Der Mann muss gehen

Der Bundesrat will überflüssige Verkehrsschilder abschaffen – und die übrigen geschlechtsneutral gestalten lassen.

Ihre Zeit ist abgelaufen: Diese sechs Schilder werden verschwinden.

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Schätzungsweise vier Millionen Verkehrsschilder stehen heute auf und neben den Schweizer Strassen, das ist, grob gesagt, ein Schild pro zugelassenes Auto. Dieses Dickicht an Regeln und Signalen geht mittlerweile selbst seinen Erfindern zu weit, umso mehr als sich die beabsichtigte Wirkung ins Gegenteil zu verkehren droht: «Die Menge ist für die Verkehrsteilnehmer teilweise schlicht nicht mehr zu bewältigen», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra). Die zahlreichen Signalisationen würden die Verkehrsteilnehmer bisweilen mehr verwirren, als sie sicher zu begleiten.

Das Astra hat darum schon zu Beginn der Legislatur den Auftrag gefasst, den Schilderwald zu lichten – mit dem Oberziel: Jede fünfte Vorschrift soll weg. Diese Messlatte erwies sich freilich als zu hoch, da auch jedes Schild seine Lobby hat, wie Rohrbach sagt. So ist zum Beispiel der Versuch, das Gefahrensignal für «Steinschlag» oder die Warnung vor «Rollsplitt» zu entsorgen, an mannigfaltigen Einwänden gescheitert. Letztlich schlägt der Bundesrat nun vor, sechs Hauptsignale zu streichen, dazu mehrere Hinweissignale sowie eine Reihe von alten Regeln, von denen viele Verkehrsteilnehmer schon gar nicht mehr wissen dürften, dass es sie überhaupt gibt.

Kein Hinweis auf Zebrastreifen

Nicht mehr für nötig erachtet der Bund zum Beispiel das Gefahrensignal «Fussgängerstreifen», das heute schwer erkennbare Fussgängerstreifen ankündigt. Die Begründung: Solch heikle Zebrastreifen darf es gar nicht mehr geben. Verschwinden sollen auch die als überflüssig eingestuften Distanzbalken vor Bahnübergängen sowie das Gefahrensignal «Flugzeuge», das in der Nähe von Flughäfen einer Binsenweisheit gleichkomme. Unter den Hinweissignalen soll unter anderem die Ankündigung der «Gottesdienste» aus der Verordnung gestrichen werden, da diesen keine irdisch-verkehrsrechtliche Bedeutung zukommt. Die Gemeinden dürfen die bestehenden Schilder aber im Sinne einer Information stehen lassen.

Was die Verkehrsregeln angeht, will der Bund unter anderem das kaum mehr praktizierte Marschieren in Kolonnen von den heutigen Zwängen befreien. Velofahrer dürfen künftig die Füsse vom Pedal nehmen; und zum Transport von Leichen sollen auch Fahrzeuge ohne spezielle Einrichtung zugelassen werden.

Tempo 50 ab dem Ortsschild

Von grösserer Bedeutung ist die geplante Aufwertung der Ortstafel beim Dorfeingang. Sie soll künftig automatisch der Punkt sein, ab dem Tempo 50 innerorts gilt. Das separate Signal «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» würde damit obsolet, die Gemeinden könnten Tausende dieser Schilder abmontieren. Umgekehrt müsste man in vielen Fällen die heutige Ortstafel näher zum Dorfkern verschieben, da sie in der Regel weiter aussen steht als das Tempo-50-Gebot. Zudem wird diese Änderung die Kreation eines neuen Schildes «Ortsende auf Hauptstrassen» nötig machen.

Mehr Sicherheit sollen neue Lichtsignalanlagen bringen: Überall, wo ein Autofahrer grünes Licht hat, er beim Abbiegen aber noch Fussgängern den Vortritt lassen muss, soll künftig auch ein gelbes Blinklicht vor Unfallgefahr warnen. Zurückgeschreckt ist das Astra vor dem Vorschlag, die Pflicht zur Benützung der Fussgängerstreifen abzuschaffen. In diesem Punkt will man weitere Forschungsergebnisse abwarten und allenfalls später darauf zurückkommen.

Bereits vorgespurt ist hingegen, dass es auf den Strassen künftig geschlechtsneutral zugehen soll. Der Bund möchte alle Schilder, auf denen Mann oder Frau ein Verbot anzeigen, nach und nach durch Signale mit geschlechtsneutralen Figuren ersetzen. Man habe das Bedürfnis nach einer solch zeitgerechten Regel verspürt, heisst es dazu im Astra etwas zurückhaltend. Folgen hätte eine solche Regel nicht zuletzt für die Strassenverkehrsämter: Sie müssten ihre Fragebögen für die Fahrprüfung anpassen, und zum Beispiel aus allen Fahrzeuglenkern Fahrzeuglenkende machen.

Erstellt: 07.01.2011, 10:04 Uhr

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Der Bund möchte alle Schilder, auf denen Mann oder Frau ein Verbot anzeigen, nach und nach durch Signale mit geschlechtsneutralen Figuren ersetzen. Eine gute Idee?

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22.3%

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77.7%

1655 Stimmen


Das alte und neue Fussgängerverbotszeichen.

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