Der Mission verpflichtet

Magdalena Martullo-Blocher will für die SVP Graubünden in den Nationalrat.

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«An einer politischen Karriere habe ich kein Interesse», sagte Magdalena Martullo-Blocher im Februar dem «Bündner Tagblatt». Diese Aussage ist Makulatur: Die Ems-Chefin will für die SVP Graubünden in den Nationalrat. Martullo-Blochers Kandidatur entspricht einem Vorgehen, das ihr Vater geprägt hat und dem sich auch «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel verpflichtet fühlt: Der Zustand der Bundespolitik wird als desolat diag­nos­tiziert.

Hilfe kann nur von Persönlichkeiten kommen, die eine Mission erfüllen wollen und die Mühlen des Politbetriebs im Grunde verachten. Christoph Blocher bezeichnete den Parlamentsbetrieb als «Zeitverschwendung», Köppel kritisiert Woche für Woche, was falsch läuft in Bern, und für Martullo-Blocher ist die Bundespolitik «von oberflächlichen Sachkenntnissen und leichtsinnigen Schnellschüssen geprägt».

Gefragte Kompetenz

Nun sind erfolgreiche Unternehmer eigentlich eine Bereicherung für die Bundespolitik. Ihre Kompetenz ist besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt. Problematisch wird es dann, wenn wie bei Martullo-Blocher politisches Engagement einhergeht mit der Haltung, die Politik könne ausschliesslich am Wesen der Wirtschaft genesen. Das hatten wir schon mal. Vor der Finanzkrise häuften sich Ratschläge aus Wirtschaftskreisen, die Politik sei ineffizient und solle sich die Wirtschaft zum Beispiel nehmen. Es kam anders: Am Schluss musste die Politik gefallenen Finanzinstituten auf die Beine helfen.

Martullo-Blochers Wahl ist alles andere als sicher. Ihre Verdienste als Unternehmerin sind unbestritten. Wenn sie nun aber dieselbe Platte wie ihr Vater auflegt, diese «Eigentlich will ich nicht, aber ich muss»-Haltung und diesen verächtlichen Blick auf den Politbetrieb, könnte sie scheitern. Graubünden ist der Kanton, in dem Eveline Widmer-Schlumpfs BDP stark ist und sich die SVP bisher nicht durch polternde Hardliner aus­gezeichnet hat. Viel wird davon abhängen, ob Martullo-Blocher auch Bereitschaft zur konstruktiven politischen Ratsarbeit erkennen lässt, zum bekanntlich langsamen Bohren harter Bretter. Oder ob sie sich bloss als Korrektiv zu all den Fehlentwicklungen sieht, die das Land scheinbar an den Abgrund führen.

Erstellt: 20.04.2015, 21:15 Uhr

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