Der Rekordunfalltag – ein Crash alle viereinhalb Minuten

Der 15. Februar 2012 war der unfallreichste Tag 2011/12. Es ereigneten sich mehr als doppelt so viele Unfälle wie an einem durchschnittlichen Tag. Teil 4 unserer Unfallstatistik.


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Nach der kältesten 14-Tage-Periode seit 27 Jahren legte eine Warmfront die Grundlage für den unfallreichsten Tag der Jahre 2011 und 2012. Sie brachte gegen Abend des 14. und den ganzen 15. Februar 2012 verbreitet Schneefälle. «Es waren keine riesigen Schneemassen, aber es schneite immer wieder», sagt Reto Vögeli von Meteonews.

Damit war der Berufsverkehr am 15. Februar sowohl am Morgen als auch am Abend betroffen. Das sind die Tageszeiten, an denen es unter der Woche ohnehin immer am meisten Unfälle gibt. An diesem Tag aber knallte es im Schnitt alle viereinhalb Minuten irgendwo in der Schweiz. Wegen der eisigen Böden blieb der Schnee liegen, in tiefen Lagen dürfte die weisse Pracht am Nachmittag auch feucht und matschig geworden sein. Meteonews registrierte in Basel eine Tageshöchsttemperatur von 3,7 Grad, in Bern 1,8 und in Zürich 1,9 Grad.

Nicht an Strassenverhältnisse angepasst

Zahlreiche Autofahrer fuhren zu unvorsichtig und passten sich den gefährlichen Strassenverhältnissen nicht genügend an. Alleine aus diesem Grund krachte es am 15. Februar 183-mal. Das entspricht knapp 58 Prozent der insgesamt 318 Unfälle. Es sind auch bereits deutlich mehr als die durchschnittlich 148 Unfälle pro Tag, die die Statistik des Bundesamts für Strassen (Astra) 2012 für alle Unfallarten zusammen ausweist. Die weiteren registrierten Gründe für die Unfälle vom 15. Februar verteilen sich auf viele verschiedene Kategorien der rund 200 möglichen Ursachen. Am zweithäufigsten sind die «unbekannten Ursachen» (13) notiert. Alkohol war nur siebenmal im Spiel und rangiert damit auf Platz sieben.

Am 15. Februar starb ein Autofahrer. Sein Wagen schlitterte in Emmenbrücke LU über eine Strasseninsel auf einen Platz mit Kreisverkehr. Dort prallte er gegen die Mauer des Gartens in der Mitte des Platzes. Als Unfallursache weist die Statistik «Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit» aus. Das schliesst nicht aus, dass die ungünstigen Strassenverhältnisse ihren Anteil am Unfall hatten. Am Tag mit den meisten Unfällen waren ausserdem elf Schwerverletzte und 75 Leichtverletzte zu beklagen. Nimmt man nur die Fälle mit nicht angepasstem Fahrverhalten, dann waren es sechs Schwer- und 47 Leichtverletzte.

Schnee, Dezember und Freitag

Allgemein konzentrieren sich die unfallreichsten Tage auf die Wintermonate. Dabei zeigt sich der Dezember als besonders gefährlich. 2011 und 2012 fällt fast die Hälfte der jeweiligen zehn Tage mit den meisten Unfällen in diesen Monat. Und immer gab es Niederschlag, meist in Form von Schnee. So schneite es beispielsweise am 6. Dezember 2012, aber nur in Zürich, in der Zentral- und der Ostschweiz. Der Tag schaffte es mit 224 Unfällen dennoch auf Rang sieben der unfallreichsten Tage des Jahres. Am 7. Dezember schneite es dann auch in der Westschweiz, Bern und Basel, und die Statistiker des Bundes verzeichneten 317 Unfälle, nur einen weniger als am 15. Februar.

Trotz der Häufung unfallreicher Tage im Winter, ist die Bilanz übers Jahr gesehen ziemlich ausgeglichen: Alle Monate verzeichnen ähnlich viele Unfälle. Das dürfte vor allem an den Töff- und Velounfällen liegen. Gerade im Winter, wenn es schneit, wagen sich nur sehr wenige mit dem Zweirad auf die Strasse. In den wärmeren Monaten ist es genau umgekehrt: Je schöner das Wetter, desto mehr Motorräder und Velos sind unterwegs – an den Wochenenden auch Ausflügler.

Bei den unfallreichsten Tagen ausserhalb der Wintermonate zeigt sich eine weitere Auffälligkeit: Es handelt sich fast immer um Freitage. Dieser Wochentag hebt sich auch bei einer Auswertung übers ganze Jahr mit rund 1000 Unfällen mehr vom zweitplatzierten Donnerstag ab (siehe unten). Sieht man sich den Freitag im Tagesverlauf an, gibt es eine deutliche Spitze in der Zeit zwischen 16 und 18 Uhr. Dann drängen die Leute nach einer Arbeitswoche nach Hause – oder ins Ferienhaus. Sie sind vielleicht müde, zerstreut oder genervt und nachweislich weniger konzentriert und vorsichtig. Auch der 7. Dezember 2012 war ein Freitag, der 15. Februar jedoch ein Mittwoch. Die aussergewöhnliche Wetterlage dieses Tages war offenbar noch knapp einflussreicher als die Kombination aus Wetter- und Freitagseffekt vom 7. Dezember.

Erstellt: 22.10.2013, 10:36 Uhr

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