Der Rechte und Nette

Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime redet morgen auf dem Rütli.

Hält die 1.-August-Rede auf dem Rütli: SVP-Nationalrat Jean-François Rime.

Hält die 1.-August-Rede auf dem Rütli: SVP-Nationalrat Jean-François Rime.

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Man muss ihn schon sehr drängen, bis er deutlicher wird, wenigstens ansatzweise. Ob er sich nicht darüber ge­ärgert habe, hat man gefragt, was sein Parteifreund Christoph Blocher über die Welschen sagte, in den Tagen nach der Abstimmung zur Einwanderungsinitiative: Dass sie nämlich keine richtigen Schweizer seien. Erst auf Drängen hin wird Jean-François Rime deutlicher. Und das klingt dann so: «C’est vrai que c’est un tout petit peu ­désagréable», es stimme schon, das sei ein ganz klein wenig unangenehm.

Rime, der morgen auf dem Rütli die 1.-August-Rede halten wird, ist kein Aufgeregter. Der Freiburger aus der Kleinstadt Bulle im Greyerzerland, Nationalrat der SVP und erster welscher Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes, bleibt als Typ gelassen, er ist umgänglich, er hat Humor. Deshalb wird er auch von den politischen Gegnern geschätzt. Deshalb hat es ihm nicht geschadet, dass er zweimal seiner Partei zuliebe, aber ohne jede Chance für den Bundesrat kandidierte, im Gegenteil, er kam mit seiner Art überall gut an.

Dass Rime politisch viel härter denkt als die meisten Romands und in den wichtigen Fragen mit Blocher einig ist, verschwindet hinter seiner gmögigen Art.

Sie lässt auch vergessen, was für ein erfolgreicher Unternehmer er ist. Der 64-jährige Ökonom führt in seiner Heimatstadt drei Betriebe, darunter eine Sägerei. «Über ein Drittel meiner Angestellten sind Ausländer», sagt er, vor allem Kosovaren und Portugiesen. Als Nationalrat der SVP unterstützt Rime die Ausländerpolitik seiner Partei, bleibt sehr skeptisch gegenüber der EU.

Die wichtige Wiese

Wie es seinem Naturell entspricht und dem Anlass sowieso, wird sich der Politiker bei seiner Rede auf dem Rütli, «dieser wichtigen Wiese», versöhnlich geben. Jean-François Rime, der den Ort schon mit seinen Kindern besucht hat, wird morgen im Namen der Jugend und ihrer Ausbildung reden. Vor allem der Berufsschulen, um welche die Schweiz auf der ganzen Welt beneidet werde. «Ich werde auch daran erinnern, dass es früher die Schweizer waren, die ins Ausland zogen, um Arbeit zu finden.» Dass es jetzt umgekehrt ist, sieht Rime als Beleg für die Qualität der Schweizer Wirtschaftspolitik. Warum seine Partei das Negative so sehr betone, fragt man ihn. Er antwortet moderat wie immer: «Ich denke nicht, dass die SVP alles schlechtmacht, wir weisen nur auf bestimmte Probleme hin.»

Jean-François Rime kommt einer freisinnigen Familie, sein Grossvater war in der Partei, sein Vater war freisinniger Nationalrat, er selber war Stadtparlamentarier für die FDP. Dass er sich der SVP anschloss, als sie ihn 2002 kontaktierte, hat einen politischen und einen persönlichen Grund. Politisch hatte sich die FDP für ihn zu sehr in die Mitte bewegt. Das Persönliche gründet in einem familiären Drama. 1994 brachte sich Rimes Vater um, er war zum Opfer der skandalberüchtigten Freiburger Justiz geworden. Aufgrund anonymer Gerüchte war ihm vorgeworfen worden, bei einem Grundstückhandel mit Schwarzgeld operiert zu haben. Dutzende von Zeugen wurden befragt, das Telefon der Familie drei Monate lang abgehört. Trotz all dieser Ermittlungen, an denen sich Leute der CVP und auch des Freisinns beteiligten, wurde gegen Rimes Vater nie eine formelle Untersuchung eröffnet. Die freisinnige Partei habe die Familie nie unterstützt, sagte der Sohn damals.

Er spricht nicht mehr darüber. Weder moderat noch deutlich.

Erstellt: 31.07.2014, 07:04 Uhr

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