Präsidium der SVP Schweiz schon mehrmals in Konflikt geraten mit seiner Partei, per Ende dieser Legislatur tritt er als SVP-Vizepräsident zurück. Natürlich werde Rime von der SVP nominiert, gibt sich Perrin überzeugt: «Er würde sich nicht so an die Öffentlichkeit wenden, wenn er nicht sicher wäre, dass die Partei ihn unterstützt.»

Kampf zwischen SVP und BDP eröffnet

Damit kann der Kampf zwischen SVP und der Splitterpartei BDP losgehen: In einer guten Woche tritt die BDP mit ihrer Wahlkampfstrategie vor die Medien, die Sitzverteidigung um Eveline Widmer-Schlumpf spielt dabei eine zentrale Rolle. «Rime träumt seit September vom Bundesratsamt, er soll weiterträumen», sagt BDP-Präsident Grunder. Ihn beschäftige die Kandidatur keine Minute lang.

Yvan Perrin hingegen sieht Widmer-Schlumpfs Stuhl wackeln: «Seit der Departementsverteilung sind viele SP-Frauen wütend auf sie. Susanne Leutenegger Oberholzer wird sie nicht mehr wählen. Und mit der Aufhebung des Inzestverbots werden wohl einige CVP-Politiker Mühe haben.» Jedenfalls werde die Westschweizer SVP ihren Kronfavoriten Rime und auch Guy Parmelin in den nächsten Monaten nach Kräften beliebt machen. «Wir brauchen Galionsfiguren.»

Erstellt: 03.03.2011, 13:04 Uhr

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